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05.12.2012

16:23 Uhr

„Unmittelbare Sicherheitsmängel“

Bahn hat Milliarden-Problem mit maroden Brücken

Die Deutsche Bahn hat ein teures Problem: Ein Viertel aller Bahnbrücken hat „unmittelbare Sicherheitsmängel“, ergab eine Untersuchung des Eisenbahn-Bundesamtes. Jetzt verlangt der Konzern mehr Geld vom Bund.

Die Bahn-Tochter DB Netz betonte, dass „in keinem Fall eine akute Gefährdung des Eisenbahnbetriebs“ gegeben sei. dapd

Die Bahn-Tochter DB Netz betonte, dass „in keinem Fall eine akute Gefährdung des Eisenbahnbetriebs“ gegeben sei.

BerlinDie Deutsche Bahn hat ein milliardenschweres Problem mit maroden und oft über 100 Jahre alten Brücken. Bei einem Viertel aller Überführungen stellte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) „unmittelbare Sicherheitsmängel“ fest, wie der Prüfbericht der Behörde ergab, der der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag. Sie verlangt auch deswegen vom Bund künftig 1,5 Milliarden Euro jährlich mehr für das Netz.

Zudem soll in den kommenden beiden Jahren rund eine Milliarde Euro des Bundes für den Strecken-Neubau in das bestehende Netz investiert werden. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Toni Hofreiter, zeigte sich empört: „Es ist dreist von der Bahn, jetzt zusätzliches Geld zu fordern, wo sie jahrelang bei der Instandhaltung der Brücken geschlampt hat“, sagte der Grünen-Politiker.

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Ausgelöst hatte die Sonderprüfung die Bahn selbst, die vom Bund bereits im Frühjahr eine massive Aufstockung der Mittel für Ersatzinvestitionen verlangt hatte. Als Begründung wurde unter anderem der Zustand ihrer insgesamt 27.000 Brücken aufgeführt. Die Bahn-Tochter DB Netz bestätigte in einem Schreiben an das Verkehrsministerium die Mängel an den meisten untersuchten Brücken, betonte jedoch, dass „in keinem Fall eine akute Gefährdung des Eisenbahnbetriebs“ gegeben sei.

Ein Bahn-Sprecher ergänzte, der Konzern habe zudem in den vergangenen zwei Jahren jeweils 1,4 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln in die Instandhaltung investiert. Gefordert gewesen sei eigentlich nur eine Milliarde Euro.

Das Eisenbahnbundesamt untersuchte in einer Schwerpunktprüfung 257 Bauwerke. Neben den Sicherheitsmängeln bezogen auf Stand-, Betriebs- oder Verkehrssicherheit wurden auch Akten zu den Anlagen geprüft, die ebenfalls in vielen Fälle lücken- oder fehlerhaft waren.

Die Bahn in Zahlen

Umsatz

Die Deutsche Bahn verbuchte im ersten Halbjahr 2012 einen Umsatz von 19,5 Milliarden Euro (18,9 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum). Insgesamt kam die Bahn 2011 auf einen Umsatz von 37,90 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es 34,41 Milliarden Euro.

Gewinn vor Zinsen und Steuern

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) beträgt 1,3 Milliarden Euro (1,1 Milliarden Euro).

Halbjahresergebnis

Halbjahresergebnis: 794 Millionen Euro (648 Millionen Euro).

Mitarbeiter zum Jahresende

Genau 284.319 hatte der Staatskonzern zum Jahresende 2011. Das waren gut 8000 mehr als ein Jahr zuvor. Mitarbeiter zum 30. Juni: 286 215 (30. Juni 2011: 284 319).
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Fahrgäste Bahnverkehr pro Tag

Fahrgäste Bahnverkehr im ersten Halbjahr: mehr als 1,0 Milliarde (973 Millionen). 2011 fuhren täglich rund 5,43 Millionen Menschen mit der Deutschen Bahn. 2010 waren es noch rund 5,34 Millionen.

Personenverkehr

Die Züge der Bahn legten im vergangenen Jahr 79,2 Milliarden Personenkilometer zurück. Ein wenig mehr als ein Jahr zuvor (78,6 Milliarden Personenkilometer).

Beförderte Güter im Schienenverkehr

Beförderte Güter im Schienenverkehr: 202,3 Millionen Tonnen (207,8 Millionen Tonnen).

Schienennetz

Das Schienennetz der Deutschen Bahn ist weiter geschrumpft. 2011 waren es nur noch 33.576 Kilometer. Ein Jahr zuvor gab es noch 33.723 Kilometer Schiene.

Obwohl DB Netz ein eigenes Sicherheits-Managementsystem habe, seien "Mängel insbesondere in der Umsetzung der vorgegebenen Prozessabläufe festzustellen", kritisiert die Behörde. „Diese Aufsichtsergebnisse zeigen, dass die Eisenbahnaufsicht durch das EBA unverzichtbar ist.“

Die Bahn erhält bislang jährlich 2,5 Milliarden Euro aus Steuermitteln für Ersatz-Investitionen in das Netz inklusive der Brücken. Nach Angaben des Verkehrsministeriums sind davon fast 500 Millionen Euro für Überführungen berechnet worden, dazu kommen 250 Millionen Euro für die regelmäßige Wartung, die das Unternehmen selbst zahlen muss.

Kommentare (14)

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Numismatiker

05.12.2012, 16:50 Uhr

Kein Geld für den Erhalt der Strecken haben, aber für Unsinn-Projekte wie Stuttgart21 werden Milliarden verschleudert. Typisch Bahn.

Account gelöscht!

05.12.2012, 17:05 Uhr

Paßt doch prima ins Gesamtbild.

Europa hat Probleme mit maroden Haushalten!

Account gelöscht!

05.12.2012, 17:19 Uhr

Das läßt sich noch eine Zeitlang hinhalten mit Langsamfahrstrecken, wohl bekomm's dem ICE. Aber dann?
mondahu erinnert sich noch an die unmittelbare Nachkriegszeit. Die Züge verkehrten bis zu einer zerstörten Brücke, alle Passagiere stiegen aus, liefen über Behelfsstege zur anderen Seite, stiegen dort in einen anderen Zug, und weiter ging's bis zur nächsten Zwangsumladung. Schöne Aussichten!

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