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16.05.2014

15:15 Uhr

Untersuchungsausschuss

Absage der BER-Eröffnung war früh absehbar

Ein Parlamentsausschuss versucht weiter aufzuklären, warum die Eröffnung des neuen Hauptstadtstadtflughafens gescheitert ist. Ein Insider sagt: Nicht nur wegen der Entrauchungsanlage.

Bereits Mitte März 2012 habe sich dem Insider nach abgezeichnet, dass der Hauptstadtflughafen wie geplant eröffnen werden kann. dpa

Bereits Mitte März 2012 habe sich dem Insider nach abgezeichnet, dass der Hauptstadtflughafen wie geplant eröffnen werden kann.

BerlinDie komplexe Technik und Mängel bei der Bauausführung haben aus Sicht eines beteiligten Ingenieurs die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens verhindert. Bereits Mitte März 2012 habe sich klar abgezeichnet, dass der Brandschutz zum geplanten Eröffnungstermin im folgenden Juni nicht genehmigt werden könne, sagte der Brandschutzexperte Andreas Dahlitz vom Ingenieurbüro HHP Berlin am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Die Eröffnung wurde aber erst am 8. Mai abgesagt, dreieinhalb Wochen vor dem geplanten Termin.

Dahlitz machte deutlich, dass nicht allein die Entrauchungsanlage, die im Brandfall rauchfreie Fluchtwege schaffen soll, das Problem sei. „Das komplexe Zusammenspiel funktioniert nicht“, sagte er. HHP habe das Brandschutzkonzept für den Flughafen erstellt, verbunden mit den Anforderungen an Feuerwehr-Zugänge, die Organisation eines Rettungseinsatzes, bauliche Elemente und Anlagetechnik. Die technischen Anlagen, darunter auch die Entrauchungsanlage, seien aber von Fachplanern konzipiert worden.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

HHP sei davon ausgegangen, dass das System mit Brandmeldung, Entrauchung und Sprinkleranlage funktioniere. Das Ingenieurbüro habe dies aber nicht kontrolliert, weil das nicht zu seinen Aufgaben gehört habe. Im März 2012 habe er in einem Brief an das Bauordnungsamt seine Bedenken gegen den Plan geltend gemacht, das vollautomatische Brandschutzsystem an einer Schnittstelle durch manuellen Betrieb zu ersetzen, berichtete der Ingenieur.

In einer Stellungnahme vom 17. April 2012 habe HPP schließlich festgestellt, dass die Anlage „nicht genehmigungsfähig“ sei. Zusätzlich habe er diese Erkenntnis am 19. April per Einschreiben dem damaligen Technikchef Manfred Körtgen mitgeteilt, sagt Dahlitz. Der Untersuchungsausschuss will Körtgen zu einem späteren Zeitpunkt befragen. Körtgen wurde wenige Wochen nach dem Platzen des Eröffnungstermins von seinen Aufgaben entbunden.

Von

dpa

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