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27.02.2014

14:51 Uhr

US-Fluggesellschaft Delta

Aus Vielflieger- wird Vielzahler-Programm

VonTobias Döring

Die US-Airline Delta stellt ihr Bonusprogramm um. Vom nächsten Jahr an werden Meilen nicht mehr nach der Flugdistanz, sondern dem Ticketpreis gesammelt. Vielflieger sprechen schon vom „Totengräber“ des Systems.

Boeing 767 der Delta am Flughafen Düsseldorf: „Die erste Airline traut sich, Transparenz in die Meilenvergabe zu bringen“. Imago

Boeing 767 der Delta am Flughafen Düsseldorf: „Die erste Airline traut sich, Transparenz in die Meilenvergabe zu bringen“.

Düsseldorf/AtlantaBonusprogramme für Vielflieger sind bei weitem nicht so alt wie die globale Luftfahrt. Die Belohnungssysteme wurden erst seit Anfang der 1980er-Jahre schrittweise von den Fluggesellschaften eingeführt. Doch mit den Jahren wurden sie immer wichtiger: Mittlerweile kann man den Eindruck gewinnen, dass Programme wie „Miles & More“ der Lufthansa für Geschäftsreisende eine ähnlich hohe Bedeutung haben, wie die Flüge selbst.

Das Prinzip ist dabei ganz einfach: Gute Kunden werden für ihre Treue belohnt. Es werden (Flug-)Meilen gesammelt, die später als Freiflüge, Upgrades der Buchungsklasse oder auch Sachleistungen eingelöst werden können.

Doch jetzt wagt die US-Fluggesellschaft Delta Airlines eine viel beachtete Änderung in ihrem Vielfliegerprogramm. Delta kündigte als erste große Airline ein neues Modell an: Ab dem 1. Januar 2015 zählen beim Meilensammeln nicht mehr die geflogenen Kilometer, sondern die Kosten für das Ticket. Nur der harte Dollar ist wichtig. „Umsatzbasiertes Sammeln von Meilen“, nennt Delta das Modell, das bisher schon US-Billigflieger wie Southwest oder Jetblue Airways, aber auch die deutsche Germanwings ähnlich anwenden. Der Name „Sky Miles“ bleibt trotzdem erhalten, obwohl das Programm jetzt doch eigentlich „Sky Revenue“ heißen müsste.

Roter Teppich für alle – Ungewöhnliche Zusatzservices

Last-Minute-Upgrade

Bei Delta in den USA verkaufen die Flugbegleiter an Bord mithilfe ihrer Tablet-Computer Upgrades für die letzten freien First-Class-Sitze, in der Regel für weniger Geld als bei einer frühzeitigen Buchung.

Koffer nach Hause

Für 30 Dollar liefern American Airlines und US Airways innerhalb von vier Stunden nach der Landung in den USA den Koffer ins Hotel oder nach Hause, damit sich die Kundschaft das Warten am Band sparen kann.

Genuss am Himmel

Bei Langstreckenflügen aus Paris bietet Air France neben dem kostenlosen Standardessen fünf weitere Menüs der traditionellen französischen Küche, von Bio bis zur 28 Euro teuren, viergängigen „Sélection“ des Gourmettempels „Maison Lenotre“ aus Paris. Kurzentschlossene Genießer können über den -À-la-Carte-Service von Austrian Airlines noch eine Stunde vor Abflug beim Wiener Edelcaterer Do & Co für 15 Euros Tapas, Salate und natürlich Wiener Schnitzel mit Vor- und Nachspeise ordern.

Kindermenü für einen Penny

Bestellen Eltern beim britischen Ferienflieger Jet2.com eine Mahlzeit (ab umgerechnet 9,50 Euro), bekommen ihre Kinder das Menü für einen Penny. Damit die Eltern nicht vergessen zu bestellen, erinnert sie die Linie rechtzeitig vor dem Abflug mit einer Mail, wie lang der Flug ist.

Bequemer zum Flieger

Zum „Roter Teppich“ genannten Paket des malaysischen Billigfliegers Air Asia gehört für umgerechnet 25 Euro freies WLAN am Flughafen, eine schnellere Pass- und Sicherheitskontrolle und das Versprechen, dass der Koffer bei Ankunft zuerst auf das Gepäckband rollt.

Extra-Flatrate

Für eine Pauschale von 199 Dollar können die Kunden bei Delta drei Monate lang auf jedem Flug innerhalb der Vereinigten Staaten ohne Zusatzgebühr einen Koffer aufgeben und zusätzlich als Erste ins Flugzeug einsteigen. Darüber hinaus bekommen sie außerdem Sitze mit mehr Platz und zusätzliche Meilen im Bonusprogramm.

Serviceclub

250 Euro verlangt der spanische Billigflieger Vueling für zehn Lounge-Besuche, schnellere Sicherheitskontrollen und das Recht, als Erster einzusteigen. Beim ungarischen Ultra-Geizflieger Wizzair bekommen Mitglieder des Discount Clubs für knapp 30 Euro Jahresgebühr immer mindestens zehn Euro Rabatt auf alle Tickets außer den allerbilligsten.

Laden an Bord

In ihren Airbus A380-Superjumbos bietet Korean Air statt der bei anderen üblichen Bar einen Duty-free-Laden mit 64 Artikeln. In den Regalen gehalten werden die zollfreien Waren von kleinen Magneten – damit die teuren Parfüms und Cremes bei Turbulenzen nicht herumfliegen.

Kaufhaus im Vordersitz

Über sein Bordunterhaltungssystem verkauft der US-Billigflieger Virgin America ein Schlafset mit Kissen und Decke für neun Dollar sowie Schmerz- und Schlaftabletten für vier Dollar. Die Rechnung begleichen die Passagiere am Ende des Fluges am Bildschirm per Kreditkarte.

Nie mehr Kofferverlust

Die australische Qantas verkauft für umgerechnet 40 Euro einen Gepäckanhänger, der dank RFID-Technik immer zeigt, wo der Koffer gerade ist. Ein ähnliches System erprobt auch British Airways.

Quelle: Wirtschaftswoche, Rüdiger Kiani-Kreß

Pro Dollar gibt es fünf bis elf Meilen – je nach Status des Vielfliegers. Im „Boomerang Club“ genannten Programm der Lufthansa-Billigtochter Germanwings sind es pauschal zehn Meilen pro ein Euro Umsatz.

Die Betroffenen sich noch uneins, was sie von dem Modell bei Delta halten sollen. In Vielflieger-Foren wird die Umstellung heiß diskutiert. Die Bewertung reicht von Lob bis Tadel. „Na endlich: Die erste Airline traut sich, Transparenz in die Meilenvergabe zu bringen“, schreibt ein Nutzer im „Vielfliegertreff“. „Delta ist eindeutig der Totengräber von jeglichem Spaß an der Sache...“, ein anderer.

Dass eine kleine Gruppe von Passagieren einen großen Anteil am Umsatz seiner Gesellschaft ausmacht, hatte schon Robert Crandall erkannt. Der ehemalige Chef von American Airlines gilt als Erfinder der Vielfliegerprogramme. Delta setzt mit der Umstellung nun stärker denn je auf Kunden, die teure Flugtickets kaufen, also möglichst viel Umsatz bringen. Es profitieren „vor allem vielfliegende Geschäftsreisende sowie Urlaubsreisende, die in Premium-Tarifen mit Delta unterwegs sind“, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.

Kommentare (2)

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27.02.2014, 14:34 Uhr

Das gleiche macht die Lufthansa schon seit Jahren mit immer stärkerer Differenzierung. Economy-Flüge in Deutschland haben - je nach Buchungsklasse (die wiederum mit den Preisen korreliert) deutlich unterschiedliche Meilen-Gutschriften. Gleichzeitig gehen die Economy-Flugpreise dramatisch nach oben.

Account gelöscht!

27.02.2014, 17:55 Uhr

Ich hätte für MUC-SFO im Januar bei einem Preis von 1500Euro knapp 2800 milen bekommen. Bei United waren es bei 1000 Euro volle 6300 milen. Da nimmt man gerne einen Umstieg in Washington in Kauf.
Zudem sind bei Lufthansa die Steuer und Flughafengebühr völlig willkürlich berechnet so dass in der Regel für knapp 100 Euro mehr richtige Tickets gibt (Eco natürlich).
Neuerdings kann sogar jeder der 65Euro zahlt (für die Sitzplatz Reservierung) die für die Senatoren reservierten Sitze wegnehmen.
Also die Zeiten wo die Vielflieger den Airlines etwas bedeutet haben sind schon lange vorbei, zumindest bei Lufthansa. Deswegen bin ich umgestiegen, nach Osten immer Emirates und nach USA immer United. Da kann man die Lufthansa Lounges benutzen und wir bei United noch vernünftig behandelt (zumindest bisher)

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