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12.01.2006

22:36 Uhr

Unternehmenssitz der Bahn

Hamburg – Berlin und zurück

In den vergangenen Wochen ging es hin und her: Die Bahn zieht nach Hamburg, die Bahn bleibt in Berlin. Am wahrscheinlichsten ist mittlerweile, dass die Bahn sich aufteilt. Der Vorstand residiert weiter in der Hauptstadt, große Teile der Verwaltung ziehen nach Norden. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust hat auch schon genau definiert, was er unter „groß“ versteht.

Die Bahn kann sich nicht recht entscheiden, in welche Richtung sie fahren will. Foto: dpa

Die Bahn kann sich nicht recht entscheiden, in welche Richtung sie fahren will. Foto: dpa

HB BERLIN/HAMBURG. Eigentlich war es um die Pläne von Bahnchef Hartmut Mehdorn für eine Expansion in Hamburg gerade etwas stiller geworden. Die Gespräche zwischen den Managern und dem Senat liefen weiter, doch eine zentrale Streitfrage auch mit der Politik war nur vertagt: Verlegt der bundeseigene Konzern seine Zentrale im Gegenzug an die Elbe? Unerwartetet rasch kam da am Donnerstag ein Signal, das zumindest etwas Klarheit bringt: Die Bahn „beabsichtigt nicht, ihren Sitz von Berlin nach Hamburg zu verlegen“, teilte das Unternehmen mit. Um einen Umzug „zentraler Funktionen“ wird aber weiter gepokert.

Von einer Kehrtwende wollte Mehdorn jedenfalls nichts wissen. Es gehe gar nicht darum, den Konzernsitz zu verlegen. „Das habe ich nirgends gesagt“, betonte er bei einem „Management Forum“ der „Welt am Sonntag“ am Mittwochabend. „Dass die Hamburger da mehr wollen, das ist verständlich.“ Gesprochen werde bei den Verhandlungen über einen Einstieg bei der Hochbahn und der Hafengesellschaft vielmehr darüber, dass „ein paar Leitungsfunktionen sicherlich nach Hamburg gehen.“ Denn „einen Hafen von Berlin aus zu managen, das geht eben nicht“, sagte der Bahnchef. Und festgezurrt sei ohnehin noch nichts.

Das Bekenntnis zum Hauptsitz in der Hauptstadt ließ aber nicht nur Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) aufhorchen, der sich über die „beseitigten Irritationen“ freute. Zu weitgehend waren seit Bekanntwerden der Pläne Ende November Andeutungen beider Verhandlungspartner gewesen, dass selbst ein Umzug des Vorstands denkbar und möglich sei. Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) zählte jetzt denn auch noch einmal auf, was er sich unter der Formel von einer Verlagerung „zentraler Funktionen“ vorstellt: Den Umzug von Vorstand, Konzernleitung und Konzernfunktionen.

„Die Konzernleitung der Bahn muss mit 1000 bis 1500 Arbeitsplätzen von Berlin nach Hamburg verlegt werden, und die Bahn muss in Hamburg 400 Mill. Euro in den Neubau einer Konzernzentrale investieren, um sichtbar zu machen, dass sie sich in Hamburg auf Dauer engagieren will“, sagte Beust der „Bild“-Zeitung nach einem Vorabbericht aus der Freitagsausgabe. Würden diese Bedingungen nicht erfüllt, werde es nicht zu einem Verkauf von Hafengesellschaft und Hochbahn kommen. Die Verlagerung von Teilen des Bahn-Konzerns, wie zum Beispiel des Logistik-Bereichs oder der Spedition Schenker, reiche nicht aus. „Es gibt neben der Bahn zahlreiche andere Interessenten aus dem In- und Ausland, die an Beteiligungen an unseren Unternehmen interessiert sind“, sagte von Beust dem Blatt.

Ob Beust das mehrfach wiederholte Junktim bei der Bahn und auch im Tauziehen auf der politischen Bühne halten kann, ist offener denn je. „Wenn zwei verhandeln, dann hat jeder seine Position, und man trifft sich eben irgendwo in der Mitte“, sagte Mehdorn. Wohl bis Mitte März wollen beide Seiten nun „in Ruhe“ und „vertrauensvoll“ zu Ende verhandeln. „Entscheidungen über Umzugsfragen“ würden erst zum Abschluss dieses Prozesses getroffen, hieß es bei der Bahn.

Kritiker des Deals sahen sich aber schon jetzt bestätigt. Beust solle die Verhandlungen abbrechen, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Winfried Hermann. SPD-Experte Uwe Beckmeyer begrüßte, dass die Verhältnisse wieder vom Kopf auf die Füße gestellt worden seien. Über eine Verlegung des Konzernsitzes könne der Vorstand nicht selbst entscheiden. Mehdorn hatte zuvor auch bei Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) versichert, dass ein Zentralen-Umzug nicht zur Debatte stehe. Schon im November hatte das Bundeskabinett dies aus strukturpolitischen Gründen abgelehnt.

Wie der Poker am Ende ausgeht, ist aber weiter offen. Wowereit, der Mehdorn vor wenigen Wochen noch hart attackiert hatte, warb denn auch ausdrücklich für „konstruktive Gespräche“ zwischen der Bahn und Berlin. Trotz der Klarheit über den Hauptsitz ist theoretisch am Ende nämlich auch eine ganz besondere Lösung möglich, für die ein anderes Früheres Staatsunternehmen steht: Der Vorstand der Lufthansa steuert das Geschäft seit langem von der Basis am Frankfurter Flughafen. Sitz der Gesellschaft ist aber immer noch die Von-Gablenz-Straße in Köln.

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