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14.10.2013

07:16 Uhr

US-Biermarkt

Keine Lizenz zum Brauen

VonAxel Postinett

Lokale Brauereien revolutionieren den US-Biermarkt – sie nutzen bereits mehr Hopfen als Budweiser und Miller zusammen. Doch der Wachstumstrend prallt an eine künstliche Grenze. Schuld ist der „Shutdown“ in Washington.

Arbeiter in einer amerikanischen Brauerei: Den Hopfen brauchen vor allem „Micro Breweries“. Getty Images

Arbeiter in einer amerikanischen Brauerei: Den Hopfen brauchen vor allem „Micro Breweries“.

San FranciscoDraußen auf der 2nd Street wälzt sich die Blechlawine wie jeden Tag quälend langsam Richtung Bay Bridge. Es ist Feierabendzeit und im „21st Amendment“ in San Francisco ist kaum noch ein Stehplatz zu bekommen. Hinter der kleinen Theke im Obergeschoss steht Chris und nimmt die Bestellungen entgegen. Hier heißt es nicht profan: „Ein Bier, bitte!“. Hier bestellt man ein „Fat Bavarian“, ein „5-South“ oder ein „Back in Black“. Sehr beliebt sind auch „Red Head Stranger“ und „The Conventioneer“.

Alle Biere werden nicht nur frisch gezapft, sie werden auch im Haus gebraut. Eine dicke Panzerglasscheibe zwischen zwei Betonpfeilern eröffnet den Blick auf die kleine Brauerei um Untergeschoss. Zwei Braukessel und vier Lagertanks lassen den Nachschub nie versiegen.

Die Vielfalt und die Geschmäcker der Biere ist verwirrend wie eine Kaffee-Bestellung bei Starbucks. Wer sich nicht auskennt, der kann Chris fragen. Mit Baseball-Kappe und Drei-Tage-Bart erklärt er routiniert und freundlich, was gerade im Angebot ist und was in den Bieren drin ist. Denn das ändert sich von Saison zu Saison, zu jeder Jahreszeit gibt es Spezialangebote. Das Lieblingsbier für Zuhause gibt es in der Dose zum Mitnehmen. „Brew free! or die IPA“ steht auf einer der kunstvoll bedruckten Blechkannen. IPA oder „Indian Pale Ale“ ist praktisch das Standardbier in den USA.

Die größten Bierbrauer weltweit

Platz 10

BGI / Groupe Castel (Frankreich)

Das französische Traditionsunternehmen BGI / Groupe Castel verkauft nicht nur Bier, sondern auch Wein und Soft Drinks. Insbesondere in Afrika sind die Franzosen mit ihren Marken Castel und Flag gut aufgestellt.

Ausstoß (Mio. hl): 29,8

*Quelle: Barth-Haas Group/Statista, alle Zahlen für 2015

Platz 9

Kirin (Japan)

Die Japaner haben durchaus Sinn für ausgefallene Bierkreationen, entwarfen vor wenigen Jahren ein Frozen Beer. Obwohl die Brauerei, die zum Industriekonglomerat Mitsubishi gehört, ihre Vormachtstellung auf dem Heimatmarkt vor zehn Jahren an Asahi abtreten musste, ist sie global führend.

Ausstoß (Mio. hl): 43,1

Platz 8

Beijing Yanjing Beer Company (China)

Yanjing ist der Durchstarter in Asien. In rasantem Tempo hat sich das Kleinunternehmen zu einem mächtigen Konzern im asiatischen Raum entwickelt. Die Gründung der Brauerei liegt nur gut 30 Jahre zurück.

Ausstoß (Mio. hl): 48,3

Platz 7

Molson-Coors (USA/Kanada)

Die Erfinder des Dosenbiers sind auch international längst eine Größe. 2012 übernahm das Unternehmen die tschechische Brauereigruppe StarBev, zu der auch Staropramen gehört. Dadurch gehören die Amerikaner vor allem in Osteuropa zu den führenden Brauern.

Ausstoß (Mio. hl): 58,1

Platz 6

Tsingtao Brewery (China)

Die Chinesen haben ihren Einfluss in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Als einer der Hauptsponsoren der olympischen Spiele von 2008 in Peking hat sich Tsingtao fest etabliert. Bereits seit 1972 vertreibt die Firma ihre Produkte auch in den USA.

Ausstoß (Mio. hl): 70,5

Platz 5

China Resource Brewery (China)

Dieses Unternehmen setzt auf Kompetenz aus Europa: Das Joint Venture aus dem chinesischen Unternehmen CR Enterprise und SAB-Miller aus Großbritannien produziert die Marke „Snowbeer“ für den chinesischen Markt. Und das durchaus erfolgreich. Wächst die Marke weiter wie bisher, dürfte bald im Ranking aufsteigen.

Ausstoß (Mio. hl): 117,4

Platz 4

Carlsberg (Dänemark)

Die Dänen haben sich längst von einer regionalen Marke zum Global Player entwickelt. Zu Carlsberg gehören auch die deutsche Kultmarke Astra sowie Lübzer und Holsten.

Ausstoß (Mio. hl): 120,3

Platz 3

Heineken (Niederlande)

Die Welt trinkt Heineken, möchte man meinen. Die Marke hat sich international längst etabliert. Heineken ist auch an den deutschen Marken Kulmbacher und Paulaner beteiligt.

Ausstoß (Mio. hl): 188,3

Platz 2

SAB Miller (Vereinigtes Königreich)

Die britische Brauerei ist berühmt-berüchtigt für das „Miller“. Die ur-amerikanische Marke gehört seit 2002 zum SAB-Miller-Konzern und hat sich die australische Traditionssorte Foster's einverleibt.

Ausstoß (Mio. hl): 191,3

Platz 1

Anheuser-Busch Inbev NV/ SA (Belgien)

Der amerikanisch-belgisch-brasilianische Brauriese kann seinen Marktenteil sogar weiter steigern. Mittlerweile stammt jedes fünfte Bier, das weltweit verkauft wird, aus dem Konzern. Die bekannteste deutsche Marke im Portfolio ist Beck's.

Ausstoß (Mio. Hektoliter): 409,9

Die 21st Amendment Brewery ist nur eine der vielen Craft Breweries, die in den USA entstehen. Die Bewegung ist gewaltig. Gab es 1980 nur noch 42 Braukonzerne in den USA, sind es heute fast 2600. Der Branchenverband der unabhängigen Brauer meldet ständig neue Absatzrekorde. Ein Plus von 15 Prozent beim Umsatz und 13 Prozent beim Absatz für das erste Halbjahr steht in den Büchern. Und das, während der Gesamtmarkt um zwei Prozent geschrumpft ist.

Als Craft Beer Brauerei darf sich bezeichnen, wer weniger als 6 Millionen Barrel Bier pro Jahr (9,5 Millionen Hektoliter) herstellt und nach traditionellen Methoden braut. Natürliche Geschmackszusätze sind erlaubt. Das reicht von Kräutern bis zu Wurzeln, passend zum traditionellen „Pumpkin-Festival“ im nahegelegen Half Moon Bay an der Küste nahe San Franciscos gibt es gerade ein Kürbisbier.

Aber das wichtigste: Unabhängigkeit ist Zugangsvoraussetzung in der Elite der amerikanischen Craft Beers. Nicht mehr als 25 Prozent des Unternehmens dürfen einem der traditionellen Brauerei-Riesen oder Getränkekonzern gehören. Die Hemdsärmel-Brauereien ist ein Job-Motor für die USA. Alleine 1600 Neueröffnungen sind kaut Branchenverband in Planung. Doch im Moment herrscht lähmender Stillstand.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.10.2013, 12:13 Uhr

Ich polemisiere hier schon lange gegen die ganze Industrie-Plempe - zuletzt anlässlich der Wies'n. Offensichtlich bin ich mit meiner Meinung nicht alleine.

Die Tage kam ich in einem amerikanischen Forum auf fränkisches Bier zu sprechen. Was haben die ehemaligen GIs geschwärmt, die mal in Grafenwöhr stationiert waren! OK, Grafenwöhr liegt in der Oberpfalz und damit in Bayern. Aber nach Franken ist's da nicht weit.

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