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20.03.2011

23:38 Uhr

US-Tochter verkauft

Telekom rettet sich aus dem US-Desaster

VonSandra Louven, Rolf Benders

Die Deutsche Telekom verkauft ihre amerikanische Mobilfunktochter T-Mobile USA für 39 Milliarden Dollar an den Wettbewerber AT&T. Telekom-Chef René Obermann soll einen Sitz im Board von AT&T erhalten.

Telekom-Chef Rene Obermann. Quelle: dapd

Telekom-Chef Rene Obermann.

Düsseldorf/New YorkDie Deutsche Telekom gibt die Mobilfunksparte für 39 Mrd. Dollar ab - und findet neue Partner. Bereits seit eineinhalb Jahren suchte die Telekom nach einer Lösung für ihre angeschlagene amerikanische Tochter T-Mobile USA. Jetzt ist sie fündig geworden: Der US-Wettbewerber AT+T wird dem Bonner Konzern T-Mobile USA abkaufen. Das teilte AT+T am Sonntagnachmittag (Ortszeit) mit und bestätigte damit eine vorherige Exklusivmeldung des Handelsblattes.

Die Telekom soll 25 Mrd. Dollar in bar und 14 Mrd. Dollar über einen Aktientausch erhalten. Damit besäßen die Bonner acht Prozent an AT+T, der Nummer zwei auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt. Zudem soll Telekom-Chef René Obermann einen Sitz im Board von AT+T erhalten.

Der Deal steht jedoch noch unter dem Vorbehalt der Kartellbehörden. „Das ist der einzige wunde Punkt“, heißt es in Konzernkreisen. Mit dem Verkauf würde sich in den USA die Zahl der im ganzen Land tätigen Mobilfunkanbieter von vier auf drei reduzieren. AT+T versuchte diese Bedenken gegenüber der Fusion der Nr. 2 mit der Nr. 4 des nationalen Marktes in seiner Mitteilung zu zerstreuen. "Der US-Mobilfunkmarkt ist und bleibt einer der umkämpftesten Märkte der Welt. In 18 der 20 Großregionen kann der Kunde zwischen fünf Anbietern wählen", verwies AT+T auf die seiner Meinung nach bedeutende Rolle regional tätiger Konkurrenten.

Kommt der Verkauf jedoch zustande, hätte die Telekom ein großes Problem weniger. Der vereinbarte Kaufpreis entspricht 67 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung der Telekom, obwohl die USA nur 21 Prozent zum operativen Gewinn (Ebitda) des Konzerns beitragen.

Ron Sommer: Der frühere Telekom-Chef übernahm Voicestream 2001 für 39,4 Mrd. Euro. Quelle: ap

Ron Sommer: Der frühere Telekom-Chef übernahm Voicestream 2001 für 39,4 Mrd. Euro.

Ex-Telekom-Chef Ron Sommer hatte im Jahr 2000 den US-Anbieter Voicestream erworben und sich dabei hoch verschuldet. Der Kaufpreis für die dann in T-Mobile umbenannte neue Tochter wurde damals auf rund 28 Milliarden Dollar taxiert, ist aber wegen schwankender Aktienpreise nicht vergleichbar. Zudem steckte die Telekom in der Zwischenzeit viel Geld in das Netz. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten galt das US-Geschäft eine Zeit lang als Ertragsperle. Vor einigen Jahren wurde jedoch deutlich, dass es als Nummer vier im US-Markt schlicht an Größe fehlt, von der AT+T und der zweite Riese Verizon Wireless profitieren. "T-Mobile hatte mit einer mehr oder weniger stagnierenden Kundenzahl zu kämpfen und hätte noch einmal viel Geld in die Hand nehmen müssen, um aus T-Mobile etwas zu machen", sagte Charlie Golvin, Analyst bei Forrester Research in Los Angeles. Es habe T-Mobile zudem geschadet, dass sie in den USA - anders als in Deutschland - das iPhone nicht anbieten konnten. Die nun aus dem US-Abenteuer wohl verbleibende Beteiligung an AT&T sei bestenfalls dafür gut, eigenen Kunden aus Europa bessere Konditionen in den USA zu bieten.

Mit dem Verkauf werde die Position der Telekom in Europa gestärkt, erklärte Telekom-Chef René Obermann. „Wir können uns nun stärker auf den Ausbau der schnellen Netze in Europa und die Entwicklung moderner Internetprodukte konzentrieren.“ Gleichzeitig werde die Telekom weiter am stark wachsenden Geschäft mit dem mobilen Internet in den USA teilhaben.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

21.03.2011, 09:26 Uhr

Man sollte an dieser Stelle nochmal daran erinnern, wie die fabelhaften Manager der Telekom den Einstieg in dieses und andere desaströs endende Abenteuer bezahlt haben: Mit dem frischen Geld von Anlegern, die sie im Rahmen des allgemeinen Runs auf IT-Aktien geködert hatten. Anschließend wurden diese Aktionäre dann, am Tiefpunkt des Kurses, wieder rausgedrängt - feine Methoden, und so hervorragend geeignet, die Aktienkultur in D zu fördern... Wer diesen selbstherrlichen Nieten in nadelstreifen immer noch sein Geld anvertraut, muss wirklich ein im Tal der Ahnungslosen wohnen - alle anderen wenden sich mit VN9Grausen ab.

NoName

21.03.2011, 10:22 Uhr

... alles in allem nur ein weiterer Akt in dem traurigen Stück: "Wie deutsche Konzerne international immer mehr an Bedeutung verlieren und die Presse zu dieser Provinzialisierung auch noch Beifall klatscht", mehr nicht.

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