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02.10.2013

16:44 Uhr

Urteil gegen Billigflieger

Ryanair hat Frankreich um Sozialabgaben geprellt

Der Billigflieger Ryanair muss zehn Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Die Airline hatte Flugzeuge und Crew in Frankreich stationiert, die Beschäftigten aber in Irland angemeldet. Sozialabgaben wurden nicht gezahlt.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Der irische Billigflieger wurde in Frankreich zu Schadenersatz und einer Geldstrafe verurteilt. dpa

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Der irische Billigflieger wurde in Frankreich zu Schadenersatz und einer Geldstrafe verurteilt.

Aix-en-ProvenceWegen Missachtung des französischen Arbeits- und Sozialrechts ist der irische Billigflieger Ryanair in Frankreich zu fast neun Millionen Euro Entschädigung verurteilt worden. Außerdem verhängte das Gericht in der südfranzösischen Stadt Aix-en-Provence eine Geldbuße von 200.000 Euro. Das Unternehmen hatte bereits am Vortag angekündigt, es werde gegen eine "negative Entscheidung" in Berufung gehen.

Ryanair wurde schuldig gesprochen, bei der Nutzung des Regionalflughafens Marseille Provence in Marignane gegen französisches Recht verstoßen zu haben. Das irische Unternehmen hatte dort 2007 eine Niederlassung eröffnet, die es Anfang 2011 nach der Einleitung von Strafermittlungen schloss. Auf dem Flughafen nahe der Mittelmeerstadt Marseille beschäftigte die Fluggesellschaft 127 Mitarbeiter, für die sie in Frankreich aber nie Sozialabgaben zahlte.

In dem Verfahren waren unter anderem das Arbeitsamt, die Rentenkasse und Gewerkschaften als Nebenkläger aufgetreten. Ihnen wurden die neun Millionen Euro Schadenersatz für nicht gezahlte Sozialabgaben zugesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte zudem gefordert, den Wert von vier Boeing 737 zu konfiszieren. Diesem Antrag folgte das Gericht jedoch nicht.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Das Gericht verwies auf ein Dekret aus dem Jahr 2006, wonach ausländische Fluggesellschaften in Frankreich Sozialabgaben zahlen müssen, wenn sie dort eine Niederlassung betreiben. Dies war nach Überzeugung des Gerichts in Marignane der Fall. Ryanair habe dort Büros gehabt, technische Ausrüstung und zwei leitende Angestellte beschäftigt. Das Personal habe zudem in der Region gelebt.

Das irische Unternehmen betonte hingegen, es habe auf dem Regional-Airport nur seine Maschinen warten lassen. Das fragliche Dekret habe Frankreich eigens erlassen, um seine "defizitäre Fluggesellschaft Air France zu schützen und die Konkurrenz auszugrenzen". Für die betroffenen Mitarbeiter seien in Irland Sozialabgaben bezahlt worden. Die Piloten hätten irische Arbeitsverträge gehabt, die Flugbegleiter seien von einer irischen Zeitarbeitsfirma vermittelt worden. Alle Gehälter seien in Irland gezahlt worden. "Sie flogen auf irischen Flugzeugen und arbeiteten in mehreren Ländern", sagte einer der Anwälte des Billigfliegers zu Prozessbeginn.

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Ryanair bietet nach wie vor Flüge von Marignane aus an, aber nur während der Sommersaison. Damit versucht die Airline, das französische Sozialrecht zu umgehen. Diese Arbeitsorganisation sei ebenfalls illegal, betonten die Anwälte der Pilotengewerkschaft SNPL, die zu den zivilen Nebenklägern gehörte. Neue Ermittlungen gegen Ryanair seien bereits eingeleitet worden. Ryanair beziffert seinen Jahresumsatz für das Wirtschaftsjahr 2012/2013 auf fast 4,9 Milliarden Euro und seinen Nettogewinn auf 569 Millionen Euro.

Kommentare (3)

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Armeryan

02.10.2013, 16:02 Uhr

Auch ich bin früher schon mit Ryanair geflogen. Mittlerweile finde ich das Auftreten des Firmenchefs Michael O'Leary nur noch peinlich und sogar abstoßend. Begriffe wie z.Bsp. Verantwortung oder Menschlichkeit scheinen für ihn unbekannt zu sein. Ich zeige meinen Protest dagegen dadurch, dass ich einfach nicht mehr mit dieser Fluggesellschaft fliege. Ist für mich gut vertretbar.

Account gelöscht!

02.10.2013, 18:33 Uhr

Achja, an alle Sozialismus Schimpfer: das hat Hollande nicht zu vreantworten, genau so wenig wie die Schulden, die Sarkozy angehäuft hat.

Account gelöscht!

02.10.2013, 20:23 Uhr

Man muss als Unternehmen/Unternehmer nicht über den französischen Sozialismus schimpfen, sondern einfach die Konsequenzen ziehen und woanders hin gehen. So einfach ist das...

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