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19.02.2014

16:40 Uhr

Untreuevorwürfe

Gericht lässt Anklage gegen Middelhoff zu

Hat Thomas Middelhoff zu seiner Zeit als Arcandor-Chef private Flüge über das Unternehmen abgerechnet? Die Anklage der Staatsanwaltschaft wurde nun zugelassen. Middelhoff sagt, er habe sich stets korrekt verhalten.

Der ehemalige Arcandor-Vorstandsvoritzende Thomas Middelhoff sitzt im Januar 2011 bei einem Zivilprozess im Landgericht Essen. Nun wurde auch ein Strafprozess gegen ihn zugelassen. dpa

Der ehemalige Arcandor-Vorstandsvoritzende Thomas Middelhoff sitzt im Januar 2011 bei einem Zivilprozess im Landgericht Essen. Nun wurde auch ein Strafprozess gegen ihn zugelassen.

DüsseldorfSeine Zeit beim Arcandor-Konzern hat für Ex-Chef Thomas Middelhoff nun auch ein strafrechtliches Nachspiel. Die 15. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Essen habe am Mittwoch eine Anklage gegen Middelhoff „in vollem Umfang zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet“, teilte das Gericht in Essen mit.

Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte Middelhoff vorgeworfen, „die Arcandor AG mit betriebsfremden Kosten belastet zu haben“. Konkret geht es um den Vorwurf der Untreue in mehreren Fällen – Middelhoff habe etwa private Charterflüge über das Unternehmen abgerechnet, hatte die Anklagebehörde erklärt.

Insgesamt gehe es um einen Betrag zumindest „im hohen sechsstelligen Bereich“. Middelhoff und seine Anwälte Sven Thomas und Winfried Holtermüller erklärten indes, die Hauptverhandlung werde zeigen, dass sich der Manager korrekt verhalten habe.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Der frühere Bertelsmann-Manager Middelhoff hatte 2004 beim Arcandor-Vorläufer KarstadtQuelle den Aufsichtsratsvorsitz übernommen, 2005 wechselt er auf den Chefsessel. Arcandor schlitterte im Juni 2009 in die Pleite, der Warenhausriese Karstadt ging später an den Milliardär Nicolas Berggruen. In Folge der Pleite gibt es zahlreiche juristische Auseinandersetzungen. In Zivilverfahren wird etwa Schadenersatz gefordert – auch von Middelhoff.

Von

rtr

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