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29.05.2012

13:25 Uhr

US-Fluggesellschaften

Delta hängt ihre Konkurrenten ab

VonThomas Jahn

Viele Airlines haben Sorgen. Delta ist die Ausnahme und fliegt üppige Gewinne ein. Die zweitgrößte US-Fluglinie setzt auf eine übersichtliche Flotte, maximale Auslastung und kreative Ansätze - auch bei den Kerosinkosten.

Eine Boeing 777 von Delta: Die Airline kann vier Fünftel ihres Kerosinbedarfs in den USA selbst decken. PR

Eine Boeing 777 von Delta: Die Airline kann vier Fünftel ihres Kerosinbedarfs in den USA selbst decken.

AtlantaDer Konzernsitz von Delta in Atlanta ist auf mehrere braune Gebäude in der Nähe des Flughafens Hartsfield-Jackson verteilt. In jedem Eingang hängt ein Flachbildschirm, auf dem für Fluggesellschaften wichtige Dinge zu sehen sind: Das Wetter, der Aktienkurs und der Preis eines Barrels Öl. Vor allem auf Letzteres achtet Richard Anderson immer auf dem Weg zu seinem Büro: "Öl ist zum Spielball der Investoren verkommen", sagt der Delta-Vorstandschef, und da mache er sich trotz der kürzlichen Preisrückgänge keine Illusionen, "es wird immer teurer werden".

Das ist ein großes Problem für Fluggesellschaften. Bislang bewältigt Delta das im Vergleich zur Konkurrenz hervorragend. Während europäische Linien wie Lufthansa oder Air France gigantische Verluste schreiben, fährt die zweitgrößte Gesellschaft der USA Milliardengewinne ein. Delta lastet eine vergleichsweise sparsame Flugzeugflotte maximal aus. Auch hilft eine gewitzte Absicherung am Finanzmarkt gegen steigende Ölpreise, allein im jüngsten Quartal brachte das 151 Millionen Dollar an Gewinn. Selbstbewusst kaufte Delta als erste Fluggesellschaft vor wenigen Wochen eine Raffinerie, um Kerosinkosten zu senken.

Es läuft rund bei Delta. Die Aktie stieg seit Jahresbeginn um 39 Prozent. Während der Berliner Flughafen mit peinlicher Verzögerung neu errichtet wird, stellte die Gesellschaft vor wenigen Tagen das Megabauprojekt Terminal F am Drehkreuzflughafen in Atlanta im Wert von 1,6 Milliarden Dollar pünktlich fertig. Relativ neue Geschäftsfelder wie die Reparatur und Überholung von Flugzeugmotoren bringen jährlich 700 Millionen Dollar Umsatz, der nicht dem Auf und Ab des Flugpassagierverkehrs ausgesetzt ist und der in ein paar Jahren auf eine Milliarde Dollar anwachsen soll. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte vor kurzem die Bonität mit der Begründung hoch: "Delta ist eine der besten Fluggesellschaften der Welt."

Um zu verstehen, wie Delta tickt, lohnt sich der Blick in das neue "Operational Control Center" (OCC) in Atlanta. Dort sitzen rund 255 Menschen in einem Raum vor ihren Computerbildschirmen. Branchenfremde könnten das für einen Handelssaal an der Wall Street halten. Allerdings verrät der Blick auf die sechs gigantischen Wandmonitore mit Landkarten oder TV-Wetterkanal, dass hier täglich der Flugverkehr von bis zu 2 500 Flügen gesteuert wird. Allein 25 Meteorologen beobachten das Wetter. Das Ziel: "Eine perfekte Fluggesellschaft", sagt Anderson und verweist stolz auf die Rate von durchgeführten Flügen von mehr als 99 Prozent.

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