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14.01.2007

19:27 Uhr

USA

Das Geschäft mit dem Heimatschutz

VonKatja Ridderbusch

Seit den Attentaten vom 11. September sind die Amerikaner ängstlicher geworden. Deshalb boomt das Geschäft mit der Sicherheit. Einige Universitäten bieten inzwischen sogar spezielle Studiengänge für „Heimatschutz und Notfallplanung“ an. Vor allem aber verdienen sich die Unternehmen eine goldene Nase.

Vor allem an den Flughäfen haben die USA technisch aufgerüstet wie hier mit einem Fingerabdruck-Scanner. Foto: ap ap

Vor allem an den Flughäfen haben die USA technisch aufgerüstet wie hier mit einem Fingerabdruck-Scanner. Foto: ap

ATLANTA. 230 000 Menschen an einem einzigen Tag. Menschen in Schlangen, die nicht enden wollen, Menschen, die im Gänsemarsch durch garstig pfeifende Schleusen aus Metall marschieren. Flankiert von Offizieren in Blau, die Anweisungen in die Menge bellen, an besonders hektischen Tagen per Megafon: Schuhe aus, Gürtel ab, Laptop aus der Tasche, Kosmetik in den Ziploc-Beutel, Bordkarte in die Hand! Was anmutet wie eine Momentaufnahme von einer Massenevakuierung aus einem Katastrophengebiet, ist ganz normaler Sicherheitsalltag auf dem Hartsfield-Jackson International Airport in Atlanta, dem größten Passagierdrehkreuz der Welt. Alltag unter der „Alarmstufe Orange“, die das amerikanische Heimatschutzministerium seit Monaten für US-Flughäfen ausruft.

„Homeland Security“, das ist in Amerika ein schnell wachsender Markt, seitdem am 11. September 2001 Terroristen Flugzeuge in die Türme des Word Trade Centers steuerten. Seither gibt es ein neues Bundesministerium, neue Agenturen und üppige Budgets, flankiert und vervielfacht durch eifrige Geschäftsaktivitäten privater Unternehmen. Das Geschäft mit der Sicherheit boomt, Homeland-Security hat neue Jobs geschaffen, neue Branchen, neue Dienstleitungen – und sogar neue Studiengänge.

Seit den September-Attentaten sind die Amerikaner ängstlicher geworden. Hurrikan „Katrina“, der im Herbst 2005 die Golfküste verwüstete, gab dem Katastrophengeschäft einen zusätzlichen Schub. Das Budget für das US-Heimatschutzministerium, das im Jahr 2002 geschaffen wurde, beträgt im Fiskaljahr 2007 knapp 43 Milliarden Dollar, davon entfallen allein auf die Flughafensicherheit etwa 4,6 Milliarden Dollar. Vor dem 11. September hatten die einzelnen Fluglinien das Sicherheitspersonal gestellt; seit 2002 hat die TSA, die „Transportation Security Administration“, die dem Heimatschutzministerium unterstellt ist, die Verantwortung übernommen.

2003 sorgten insgesamt 55 000 TSA-Mitarbeiter für die Sicherheit an US-Flughäfen. Mittlerweile ist die Zahl auf 43 000 zurückgegangen. Doch die Heimatschutzindustrie lebt nicht allein von öffentlichen Kassen. Weltweit, so schätzte jüngst die Homeland Security Research Corp., eine Marktforschungsagentur mit Sitz in Washington, D.C., werde das private Geschäft mit dem Heimatschutz in den kommenden Jahren steil anwachsen – auf etwa 180 Milliarden Dollar im Jahr 2015.

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