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18.10.2012

07:09 Uhr

US-Fluglinien

Gesunden auf Kosten der Kunden

VonNils Rüdel

US-Fluglinien wie American, Delta oder United legen ihre Quartalszahlen vor. Experten erwarten zwar Profite, warnen aber bereits wieder vor trüben Zeiten. Die Branche reagiert – nicht gerade zur Freude der Passagiere.

American Airlines fliegt weiter rote Zahlen ein. AFP

American Airlines fliegt weiter rote Zahlen ein.

New YorkWer in Amerika in ein Flugzeug steigen will, sollte neben seinem Ausweis unbedingt eine Kreditkarte dabeihaben. Denn dann kann es für den Passagier, sollte er kein Vielflieger sein, nochmal richtig teuer werden: 25 Dollar kostet der erste aufgegebene Koffer, manche Airlines verlangen noch 50 Dollar fürs Handgepäck. 120 Dollar fallen schon mal für einen Sitz am Notausgang an. Filme, Snacks, Alkohol, Kopfhörer oder sogar das Kopfkissen halten die Stewardessen gerne bereit – für einen kleinen Aufpreis.

Das ist die neue Realität am Himmel der USA. Doch was Passagiere nervt, freut die Fluglinien: Unter anderem wegen der immer ausgeklügelteren Zusatzgebühren haben sie es geschafft, trotz zweier Rezessionen innerhalb eines Jahrzehnts noch immer Gewinne zu erfliegen.

In diesen Tagen legen die großen US-Airlines die Zahlen aus dem dritten Quartal vor – und die größten unter ihnen können nach Erwartungen von Analysten zufrieden darauf zurückblicken. Die Nachfrage in den traditionell starken Sommermonaten war konstant, außerdem gaben die Kerosinpreise wieder etwas nach.

Am heutigen Donnerstag legt der Billigflieger Southwest seine Zahlen vor, demnächst folgen die anderen Branchengrößen United Airlines und Delta Air Lines. Den Anfang hatte am Mittwoch bereits American Airlines gemacht. Die Fluglinie, seit Ende 2011 im geregelten Insolvenzverfahren, musste zwar Verluste melden: Das Minus verschlimmerte sich sogar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von unterm Strich 162 Millionen auf 238 Millionen Dollar. Doch Schuld daran sind nach Firmenangaben die hohen Kosten der Umstrukturierung in der Insolvenz. Ohne diese Belastungen wäre ein Gewinn von 110 Millionen Dollar herausgekommen.

Welche Airlines der Umwelt schaden

Das Atmosfair-Ranking

Einmal jährlich bewertet die Umweltorganisation Atmosfair die Umweltfreundlichkeit der größten Airlines. Dazu werden u.a. der CO2-Ausstoß der Airlines und die eingesetzten Flugzeuge gemessen. Billigflieger tauchen bisher aus methodischen Gründen nicht im Ranking auf. Welche Airlines am schlechtesten abgeschnitten haben.

Platz 10

SAS Scandinavian Airlines: 45,7 Effizienzpunkte

Harte Konkurrenz, hohe Produktionskosten und eine suboptimale Struktur mit den drei kleinen Heimatflughäfen machen die Fluggesellschaft finanziell angreifbar. Auch die Umweltbilanz fällt trübe aus.

Platz 9

Royal Jordanian: 44,7

Die königliche Airline von Jordanien gehört zur oneworld-Allianz. Insbesondere der vermehrte Einsatz von Kleinjets zieht die Airlines im Ranking auf die hinteren Plätze.

Platz 8

Air India: 43,3

Die indische Regierung musste die Fluggesellschaft im April mit 4,4 Milliarden Euro retten. Zuletzt traten die Piloten der indischen Airlines wegen schlechter Arbeitsbedingungen in einen Hungerstreik. Auch im Umweltranking gehören die Inder zu den Schlusslichtern.

Platz 7

LOT - Polish Airlines: 42,9

Die Polen steckten in den vergangenen Jahren tief in finanziellen Schwierigkeiten. Obwohl die Passagierzahlen um neun Prozent zugelegt haben, fliegt die Airlines weiter in den roten Zahlen. Auch die Umweltbilanz fällt schlecht aus.

Platz 6

Iran Air: 42,4

Der Vogel am Heck der iranischen Airlines soll der Legende nach Glück und Freude bringen. Stattdessen bringen die 49 Maschinen vor allem eins: CO2. Denn die Flotte ist mit einem Durchschnittsalter von 24,5 Jahren gnadenlos überaltet.

Platz 5

Brussels Airlines: 42,3

Die Lufthansa-Tochter ist traditionell sehr stark in Afrika engagiert. Im Umweltschutz nicht. Mit einem Flottenalter von durchschnittlich 12,8 Jahren landet die Airline auf den hinteren Plätzen.

Platz 4

Virgin Atlantic Airways: 42,0

Die Fluggesellschaft von Milliardär Richard Branson schneidet im Klimaranking schlecht ab und verpasst die Top drei der größten Sünder nur knapp.

Platz 3

Saudi Arabian Airlines: 38,0

Die saudi-arabische Airlines gehört zu den größten Fluggesellschaften im Nahen Osten. Die Araber müssen am Treibstoff nicht sparen - das schlägt auf die Klimabilanz durch.

Platz 2

Kuwait Airways: 37,2

Die 24 Flugzeugen verfügt die kuwaitische Fluggesellschaft nur über eine kleine Flotte. Doch die veralteten Maschinen verpesten die Umwelt.

Platz 1

Malaysia Airlines: 35,2 Effizienzpunkte

Die malaysische Fluggesellschaft ist der größte Umweltsünder unter den internationalen Airlines. Due Energieeffizienzklasse F erreichen sonst nur Regionalflieger.

Die gute Nachricht: Trotz zuletzt negativer Schlagzeilen über Verspätungen und umgekippte Sitzreihen hielten die Passagiere der Fluglinie die Treue. Im dritten Quartal waren die Flugzeuge so voll wie niemals zuvor. Folglich legte der in der Branche wichtige Umsatz pro Passagier und geflogener Meile um 4,3 Prozent zu – stärker als bei der Konkurrenz. Die Gesamterlöse stiegen leicht um ein Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar.

„Wir machen weiterhin Fortschritte bei unserer Restrukturierung“, sagte American-Airlines-Chef Tom Horton. Mit scharfen Einschnitten will das Unternehmen den Neustart schaffen und trägt deshalb derzeit harte Konflikte mit der Pilotengewerkschaft Allied Pilots Association aus. Zudem sollen Tausende Stellen wegfallen und weitere Strecken gestrichen werden. Verhandelt wird parallel über eine Fusion mit US Airways. In den vergangenen Jahren waren bereits andere Fluglinien wie Delta, United und US Airways erfolgreich durch eine Insolvenz gegangen.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

18.10.2012, 08:45 Uhr

Meinen letzten Flug nach Washington mit United Airlines werde ich nicht vergessen.
Schon am Check in fragte mich der Mitarbeiter, ob ich nicht gegen Aufpreis "Economy Plus" buchen möchte.
Daran war ich nicht interessiert.
Als ich dann im Flugzeug meinen Platz einnahm, war mir klar, warum der Aufpreis gefordert wurde.
In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so eine enge Bestuhlung vorgefunden. Man konnte kaum das Tablett ausklappen!
Selbst Ryanair, alles andere als großzügig in den Platzverhältnissen, erschien mir dagegen den Komfort einer Business-Class-Bestuhlung anzubieten.
Notgedrungen habe ich dann den Aufpreis von 100 $ bezahlt, um die Reise mit diesem fürchterlichen Flugzeug zu überstehen.
Nie wieder United!

Lopagamos

18.10.2012, 08:57 Uhr

Tja, irgendwie müssen gestiegene Personalkosten wieder reingeholt werden, siehe Lufthansa. Vorfeld streikt, Kabinenpersonal streikt, Piloten & Fluglotsen sowieso. Alle kriegen mehr Geld. Und der Verbraucher bezahlt's über den Ticketpreis. Privat eh kaum noch zu bezahlen, schön wenn man Business über die Amex der Firma fliegt. Und schön, wenn man im Transportwesen als Gewerkschaft die angefressene Kundschaft als Druckmittel in die Verhandlungen miteinbringen kann. Da klappt's auch garantiert mit überdurchschnittlichen Lohnabschlüssen. 6,7 oder 8 %, wer fordert mehr? ;-). Das erfordert einiges an Rückstellungen und Umsatzwachstum über die Jahre, um das wieder reinzuholen...

leser

18.10.2012, 09:28 Uhr

...das ist ja nicht nur auf Airlines beschränkt, das Verfahren.
Einerseits hat es Vorteile: der Kunde sieht förmlich an seinen Mitteln, welche Kosten für Anbieter anfallen und wie sie, gleich ob mit oder ohne Marge, wieder "hereingeholt" werden.

Andererseits kommen Kaufverträge zusehends mehr so zustande, dass der Kunde bei Vertragsabschluß eigentlich die Katze im Sack kaufen soll: "Kennen Sie unsere AGB's nicht? in § soundso steht das doch, dass diese Leistung gesondert abgerechnet wird oä".

Kaufverträge geraten so zu einem "Kundenbindungsinstrument" auf das man gerne verzichten möchte. M.a.W.: Das Verhältnis von Kunde und Anbieter wird in sein Gegenteil verkehrt: der Kunde wird abhängig vom Anbieter - zb über "Serviceleistungen", die zusehends in den "Premiumbereich" abdriften und entsprechend abgerechnet werden.

Die "einfache" Dienstleistung bedeutete dann lediglich noch, eine Art Grundpreis zu entrichten für die Berechtigung ein bestimmtes Dienstleistungspaket buchen resp. erwerben zu können.

Das klingt schlauer als es ist, so weit die Praxen darin auch fortgeschritten wirken.

Das Vertrauensverhältnis zwischen Anbieter und Kunden kann so allerdings auch nicht mehr beschädigt werden, weil es keines mehr gibt.

Und das ist doch ein ausgesprochener "Fortschritt" an den Märkten...

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