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12.04.2017

10:15 Uhr

United Airlines

Passagier-Misshandlung löst Boykott-Aufrufe in China aus

VonLea Deuber

Der Rauswurf eines Passagiers aus einem überbuchten Flugzeug sorgt in China für Empörung. In sozialen Netzwerken kursieren Boykott-Aufrufe gegen United – auch von Prominenten. Dabei ist der Geschädigte gar kein Chinese.

Der Vorfall bei United Airlines sorgt für Empörung bei vielen Amerikanern mit asiatischen Wurzeln. AFP; Files; Francois Guillot

Protest in Chicago

Der Vorfall bei United Airlines sorgt für Empörung bei vielen Amerikanern mit asiatischen Wurzeln.

Peking„Brutaler Angriff“: So betitelt das chinesische Staatsfernsehen den Rauswurf eines Passagiers aus einem Flugzeug der amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines. Die Bilder des Mannes mit blutverschmierten Gesicht und hochgezogenem Hemd laufen seit Montag rauf und runter in den Programmen. Nicht zuletzt, weil zunächst spekuliert wurde, der Mann sei chinesischer Abstammung.

Die amerikanische Fluggesellschaft United Airlines geriet unter Druck, nachdem das Video des brutalen Vorgehens gegen den Passagier öffentlich wurde. Der Mann war am Sonntag auf einem United-Flug von Chicago nach Louisville gewaltsam aus dem Flugzeug entfernt worden. Mehrere Passagiere hatten den Vorfall gefilmt. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie Sicherheitskräfte den Mann an seinen Armen und Beinen zwischen den Sitzreihen hindurchschleifen.

Nach Angaben der Fluggesellschaft war der Flug zumindest ausgebucht. Für vier Flugbegleiter, die mitfliegen sollten, war daraufhin kein Platz mehr gewesen. Nachdem keiner der Passagiere das Flugzeug gegen eine Entschädigung freiwillig verlassen wollte, wurde der Mann mit drei anderen Passagieren ausgewählt. Diese kamen der Aufforderung freiwillig nach. Der Mann wehrte sich gegen die Entscheidung.

Wie die amerikanische Linienfluggesellschaft aus Chicago die Auswahl getroffen hat, ist nicht bekannt. Passagiere hatten berichtet, der Mann habe sich beschwert, dass die Wahl nur auf ihn gefallen ist, weil er Chinese sei. Laut US-Medienberichten handelt es sich bei dem Mann aber um einen 69-jährigen Arzt mit vietnamesischen Wurzeln – doch seine Abstammung wurde erst bekannt, als die Rassismus-Debatte in China schon voll entbrannt war.

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Innerhalb weniger Stunden kursierten Boykott-Aufrufe gegen die Fluggesellschaft in Chinas sozialen Netzwerken. Der Hashtag „United Airlines zwingt einen Passagier, das Flugzeug zu verlassen“ wurde auf der Blogplattform Weibo von über 200 Millionen Menschen aufgerufen. Es ist dort seit Tagen das meistgeklickte Thema.

Laut Aussagen von Passagieren gegenüber TV-Sendern hatte der Mann zunächst freiwillig seinen Platz aufgeben wollen. Da der nächste Flug aber erst am darauffolgenden Tag starten sollte, entschied er sich dagegen. Er habe am folgenden Tag Patienten zu behandeln.

Viele chinesische Nutzer unterstellten der Fluggesellschaft aufgrund der asiatischen Abstammung des Arztes Rassismus. Gao Xiaosong, ein bekannter Sänger und Musikproduzent sowie Mitgründer der Alibaba Music Group, veröffentlichte gleich mehrere Posts, in denen er von ähnlichen Erlebnissen mit der Fluggesellschaft berichtete. „Ich habe vor ein paar Jahren meine Lektion zwei Mal lernen müssen, und bin seitdem nie wieder geflogen.“ Der taiwanesisch-amerikanische Sänger Jason Chen postete auf Weibo: „United Airlines ist unmenschlich. Auch wenn ich eine goldene Mitgliedschaft habe, werde ich nie wieder mit ihnen fliegen.“

Für Aufmerksamkeit sorgte auch eine Petition mit dem Hashtag #ChineseLivesMatters, die ans Weiße Haus gerichtet war und nach dem Vorfall ins Leben gerufen wurde. Sie fordert eine Untersuchung des Vorfalls und erhielt innerhalb weniger Tage mehr als 150.000 Unterschriften. Der Hashtag ist eine Anlehnung an die Protestbewegung #BlackLivesMatters.

Kommentare (5)

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Herr Paul Kersey

12.04.2017, 10:44 Uhr

Ein gutes Beispiel dafür, wie der Verbraucher seine Macht aus den Händen gleiten lässt. Konsequenter Boykott wäre die einzig richtige Reaktion, aber die United Flüge dürften heute ebenso voll gewesen sein wie gestern. Wir sind doch alle selber schuld, wie wir uns von den Konzernen behandeln lassen.

Frau Lana Ebsel

12.04.2017, 10:45 Uhr

Im Prinzip sollte eine Fluggesellschaft, welche Passagiere mit Gewalt aus ihrem Flugzeug entfernen lässt, weil sie Sitzplätze für eigenes Personal benötigt, dermaßen verklagt werden, dass ihr danach nur noch eine Auflösung in Luft als Lösung bleibt.

Herr Franz Giegl

12.04.2017, 11:37 Uhr

wer mit dieser Flugesellschaft noch fliegt, hat die Zeichen der Zeit einfach nicht erkannt...
Normalerweise direkt die Eigentümer enteigenen, aber jo was soll... wir machen weiter als wäre nichts gewesen, weil es eben niemand von unser direkt war, der da aus dem Flugzeug mit Gewalt entfernt wurde.

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