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12.07.2016

20:10 Uhr

US-Demokraten

Sanders erklärt Unterstützung für Clinton

Nur zwei Wochen vor dem Parteitag der Demokraten spricht Sanders eine offizielle Wahlempfehlung für seine Rivalin innerhalb der Demokraten aus. Doch einige seiner Unterstützer sind damit nicht einverstanden.

Bernie Sanders kündigt offiziell seine Unterstützung für Hillary Clinton an. Reuters

Nun doch vereint

Bernie Sanders kündigt offiziell seine Unterstützung für Hillary Clinton an.

PortsmouthBernie Sanders hat sich offiziell hinter die Präsidentschaftskandidatur seiner Rivalin Hillary Clinton gestellt. Bei einer Veranstaltung in Portsmouth im US-Staat New Hampshire gratulierte der Präsidentschaftsbewerber der Ex-Außenministerin am Dienstag dazu, die Nominierung der Demokratischen Partei gewonnen zu haben. Er versprach, alles in seiner Macht stehende zu tun, um ihr zu helfen, den Republikaner Donald Trump zu besiegen.

Clinton hatte Sanders bei den Präsidentschaftsvorwahlen der Demokratischen Partei knapp geschlagen. Die offizielle Unterstützung Sanders für die ehemalige First Lady war lange erwartet worden. Sie kommt nur zwei Wochen vor dem Parteitag der Demokraten, auf dem Clinton offiziell zur Präsidentschaftskandidatin erklärt werden soll.

„Es ist kein Geheimnis, dass Hillary Clinton und ich bei einer Reihe von Themen nicht übereinstimmen“, sagte Sanders an der Seite von Clinton. Doch seien ihre beiden Kampagnen zusammengekommen und hätten „das mit Abstand fortschrittlichste Parteiprogramm in der Geschichte der Demokratischen Partei“ formuliert. Man müsse nun dafür sorgen, dass dieses Programm „von einem Demokratischen Senat, einem Demokratischen (Repräsentanten-)Haus und einer Präsidentin Hillary Clinton umgesetzt wird“, fügte Sanders hinzu. „Und ich werde alles tun, was ich kann, damit das passiert.“

Clinton stand ein breites Lächeln im Gesicht. Sie umarmte Sanders. „Wir sind zusammen stärker“, erklärte sie und verwies damit auf ihren Wahlkampfslogan.

Clinton versus Trump: Ein Vergleich der Kandidaten

Die Kandidaten

Trump gegen Clinton. Das wird wohl das Duell bei den US-Präsidentschaftswahl am 8. November. So unterschiedlich der republikanische Milliardär mit der Tolle und die demokratische Politveteranin mit der Betonfrisur sind – es gibt auch Parallelen bei den beiden designierten Spitzenkandidaten. Hier ein Vergleich.
(Quelle: AP)

Der Weg zur Nominierung

Die Demokratin Hillary Clinton schien als Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei zu Beginn quasi gesetzt. Die ehemalige First Lady, ehemalige Senatorin und ehemalige Außenministerin hatte ihre Bewerbung generalstabsmäßig vorbereitet – und im Frühjahr 2015 war niemand mit annähernd ähnlicher Erfahrung erkennbar. Der linke Außenseiter Bernie Sanders brachte Clinton dann doch in erstaunliche Bedrängnis, konnte sie aber nicht stoppen.
Bei den Republikanern war es umgekehrt: Der rechte Außenseiter und Politikneuling Donald Trump hatte 16 Gegenkandidaten, von denen die meisten viel mehr politische Erfahrung haben als er. Anfangs schien der Immobilienunternehmer mit seinen Verbalattacken gegen Migranten, Frauen und Muslime unwählbar. Am Ende hatte er dennoch alle Rivalen aus dem Rennen geschlagen.

Das Profil

Clinton setzt also auf ihre Erfahrung als lang gediente Staatsfrau, die sowohl das Weiße Haus und die Regierungsgeschäfte als auch den Kongress aus eigener Anschauung kennt. Trump positioniert sich als klüngelfremder Aufräumer gezielt gegen den Washingtoner Politikbetrieb und führt seine Karriere als Geschäftsmann als Qualifikation ins Feld.

Die Politik

Clinton steht für Mitte und Mäßigung – im Sinne der Wählbarkeit für verschiedene Bevölkerungsgruppen, vor allem auch Frauen und Minderheiten. Und sie steht nach dem Parteikollegen Barack Obama für Kontinuität im Weißen Haus, mit etwas anderen Akzenten in der Außen- und Handelspolitik. Auch Trump zielt auf die Mitte, in seinem Fall aber fast ausschließlich auf die weiße Mittelschicht. Statt Kontinuität will er nach Obama die Kehrtwende: weniger Zuwanderung, weniger Klimaschutz, mehr militärische Stärke.

Das Habenkonto

Trump hat im Vorwahlkampf Millionen von Amerikanern begeistert, die ihm zutrauen, das Land voranzubringen. Er trifft mit seinen Themen Wirtschaftsflaute, Fremdenangst und Furcht vor dem Niedergang der USA einen Nerv und hat im Vorwahlkampf die Schlagzeilen dominiert, auch mit seinen gezielten Provokationen.
Clinton hat in der eigenen Partei ebenfalls Millionen Stimmen gesammelt, deutlich mehr als ihr innerparteilicher Rivale Sanders. Sie gilt als politisch berechenbar und in der Welt geachtet. Und sie pocht auf ihre historische Rolle als erste Frau, die jemals Spitzenkandidatin bei Demokraten oder Republikanern wurde.

Die Minuspunkte

Clinton schleppt diverse Altlasten aus ihrer langen Karriere mit sich herum. Darunter sind politische Entscheidungen wie der Umgang der damaligen Außenministerin mit dem Angriff auf den US-Botschafter in Libyen 2012, aber auch persönliche wie die Nutzung eines privaten E-Mail-Servers für Dienstliches und die üppig dotierten Auftritte als Rednerin vor Bankern und Unternehmern. In der E-Mail-Affäre ermittelt auch die Bundespolizei FBI, so dass strafrechtliche Konsequenzen nicht ausgeschlossen sind.
Trump wird ebenfalls von Problemen aus der Vergangenheit eingeholt. Thema waren bereits seine Firmenpleiten und die zweifelhafte Wahl seiner früheren Geschäftspartner, vor allem aber der Rechtsstreit um seine sogenannte Trump University. Ehemalige Studenten des inzwischen aufgelösten Instituts haben Trump wegen Abzocke verklagt. Der wiederum attackierte den Richter in dem Verfahren wegen seiner mexikanischen Wurzeln und zog damit erneut heftige Kritik auf sich.

Das schwache Fundament

Beiden Kandidaten fehlt der starke Rückhalt in der eigenen Partei. Trump traf bei vielen führenden Republikanern zunächst auf offenen Widerstand, bis sie sich nach seinen Vorwahlerfolgen ins Unausweichliche seiner Kandidatur fügten. Zuletzt gingen sie wegen der Verbalattacken gegen den Richter, dem Trump Voreingenommenheit unterstellte, erneut auf Distanz. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, unterstellte dem eigenen Spitzenkandidaten Rassismus und distanzierte sich „völlig von diesen Aussagen“.
Clinton ist bei den Mächtigen ihrer Partei besser vernetzt: Die designierte Spitzenkandidatin hat die Unterstützung der meisten sogenannten Superdelegierten, also hoher Parteifunktionäre, die beim Nominierungsparteitag mitstimmen dürfen. Doch an der Basis fühlen sich viele Demokraten eher von Sanders als von Clinton inspiriert. Und etliche in der Partei sind nervös wegen Clintons politischer Altlasten.

Die Umfragen

Mehrere Umfragen weisen derzeit einen Vorsprung Clintons vor Trump aus. Trump selbst führt aber auch Erhebungen an, die ihn vorne sehen. Letztlich sind die Zahlen derzeit wenig aussagekräftig, denn erst im Hauptwahlkampf werden die Kandidaten von den Medien in extenso ausgeleuchtet. Erst dann müssen sie auch konkrete politische Positionen beziehen.

Sanders' Rufe nach einer „politischen Revolution“ hatten in den USA Millionen von Wählern mobilisiert. In den vergangenen Wochen bemühte sich der Senator aus Vermont darum, das Parteiprogramm der Demokraten bei der bevorstehenden Versammlung in Philadelphia zu beeinflussen. Es enthält viele Vorschläge des 74-Jährigen. Dazu gehören ein Mindeststundenlohn von 15 Dollar und ein Ende der Todesstrafe.

Der gemeinsame Auftritt von Clinton und Sanders in einer Schule in Portsmouth sollte Einheit unter den Demokraten vor der offiziellen Nominierung Trumps zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner demonstrieren. Allerdings schienen einige Sanders-Anhänger nicht bereit, nach vorn zu blicken. So waren „Bernie“-Rufe zu hören, als Eröffnungsredner sich an die Menschenmenge wandten. Clinton-Unterstützer skandierten ihrerseits „Einheit“. Als die Senatorin Jeanne Shaheen sagte, dass man Clinton wählen müsse, standen einige Bernie-Fans auf und riefen „Nein“.

„Es ist so, also ob er aufgibt, wenn er sie unterstützt“, sagte Steve Rand über Sanders. Clinton stehe „für alles, gegen das ich bin“.

Sanders' Präsidentschaftskampagne hatte 2015 bei großen Kundgebungen schnell an Zuspruch gewonnen. Der Senator prangerte Einkommensungleichheit, den Einfluss der Wall Street und die Rolle des großen Geldes in der Politik an. Er sprach von einem „manipulierten“ System. Anhänger fand Sanders unter Studenten, Unabhängigen und weißen Wählern, die sich zu seiner Anti-Establishment-Botschaft hingezogen fühlten. Seine Unterstützung für Clinton könnte einen Teil dieser Wähler in das Lager der Ex-Außenministerin holen.

Der Republikaner Trump warf Sanders über Twitter vor, sich an Clinton verkauft zu haben. „Sanders ist sich und seinen Anhängern nicht treu gewesen“, erklärte er.

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