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01.02.2017

15:54 Uhr

Utz-Hellmuth Felcht

Bahn-Chefaufseher zum Rapport bei Dobrindt

VonDieter Fockenbrock, Daniel Delhaes

Bei der Deutschen Bahn könnte es erneut einen Personalwechsel geben: Nach Handelsblatt-Informationen steht Aufsichtsratschef Felcht möglicherweise vor dem Rücktritt. Für seine Nachfolge gibt es einen heißen Kandidaten.

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn steht nach dem Abgang von Rüdiger Grube in der Kritik. imago stock&people

Utz-Hellmuth Felcht

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn steht nach dem Abgang von Rüdiger Grube in der Kritik.

BerlinUtz-Hellmuth Felcht, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn, steht nach Informationen aus Kreisen des Gremiums möglicherweise kurz vor dem Rücktritt. Felcht, der wegen der unerwarteten Kündigung von Bahnchef Rüdiger Grube in die Kritik geraten war, ist am heutigen Mittwoch zum Rapport bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Nach rund einer Stunde verließ er das Ministerium ohne eine Erklärung über den Hinterausgang.

Unmittelbar vor dem Gespräch mit Dobrindt sagte er der Deutschen Presse-Agentur, er erwarte im Ministerium „einen Austausch, eine Diskussion über das, was da am Montag abgelaufen ist“. Die alleinige Verantwortung für Grubes Rückzug wies er von sich: „Wer unsere Pressemeldung richtig gelesen hat, kann eindeutig nachlesen, dass die Entscheidung dort einstimmig gefallen ist.“

Beobachter erwarten, dass Felcht seinen Posten aufgeben wird. Ein Ministeriumssprecher wich am Mittwoch der Frage aus, ob Felcht noch das Vertrauen von Ressortchef Dobrindt genieße. Er werde sich an Personalspekulationen nicht beteiligen, sagte der Sprecher.

Dobrindt, der die ursprünglich vorgesehene Vertragsverlängerung mit Grube über drei Jahre abgesegnet hatte, ist sehr erbost über die ungeschickte Führung der Aufsichtsratssitzung am Montag. Während dieser Sitzung war Grube zurückgetreten, weil ihm plötzlich nur noch zwei Jahre Verlängerung angeboten wurden. Felcht habe die Ereignisse nicht im Griff gehabt, lautet der Vorwurf.

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Mit dem Abgang von Bahn-Chef Rüdiger Grube wächst die Kritik am obersten Aufseher Utz-Hellmuth Felcht. Nun muss auch er um seine Position bangen. Tritt er ab, wäre der Weg frei für einen personellen Neubeginn.

Grube erklärte in einem Brief an die Bahn-Mitarbeiter seine Beweggründe für seinen spontanen Rücktritt. Er habe vom Personalausschuss die Zusage gehabt, „dass mein Vertrag um drei Jahre bis zum 31.12.2020 verlängert wird“, so Grube am Dienstag in dem Schreiben, das „Spiegel online“ veröffentlichte.

Nachdem „man dann in der gestrigen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mir diese bereits erteilte Zusage auf zwei Jahre kürzen wollte, obwohl ich auf Gehaltssteigerung und Abfindung verzichtet hätte, musste ich eine klare Entscheidung treffen“. Grube bat die Mitarbeiter um Verständnis für seine Entscheidung. „Aber wie Sie wissen, komme ich vom Bauernhof, das habe ich gelernt, was Geradlinigkeit und zu seinem Wort stehen bedeuten.“

Als möglicher Nachfolger Felchts wird unter anderem Michael Frenzel gehandelt. Der frühere Tui-Chef war vor gut zwei Jahren in den Bahnaufsichtsrat auf Vorschlag des damaligen Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel (SPD) eingezogen. Schon 2014 gab es Spekulationen, Frenzel könnte eines Tages neuer Bahn-Chefaufseher werden. Der 69-jährige Frenzel war Anfang des Jahrtausends schon einmal für fünf Jahre Chefaufseher der Bahn. „Ich kann mir Herrn Frenzel als Aufsichtsratschef gut vorstellen, zumal er schon Anfang der Legislaturperiode im Gespräch war“, hieß es in Kreisen des Aufsichtsrates. „Er ist die einzige Alternative.“

Frenzel hatte am Montag in der Diskussion um die Vertragsverlängerung von Vorstandschef Grube zur Mäßigung aufgerufen und auf die Gefahr einer solchen Debatte hingewiesen. Angesichts seiner Rolle als einfaches Aufsichtsratsmitglied habe er sich aber nicht durchsetzen können, hieß es. Frenzel gilt allerdings nicht als gesetzt, da er von der SPD für den Aufsichtsrat vorgeschlagen wurde. Felcht war dagegen auf Vorschlag der CSU zum Aufsichtsratschef gemacht worden.

Aufsichtsräte aus allen Lagern kritisierten nach Informationen der Wochenzeitung „Die Zeit“ die Amtsführung Felchts. Dieser habe die Sitzung am Montag schlecht vorbereitet und dann auch nicht im Griff gehabt. „Das hätte Felcht einfach abmoderieren können, es war ja alles im Vorfeld ausdiskutiert worden“, wird ein Teilnehmer zitiert. Stattdessen habe der Vorsitzende die Diskussion laufen lassen.

Kommentare (4)

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Herr Wolf-Dieter Siebert

01.02.2017, 13:01 Uhr

Liebes Handelsblatt,
Bitte googeln Sie doch mal, recherchieren tut ihr von der Presse ja nicht mehr. Michael Frenzel war sogar schon mal Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn, Schröder noch Kanzler und Mehdorn Bahnchef.

Frau Leane Kamari

01.02.2017, 13:20 Uhr

Und weiter geht es im munteren Pöstchen geschacher zwischen Politik und Wirtschaft; Fachkompetenz spielt dabei keine Rolle. Alles wie immer!

Herr Thomas Behrends

01.02.2017, 13:39 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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