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17.02.2012

12:42 Uhr

Urlaub in Krisenzeiten

Wie gefährlich die Unruhen für Griechenland-Urlauber sind

VonCarina Kontio

Krawalle, Demonstrationen und Streiks: War's das mit dem Sommerurlaub in Griechenland? Viele Urlauber sind verunsichert - angesichts der Situation in dem beliebten Ferienziel und möglicher Beeinträchtigungen auf Reisen.

Eine Touristin mit Schirm besucht den Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen. dpa

Eine Touristin mit Schirm besucht den Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen.

Düsseldorf„Wer schon immer mal überlegt hat, in Griechenland Urlaub zu machen, kann jetzt ein Signal setzen. Jeder Urlaub ist dem Land eine Hilfe“, wirbt der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff für Ferien in dem schuldengeplagten Ferienziel. Und das mit gutem Grund: Mitten in der Hauptbuchungsperiode für den Sommer 2012 schwächelt Griechenland: Beim Reisekonzern Tui liegen die Buchungen aktuell um 27 Prozent unter den Vorjahreszahlen. Ein Vertreter von Thomas Cook bestätigt der „Süddeutschen Zeitung“ den Trend und erklärt: „Griechenland hat Probleme.“ Der Deutsche Reiseverband will noch keine Tendenz bei den Buchungen erkennen und verweist darauf, dass die Hauptbuchungszeit für deutsche Sommerurlauber noch bis Ende März dauert.

Der Urlaub bei den Hellenen ist billig wie nie, doch die Reisenden fürchten Streiks an den Flughäfen, haben Angst davor, dass sie auf dem Weg zur Akropolis in eine Straßenschlacht geraten oder fürchten, dass ihnen das Benzin für den Mietwagen knapp wird. Die Skepsis bezüglich Griechenlands ist hoch: Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Anteil deutscher Urlauber um rund ein Drittel reduziert, schreibt die Stiftung für Zukunftsfragen in ihrer jüngsten Tourismusanalyse. Auch eine aktuelle Gfk-Umfrage unter 4.000 Bundesbürgern zeigt, dass es immer weniger Deutsche nach Griechenland zieht. Nur noch 1,1 Prozent wollen in den südosteuropäischen Staat verreisen - 2011 waren es zwei Prozent, 2010 noch 3,3 Prozent. Die schlechten Nachrichten aus dem Sorgenland der EU zeigen Wirkung.

Kostenlos stornieren oder umbuchen

So vermeiden Sie Extrakosten

Wenn das Auswärtige Amt ausdrücklich vor Reisen in die betreffenden Regionen warnt, Sie eine Reise in dieses Gebiet gebucht haben und Ihr Abflug kurz bevorsteht, so können Sie die Reise kostenlos stornieren. Die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes stellen ein Indiz dafür dar, dass ein Fall höherer Gewalt vorliegt und die Reise gekündigt werden kann. Eine kostenfreie Stornierung ist für den Urlauber immer dann möglich, wenn ein Fall „höherer Gewalt“ vorliegt. Dies trifft dann zu, wenn die Reise durch ein unvorhersehbares Ereignis erheblich erschwert, gefährdet oder zu einem unzumutbaren Sicherheitsrisiko wird. Hierzu zählen beispielsweise politische Unruhen, Krieg, Vulkanausbrüche und Katastrophen wie die in Japan.

Kostenlos stornieren ohne Reisewarnung?

Geht Ihre Reise nicht in ein Gebiet, das von der ausdrücklichen Reisewarnung erfasst ist, so lässt sich die Frage nach einer kostenlosen Lösung vom Reisevertrag nicht so leicht beantworten. Sollten sich die Probleme hierher ausdehnen oder Versorgungsengpässe entstehen, die Ihre Reise erheblich erschweren, sind Sie auch in diesem Fall berechtigt zu kündigen. Ist Ihre Region nicht betroffen, wäre die kostenlose Kündigung oder auch das Angebot zur kostenfreien Umbuchung eine Kulanzleistung vom Reiseveranstalter.

Stornieren, obwohl der Urlaub erst in einigen Wochen ist?

Wenn Ihr Abflug nicht unmittelbar bevorsteht, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet, besteht derzeit noch kein Kündigungsrecht. In diesen Fällen müssen Sie abwarten, ob sich die Lage bis kurz vor Ihrem Abflug bessert und Sie die Reise ungefährdet durchführen können. Liegt unmittelbar vor der Abreise immer noch ein unzumutbares Sicherheitsrisiko vor, dürfen Sie kündigen, ohne dass Stornogebühren erhoben werden. Vor dem Hintergrund der unübersichtlichen Lage in Japan bieten zwischenzeitlich viele Reiseveranstalter kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten an - auch wenn die Reise erst in einigen Wochen stattfindet. Ähnlich verfahren die Fluglinien. Anders sieht es aktuell mit Reisen nach Tunesien und Ägypten aus. Da sich dort die politische Lage wieder etwas stabilisiert hat und das Auswärtige Amt die entsprechenden Sicherheitshinweise Ende Februar entschärft hat, fliegen viele Reiseveranstalter wieder in diese Länder. Eine kostenlos Umbuchung oder Stornierung der Reise ist nicht mehr möglich. (Quelle: ADAC )

Aber wie sicher ist es dort für Reisende? Der ADAC und das Auswärtige Amt empfehlen, sich generell vor Reiseantritt beim Veranstalter und in den Medien nach der aktuellen Situation zu erkundigen. Es liegt zwar keine aktuelle Reisewarnung für die Region vor, Einschränkungen im Flug-, Bahn-, Fähr- und öffentlichen Nahverkehr müssten aber immer einkalkuliert werden, da viele Protestaktionen oftmals nicht angekündigt werden. Um nicht in Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Polizei hineingezogen zu werden, empfehlen die Experten, sich von Menschenansammlungen und Kundgebungen fern zu halten - das gilt in Athen und Thessaloniki.

Das bedeutet nicht, dass man deswegen aus der Stadt flüchten muss. Selbst wenn es im Zentrum von Athen zu Krawallen kommt, sei es möglich, drei Straßen weiter gemütlich in einem Kaffeehaus zu sitzen, sagt Reiseschriftsteller und Griechenlandexperte Klaus Böting dem Nachrichtenportal „Der Westen“. „Außerdem fahren die meisten Urlauber ja nicht nach Athen, sondern in die Badeorte oder auf die Inseln.“ Und dort kriegt man von den Protesten eher wenig mit.

Kommentare (49)

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Solros

17.02.2012, 13:10 Uhr

Danke schön, Deutschland!

Griechenland: Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes finden Sie hier.
Ich habe den link gefolgt und dort Die Allgemeine Reiseinformation zwischen GR und TR verglichen.


Türkei,
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/TuerkeiSicherheit.html?nn=338384#doc336356bodyText3

Allgemeine Reiseinformationen
Die Türkei ist ein beliebtes Reiseland, das Touristen herzlich und offen empfängt. Wie auch in anderen Urlaubsländern gibt es jedoch einige wichtige Punkte, die beachtet werden sollten, um einen sorglosen Aufenthalt verbringen zu können.


Griechenland,
http://www.auswaertiges-amt.de/sid_616B81626869BC67EF82337E5D4ED116/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/GriechenlandSicherheit.html?nn=360326#doc360300bodyText2
Allgemeine Reiseinformationen
Griechenland liegt in einer seismisch aktiven Zone, eine Erdbebengefahr ist somit immer gegeben.

Petra

17.02.2012, 13:20 Uhr

Urlaub in einem Land, in dem
- sehr viel gestreikt wird - Tendenz zunehmend
- Deutsche als Nazis beschimpft werden
- das seine Schulden nicht zurückzahlt und die Schuld den Geldgebern gibt
Nein danke. Nicht geschenkt!

holyowly

17.02.2012, 13:49 Uhr

Vorbei... es ist mir eigentlich egal ob in Gr. gestreikt wird oder wie teuer es da ist. Die Chance auf Urlauber wurde für mich mit der Schmähung der Deutschen vertan. Ich trage keine Eulen... ähh ... Euros nach Athen; auch nicht nach Griechenland. Wenn ich irgendwo 'Gast' sein soll, dann behandelt mich auch so!
Kleine Nachhilfe: Man verbrennt nicht die Nationalflaggen der Gäste und malt ihnen komische kleine Bärte und Uniformen auf den Leib. Kann man zwar machen, aber dann muss man auch mit den Konsequemzen leben.

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