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12.04.2017

20:08 Uhr

United-Chef Oscar Munoz

„Das wird nie wieder passieren“

United-Chef Munoz kündigt mit aller Entschlossenheit an, dass sich der rabiate Rauswurf eines Passagiers nie wiederholen soll. Der „gesunde Menschenverstand“ kam am Sonntag zu kurz – Munoz habe sich geschämt.

Einen Vorfall wie letzten Sonntag will der United-Chef nie wieder geschehen lassen. dpa

Oscar Munoz

Einen Vorfall wie letzten Sonntag will der United-Chef nie wieder geschehen lassen.

WashingtonDer rabiate Rauswurf eines Passagiers aus einem überbuchten Flugzeug der amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines soll sich nicht wiederholen. „Das wird nie wieder passieren“, sagte United-Vorstandschef Oscar Munoz am Mittwoch dem US-Sender ABC. United werde keine Sicherheitsbeamten mehr in eine Maschine holen, um einen Passagier herauszuholen, der gebucht und bezahlt habe und im Flieger sitze.

Die US-Fluggesellschaft hatte am Sonntag einen Passagier gewaltsam aus einer Kabine entfernen lassen, weil das Flugzeug überbucht war. Videos von dem Vorfall zeigten, wie Sicherheitsleute den Mann über den Boden des Kabinengangs zum vorderen Ausgang des Flugzeuges ziehen. Dies hatte weltweit Empörung ausgelöst.

Nicht alle Passagiere fliegen mit

Beispiel „United Airlines“

Ein Fluggast wird gewaltsam aus einer United-Airlines-Maschine gezerrt, weil sie zu voll ist. Das Flugzeug war überbucht. Könnte das auch Reisenden in Deutschland passieren – womöglich zu Ostern oder in der Ferienzeit? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum verkaufen Fluggesellschaften zu viele Tickets?

Aus ökonomischer und ökologischer Sicht sei es sinnvoll, möglichst alle Plätze in einem Flugzeug zu besetzen, erklärt Carola Scheffler, Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). „Erfahrungsgemäß erscheinen aber nicht alle Passagiere zu ihrem gebuchten Flug.“ Bei Lufthansa sind das im Jahr etwa 3 der rund 110 Millionen Passagiere, wie Unternehmenssprecherin Anja Lindenstein sagt. Damit möglichst wenige Plätze frei bleiben, werden die Flüge bis zu einem gewissen Prozentsatz überbucht. „Das ist gängige Praxis im Airline-Business.“

Wir stark können Maschinen überbucht sein?

Konkrete Zahlen nennen BDL und Lufthansa nicht. Das sei extrem unterschiedlich und hänge von der Strecke, dem Tag und Ereignissen wie Kongressen, Messen oder großen Events ab. Auf der Basis dieser Erkenntnisse und konkreter Erfahrungswerte der Vergangenheit berechnen die Airlines, wie viele Passagiere voraussichtlich ihren Flug nicht antreten. Es wird aber nicht jede Maschine überbucht: Gerade zu Ferienbeginn, bei Großereignissen oder Messen ginge die Airline das Risiko nicht ein, sagt Lufthansa-Sprecherin Lindenstein.

Warum treten manche Passagiere ihren Flug nicht an?

Geschäftsreisende buchten manchmal mehrere Flüge, „weil sie nicht wissen, wann ihr Meeting zu Ende ist“, sagt Lindenstein. Verpasste Anschlussflüge sind ein anderer Grund. Dazu kommen persönliche Ursachen wie beispielsweise eine Krankheit oder ein Unfall. Es gebe aber auch kulturelle Unterschiede. Manche Fluggäste verpassten schon mal während des Shoppens ihre Maschine. Die Deutschen seien in der Regel sehr pflichtbewusste Reisende.

Wie gehen die Fluggesellschaft damit um, wenn zu viele Passagiere mitfliegen wollen?

Zunächst wird nach Passagieren gesucht, die freiwillig von dem Flug zurücktreten, wie Scheffler und Lindenstein sagen. Sie würden dann auf eine andere Maschine umgebucht. Je nach Entfernung und der Dauer bis zum nächsten Flug gibt es dafür auch Geld. Sollte der nächste Flug erst am nächsten Tag gehen, zahlt die Fluggesellschaft auch eine Hotel-Übernachtung. Die Einzelheiten regelt eine EU-Verordnung. „Der Passagier hat zusätzlich die Möglichkeit, auf einen späteren Flug umgebucht zu werden oder sich den Ticketpreis zurückerstatten zu lassen“, sagt Scheffler.

Was machen die Fluggesellschaften, wenn sich nicht genug Freiwillige finden?

Dann wird der Zeitpunkt des Check-Ins der Fluggäste berücksichtigt, wie Lindenstein sagt. Dabei gilt: „Je eher, desto besser.“ Die Fluggesellschaft spreche mit einzelnen Gästen und versuche, eine individuelle Lösung zu finden. Das Problem werde auf jeden Fall am Gate gelöst, bevor die Passagiere einsteigen, betont Lindenstein. Ob es dabei bereits einmal zu Handgreiflichkeiten verärgerter Reisender kam, sei ihr nicht bekannt.

Wie ist es bei gebuchten Ferienreisen, außerhalb von Linienflügen?

Bei Ferienflügen gibt es relativ wenig Passagiere, die nicht am Flughafen erscheinen, wie der Sprecher von TUI Fly, Jan Hillrichs, sagt. „Die Urlauber kommen in der Regel.“ Daher würden die Maschinen normalerweise auch nicht überbucht. Sollte dies doch einmal passieren, so erkenne dies das Computersystem bereits Tage vor dem Abflug. Den letzten Kunden werde dann rechtzeitig eine Alternative angeboten. Hillrichs versichert: „So etwas wie bei United kann bei uns nicht vorkommen.“

Munoz sagte, er habe sich „geschämt“, als er die Videos gesehen habe. Er sprach außerdem von einem „Systemfehler“. United habe für seine Führungskräfte kein Verfahren etabliert, das diesen ermögliche, ihren „gesunden Menschenverstand“ zu benutzen.

Nach Kritik auch am Krisenmanagement der Airline sowie Boykott-Aufrufen in sozialen Netzwerken hatte sich Munoz am Dienstag in aller Form für den Vorfall entschuldigt und die Verantwortung übernommen. Er kündigte außerdem eine Überprüfung des Falls an. Dazu gehöre, wie United künftig mit Überbuchungen von Flugzeugen umgehe. Die Ergebnisse sollen bis Ende April vorgelegt werden.

Von

dpa

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