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20.12.2011

09:58 Uhr

Unzufriedene Händler

Dem Weihnachtsgeschäft fehlt der Glanz

Wenn die Einzelhändler eine „gemischte“ Zwischenbilanz über das Weihnachtsgeschäft ziehen, dann heißt das nichts anderes als: man ist ziemlich enttäuscht. Die Deutschen konsumieren trotz des Booms kaum mehr als früher.

Das Allee-Center in Magdeburg: Mittelmäßiges Weihnachtsgeschäft bisher. dpa

Das Allee-Center in Magdeburg: Mittelmäßiges Weihnachtsgeschäft bisher.

DüsseldorfDie Wirtschaft wächst, die Löhne steigen, die Arbeitslosigkeit sinkt: Im Vergleich zu früheren Jahren hätte das Weihnachtsgeschäft 2011 eigentlich brummen müssen. Doch die ohnehin schon niedrigen Erwartungen wurden bisher enttäuscht.

Nach den vier Adventswochenenden ist der Einzelhandel mit dem Verlauf der Vorweihnachtssaison alles andere als zufrieden. „Die Halbzeitbilanz des bisherigen Weihnachtsgeschäfts fällt weiterhin gemischt aus“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth. Der Knoten sei noch nicht geplatzt.

Mit genauen Umsatzzahlen geizen die Händler wie üblich - zumindest bis Januar. Aber solche negativen Aussagen sind durchaus ungewöhnlich. Dabei hat die Branche noch mehr Register gezogen als früher schon. So wurden die Öffnungszeiten bisweilen erheblich ausgeweitet.

Auch an Angeboten und Schnäppchen mangelt es sicherlich nicht. Üppige Nachlässe erwarten die potenziellen Käufer praktisch überall, so er auf einer Einkaufsmeile derzeit hinschaut. Früher war Winterschlussverkauf im Advent undenkbar, heute gehört es dazu. Auch wenn die Verhältnisse noch längst nicht so sind wie am "Black Friday" in den USA.

Abgesehen von den vielen Angeboten zeichnet sich ein zweiter Trend deutlich ab: Die Kunden zog es vor allem in die größeren Städte. Besonders Händler in hoch frequentierten Zentrumslagen hätten von einem guten Zulauf berichtet und zeigten sich mit dem Weihnachtsgeschäft „überdurchschnittlich zufrieden“.

Weniger Publikumsverkehr herrschte dagegen in vielen kleineren Städten. Forderungen nach einer Abschaffung der verkaufsoffenen Adventssonntage lehnte HDE-Chef Genth ab. Kunden, Geschäfte und Städte profitierten vom „stressfreien Bummeln mit der ganzen Familie“ gleichermaßen, erklärte er.

„Bis Weihnachten bleiben noch sechs Verkaufstage. Der Kalender wird uns dieses Jahr ein besonders starkes Last-Minute-Geschäft bringen“, sagte Genth voller Hoffnung auf den großen Durchbruch kurz vor dem Fest. Die Händler sähen aber auch der Woche zwischen Weihnachten und Silvester mit großen Erwartungen entgegen.

Das durchwachsene Weihnachtsgeschäft hat auch konkrete Folgen für einzelne Konzerne. Die Aktie von Deutschlands größtem Einzelhändler Metro geriet auch deshalb spürbar unter Druck. Anfang November hatte der Konzern noch gesagt, die laufende Prognose für das Gesamtjahr sei nur zu halten, wenn das Weihnachtsgeschäft gut laufe. Inzwischen musste Metro die Prognose korrigieren.

Kommentare (20)

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Martin

20.12.2011, 09:40 Uhr

Wenn die Deutschen trotz Boom nicht mehr konsumieren, sollte man sich fragen, in welcher Tasche der Boom stattfindet. Bei den "einfachen" Angestellten, die im über Jahre aufgeblasenen Niedriglohnsektor abreiten sicherlich nicht. So gar in Polen liegen die Löhne teilweise höher als in einigen Regionen Deutschlands.

Heute könnte der Bundestag den Angestellten in der Leiharbeit ein kleines aber sicherlich nicht wirklich spürbares Geschenk machen.

Frohe Weihnachten, allen, die es sich leisten können.

gefuehlte-Inflation

20.12.2011, 09:42 Uhr

"die Löhne steigen" ?? der Witz des Tages
Sie meinen wohl Bruttolöhne, und die steigen um ein paar mickrige Prozent bei Tarifvereinbarungen, die für weit mehr als 1 Jahr abgeschlossen werden. Wehe, Sie sind nicht gewerkschaftlich organisiert oder sind kein Topmanager. Für den Otto-Normalhaushalt bleibt netto immer weniger übrig durch massive steigende Energiekosten, Lebensmittelkosten, Krankenversicherung, Sozialbeiträge... Die offizielle Teuerungsrate im EUR Bereich liegt bereits bei 3%, d.h.Sie können davon ausgehen, dass die von Haushalten erlebte Teuerung um rund das Doppelte dessen liegt - es ist mehrfach erwiesen dass die öffentlichen Daten geschönt sind.

Account gelöscht!

20.12.2011, 09:48 Uhr

Welcher "Boom"? Der, dass es der Industrie gut geht, aber dem deswegen größer werdenden Niedriglohnsektor nicht? Oder vllt. der "Boom", der nach dem schallenden, geplanten Zusammenbruch des Finanzwesens zu hören ist?

;-)

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