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01.12.2013

13:49 Uhr

US-Konsumflaute

Wut auf Walmart

VonAxel Postinett

Während der deutsche Einzelhandel sich mit dem ersten Adventswochenende zufrieden zeigt, herrscht in den USA nach dem Start ins Weihnachtsgeschäft am „Black Friday“ der große Frust. Der Unmut konzentriert sich auf den Handelsriesen Walmart. Er gilt als Synonym für das Problem Amerikas.

Proteste in Lakewood/Colorado: Walmart-Angestellte demonstrieren gegen die Lohnpolitik des Handelsriesen. ap

Proteste in Lakewood/Colorado: Walmart-Angestellte demonstrieren gegen die Lohnpolitik des Handelsriesen.

San FranciscoThanksgiving ist vorbei. Die Rabattschlachten des Black Friday sind geschlagen. Was bleibt, sind Videos von Tumulten und Ausschreitung auf Youtube, Verhaftungen, Verletzte und ein frustrierter Einzelhandel. Den Bürgern fehlt das Geld. Der Unmut konzentriert sich dabei auf den größten Handelskonzern der Welt: Walmart. Er gilt als Synonym für das Problem Amerikas: flächendeckende Armut und Reichtum für wenige.

Die Zahlen sollten die Wall Street beeindrucken und gleichzeitig zeigen, wie gut es doch ist bei Walmart zu arbeiten. „Über 475.000 Vollzeitbeschäftigte bei Walmart in den USA verdienen mehr als 25.000 Dollar im Jahr“, erklärte Bill Simons, Chef der US-Aktivitäten, auf einer Investorenkonferenz von Goldman Sachs im Oktober. Aber das einzige, was von dieser Zahl hängen blieb, war, was er damit indirekt ausgedrückt hat: Es verbleiben damit über 50 Prozent der Angestellten beim größten privatwirtschaftlichen Arbeitgeber der USA, die höchstens 25.000 Dollar im Jahr bekommen.

Eine davon ist Tiffany Beroid aus Maryland. „Ich arbeite hier seit über zwei Jahren in Vollzeit und verdiene weniger als 25.000 Dollar“, sagt die Ehefrau und Mutter. „Um über die Runden zu kommen, brauche ich Lebensmittelmarken vom Staat. Als größter Arbeitgeber des Landes sollte Walmart Löhne zahlen, die den Lebensunterhalt ermöglichen.“

Zusammen mit tausenden anderen Angestellten und Aktivisten stand sie vor einem der Läden des Handelsgiganten von Washington bis San Francisco, um vom Management mehr Lohngerechtigkeit zu verlangen, statt nur den Wohlstand von Aktionären und der Eigentümerfamilie Walton zu mehren. Das Ziel der Protestbewegung ist dabei moderat. Ein Vollzeitstelle sollte 25.000 Dollar einbringen. Die statistische Armutsgrenze für eine Familie von vier liegt in den USA bei 23.550 Dollar.

Konjunktur: „Black Friday“ macht US-Händlern wenig Hoffnung

Konjunktur

„Black Friday“ macht US-Händlern wenig Hoffnung

Die schleppende Konjunktur drückt in den USA auf das Konsumklima. Der Start des Weihnachtsgeschäfts am „Black Friday“ fiel eher verhalten aus. Viele Kunden gingen hauptsächlich auf Schnäppchen-Jagd.

Die fehlende Kaufkraft im Hauptmarkt USA bekommt Walmart dabei selbst zu spüren. Die größten Kundengruppen – Geringverdiener und Mittelstand – stöhnen unter dem Auslaufen von Steuervergünstigungen für Arbeitnehmer, Jobunsicherheit und den Nachwehen des Government Shutdowns. Zeitweilig 800.000 Staatsbedienstete hatten in den unbezahlten Zwangsurlaub gehen müssen. Die Einkommen der typischen Walmart-Kunden sinken, während die Nahrungsmittelpreise stabil bleiben, räumt auch Walmart-Manager Simon unumwunden ein. Während die Börsenhausse, angefeuert durch billiges Geld, den Wohlstand des oberen ein Prozent der US-Bürger permanent antreibt, fallen alle die zurück, die vom nächsten Gehaltsscheck leben.

Und der Druck entlud sich am Schnäppchen-Freitag, der in vielen Handelsketten schon am Donnerstag begann. In der Hoffnung auf ein paar Dollar Ersparnis fielen die letzten Reste Anstand unter dem Ansturm auf die Walmarts, Targets und Einkaufs-Malls der USA. Wettbewerber um eines der limitierten Schnäppchen wurden schon mal handgreiflich am Kauf gehindert oder angespuckt, bei Youtube kursieren zahlreiche Videos, die Ausraster en masse dokumentieren.

Bei allem großen Handelsketten waren die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden wie vor einem drohenden Terrorangriff. Auf keinen Fall durfte es eine Wiederholung eines Vorfalls aus 2008 geben, als ein Walmart-Angestellter vom Schnäppchen-Mob zu Tode getrampelt wurde. Manche Geschäfte verteilten Coupons an die Wartenden, damit sie sicher waren, eines der limitierten Billigprodukte zu bekommen. Andere räumten Käufern mehrere Stunden Zeit ein, in der sie nach dem Kauf nach Hause fahren konnten, um später in aller Ruhe ihre bezahlte Beute abzuholen. So sollten die Mega-Schlangen an den Kassen reduziert werden.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

01.12.2013, 15:40 Uhr

Ja das ist das Problem, es ist genug Geld da, so dass keine neues gedruckt werden muss - auch in Amerika. Nur es staut sich an den falschen Stellen! Dieser Stau muss aufgelöst werden. D.h. Menschen (nicht Staaten Herr "Ökonom" Poser!) mit Leistungsbilanzdefititen, die also mehr einnehmen, als sie jemals ausgeben können, müssen ihre Überschüsse abbauen. Nicht die Mittelschicht in Deutschland, die nur als Altersvorsorge heute etwas Konsumverzicht übt und spart, um im Alter konsumieren zu können - über eine Lebensspanne gerechnet also durchaus eine ausgeglichene Leistungsbilanz hat -sehe ich als erstes angesprochen Transfers zu leisten. An Geldsäcke im Zentrum der Kapitalgravitation müssen wir ran, um diesen zu einem leistungsgerechten Einkommen zu verhelfen und die spätrömische Dekadenz von Kapitalschmarotzern etwas zu erden. Da mag es in Deutschland einiges zu tun geben aber in USA ganz sicher noch viel viel mehr.

BoycottUSA

01.12.2013, 15:51 Uhr

„+++ Kommentar von der Redaktion gelöscht. Bitte halten Sie sich an unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette/ +++“

Wutbuerger

01.12.2013, 16:11 Uhr

„+++ Kommentar von der Redaktion gelöscht. Bitte halten Sie sich an unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette/ +++“

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