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24.06.2013

15:12 Uhr

Untreue-Verdacht

Neue Anklage gegen Ex-Arcandor-Chef Middelhoff

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft Middelhoff Untreue in mehreren Fällen vor und hat Anklage erhoben. Es gehe um einen Betrag im hohen sechsstelligen Bereich. Das Landgericht Essen prüft nun, ob es die Anklage zulässt.

Der ehemalige Arcandor-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff soll private Charterflüge über das Unternehmen abgerechnet haben. dpa

Der ehemalige Arcandor-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff soll private Charterflüge über das Unternehmen abgerechnet haben.

DüsseldorfSeine Zeit beim Arcandor-Konzern könnte für Ex-Chef Thomas Middelhoff nun auch ein strafrechtliches Nachspiel haben. Beim Landgericht Essen sei eine Anklage der Staatsanwaltschaft Bochum gegen Middelhoff eingegangen, teilte das Gericht am Montag mit. Die Staatsanwaltschaft werfe dem ehemaligen Spitzenmanager Untreue in mehreren Fällen vor. So habe er der Behörde zufolge private Charterflüge über das Unternehmen abgerechnet, erklärte das Gericht. Insgesamt gehe es um einen Betrag zumindest „im hohen sechsstelligen Bereich“. Das Landgericht muss nun prüfen, ob es die Anklage zulässt.

„Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bochum überrascht, weil sowohl in einem umfangreichen Schriftsatz als auch in einer persönlichen Vernehmung die dienstliche Veranlassung jedes einzelnen Fluges erläutert und mit Beweisangeboten unterlegt wurde“, betonten dagegen Middelhoffs Anwälte.

Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte nach der Pleite des Handelskonzerns Arcandor Ermittlungen aufgenommen und dabei unter anderem auch Wohn- und Geschäftsräume Middelhoffs durchsuchen lassen. Middelhoffs Anwalt Sven Thomas hatte dies als „Aktion für die Galerie“ bezeichnet. Middelhoff habe der Staatsanwaltschaft angeboten, alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Der frühere Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff hatte 2004 beim Arcandor-Vorläufer Karstadt-Quelle den Aufsichtsratsvorsitz übernommen, 2005 wechselt er auf den Chefsessel. Arcandor schlitterte im Juni 2009 in die Pleite, der Warenhausriese Karstadt ging später an den Milliardär Nicolas Berggruen. In Folge der Pleite gibt es zahlreiche juristische Auseinandersetzungen. Unter anderem fordert Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch von Middelhoff und anderen ehemaligen Arcandor-Managern Schadenersatz.

Von

rtr

Kommentare (1)

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THM

24.06.2013, 22:20 Uhr

Hoffentlich schaut sich die Staatsanwaltschaft auch die privaten Urlaubsflüge an, die Middelhoff und Kollegen über die Arcandor - Tochter Thomas Cook haben abwickeln lassen.

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