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10.08.2011

18:05 Uhr

Unruhen in Großbritannien

Briten decken sich bei Amazon mit Schlag-Waffen ein

VonMichael Brächer

ExklusivDie Briten bestellen derzeit im großen Stil Schlag-Waffen im Internet. Das geht aus den Verkaufscharts des Online-Versandhändlers Amazon hervor. Vor allem ein Produkt ist besonders stark gefragt.

Die Randalierer in Großbritannien rüsten auf. Quelle: dpa

Die Randalierer in Großbritannien rüsten auf.

London/DüsseldorfAuf den vorderen Plätzen der Kategorie „Aufsteiger des Tages“ liegen bei Amazon in Großbritannien derzeit Baseballschläger aller Art sowie ein Teleskop-Schlagstock, der für 14,50 Pfund (ca. 16 Euro) angeboten wird. Amazon wertet automatisch aus, welche Produkte besonders rasch in der Gunst der Kunden aufgestiegen sind.

Top-Seller in Großbritannien ist demnach ein 60 Zentimeter langer Baseballschläger aus Aluminium. Während sich der Schläger am Dienstag noch auf Rang 15.967 der Verkaufscharts befand, belegt er am frühen Mittwochabend Platz 276. Ein Teleskopschlagstock, der von einem deutschen Verkäufer geliefert wird, ist mittlerweile ausverkauft. In einer Produktrezension schreibt ein Kunde: „Ich habe zwei bestellt, einen für Zuhause und einen fürs Geschäft“. Und weiter: „Nun lass die Idioten mal versuchen, unser Geschäft zu plündern.“

Andere Nutzer fordern den Versandhändler in Kommentaren dazu auf, den Verkauf von Waffen angesichts der andauernden Unruhen zu unterbinden: „Ruft Amazon auf, dieses Produkt zu verbannen, denn es wird offensichtlich als billige, schnell verfügbare Waffe bei den Londoner Unruhen benutzt“, schreibt ein Nutzer auf der Webseite. Andere Kommentatoren kritisieren, dass Amazon von der Aufrüstung von Unruhestiftern und Ladenbesitzern gleichermaßen zu profitieren scheint.

Amazon Großbritannien hat mittlerweile auf das Problem reagiert: Einige Produkte sind aus dem Sortiment verschwunden. Diverse Baseballschläger sind allerdings immer noch verfügbar. Die Pressestelle von Amazon.co.uk war am Mittwochabend nicht für ein Statement zu erreichen.

Auch im deutschen Onlineversandhaus von Amazon kann man Waffen erwerben – etwa einen „Security Teleskop Abdrängstock“, der in der Produktkategorie „Sport und Freizeit“ geführt wird. Der Vertrieb des Schlägers erfolgt durch einen Dritthändler über die Plattform Amazon Marketplace. Ein Rezensent schreibt über das Produkt: „Habe den Teleskopstab bestellt, da man sich Abends einfach nicht mehr sicher fühlen kann“. Zur Bestellung ist nach geltendem Recht in Deutschland lediglich ein Nachweis dafür nötig, dass der Käufer das 18. Lebensjahr erreicht hat.

Kommentare (2)

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saltamontes

10.08.2011, 20:14 Uhr

Witzig...Welch schwache Ausrüstung haben die englischen Randalierer um sich mit Baseballschlägern in die Flucht schlagen zu lassen! Bei uns in Mexiko würde solch ein Spielzeug Schlagstock lediglich ein müdes Lächeln des Angreifers erzwingen, um sofort mit der AK 47 zu antworten...Aber es gibt noch Steigerungsmöglichkeiten in GB

EsEf

10.08.2011, 21:48 Uhr

"Das Recht braucht dem Unrecht nicht zu weichen", heißt es im deutschen Notwehrparagraphen. Die Briten haben nicht mal annähernd etwas, was man als Notwehrrecht bezeichnen kann. Vor über 10 Jahren hat man den Briten den Besitz von Pistolen und Revolvern weitgehend verboten. Das Ergebnis?
http://www.youtube.com/watch?v=xr20MX-oI8Q&NR=1

Aber soll man deshalb das brave Opfer spielen? Sich ausrauben, zusammenschlagen und seinen Besitz verwüsten lassen? Das ist offensichtlich das, was vom Bürger erwartet wird. Es soll ja "nicht noch weiter eskalieren". Was für ein empörender Euphemismus.

Verbote nützen nichts. Die bösen Buben decken sich legal oder illegal sowieso mit allem ein, was sie kriegen können. Aber der Bürger soll alles erdulden, was ihm angetan wird? Verbrecher und Schlägertypen können sich sehr sicher fühlen, denn ihnen droht durch dieses schafsköpfige Verhalten keine Gefahr.

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