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27.06.2017

15:49 Uhr

Vapiano, MoschMosch und Co.

Das Erfolgsrezept der neuen Restaurantketten

Sie heißen Dean & David, MoschMosch oder Hans im Glück. Immer mehr Restaurantketten, die gutes Essen in hohem Tempo anbieten, sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Das zeigt auch der Börsengang von Vapiano.

Vapiano-Chef über Zukunftspläne

„Unser Wachstum konzentriert sich auf Europa“

Vapiano-Chef über Zukunftspläne: „Unser Wachstum konzentriert sich auf Europa“

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FrankfurtBei Vapiano in Frankfurt ist es voll an diesem Mittag. Die Kunden sind aus ganz unterschiedlichen Gründen hier. „Man redet mit den Köchen, die sind lustig drauf. Und man sieht, wie das Essen zubereitet wird“, sagt Ingo Hillenbrand. „Es geht einfach schnell“, meint Nathalie Adolph. „Das ist eine sichere Option“, erklärt Stephan Weber, der zu einem Geschäftstermin in der Stadt ist.

Die Pizza- und Pastakette ist einer der Vorreiter des sogenannten Fast Casual Dining in Deutschland - und der erste Spieler der Branche, der mit einem Börsengang das nötige Geld für weiteres Wachstum einsammeln will. Es geht um einen Mix aus Fast Food, also Tempo und Effizienz, und Casual Dining, also gutem Essen in ungezwungener Atmosphäre. Immer mehr dieser Restaurantketten drängen auf den Markt: von italienisch über asiatisch bis hin zu Burgern.

Subway, McDonald's, Burger King: Die Drei von der Tankstelle

Subway, McDonald's, Burger King

Die Drei von der Tankstelle

Sie sind fast immer offen und praktisch überall – die Fast-Food-Branche will von den Standortvorteilen von Tankstellen profitieren. Neben McDonald's und Burger King hat nun auch Subway Expansionspläne.

Michael Lidl, Partner bei der Beratungsgesellschaft Treugast Solutions, sieht mehrere Gründe dafür. Die Social-Media-affine Generation der 18- bis 35-Jährigen schätze die Läden, sagt der Experte – nicht zuletzt, um gute Selfies schießen zu können.

Ein weiterer Pluspunkt sei die Individualität der Speisen. „Diese Restaurants passen ideal zum Trend, dass jeder seine Soße anders mag.“ Mit einer offenen Küche könne man zudem leichter auf Lebensmittel-Intoleranzen und Allergien reagieren. „Der Gast hat gefühlt mehr in der Hand.“ Für Lidl haben Ketten darüber hinaus aus kaufmännischer Sicht Vorteile. Sie hängen weniger von der Person ab, die den einzelnen Laden führt. Abläufe sind standardisiert, Kosten dadurch reduziert. Vermieter schätzten diese Planbarkeit. So würden Ketten leichter Räume in Toplagen finden, erklärt Lidl. „Wenn ich ein Millionenunternehmen als Vertragspartner habe, ist mir das lieber.“

Deutschlands erfolgreichste Fast-Food-Restaurants

10. Edeka

Dass Edeka Zentrale im Ranking auftaucht, zeigt: Auch bei Bäckern und in Supermärkten wird das Gastronomie- und Snack-Geschäft wichtiger. In die Umsatzzahl von 198 Millionen Euro sind dabei viele Angebote der Kaufleute nicht mal eingerechnet.

Quelle für alle Zahlen: Fachzeitschrift „Food Service“

9. Ikea

Ikea wächst ebenfalls bei der Gastronomie – auch dank neuer Angebote wie vegetarischer Bällchen um 13 Millionen auf 204 Millionen Euro. In der ersten City-Filiale in Hamburg-Altona ist die Gastronomie sogar so erfolgreich, dass Ikea bereits am dortigen Bahnhof wirbt. „Bei uns gibt es neben Coffee auch Tische to go“.

8. Aral

Aral wächst mit Petit Bistro in den Filialen seiner 1137 Franchisenehmer und bringt es auf 212,1 Millionen Euro Umsatz. Der Ölkonzern sorgte für Aufsehen, weil die konzerneigenen Filialen schrittweise auf Rewe to Go umgestellt werden. Das Kölner Handelsunternehmen weitet so die Präsenz seiner Convenience-Linie deutlich aus.

7. Subway

Subway hat seine Krise in Deutschland überwunden und wächst wieder. Zwischenzeitlich hatte die Kette mit ihren Franchise-Nehmern zu viele Filialen in Deutschland eröffnet. Anschließend gab es Ärger mit mehreren Partnern, die sich über hohe Gebühren bei wenig Umsatz beklagten. Inzwischen ist das Filialnetz bereinigt, Subway läuft in Deutschland wieder recht geräuschlos – und wächst um zwölf Millionen Euro auf 215 Millionen Euro. Die Positionierung als gesunde Alternative hilft.

6. Yum

Yum betreibt Kentucky Fried Chicken und Pizza-Hut-Restaurants. Vor allem KFC sagen Experten wie „Food Service“-Herausgeberin Gretel Weiss großes Wachstumspotenzial in Deutschland (Umsatz: 267,8 Millionen Euro) nach. Wie in den USA wäre Platz an jeder Ecke. Doch im Konzern stehen Schwellenländer noch höher auf der Agenda als das reife Europa.

5. Nordsee

Nordsee stagniert bei 297,9 Millionen Euro Umsatz. Die Gruppe von Heiner Kamps arbeitet an ihrem Konzept und will so mehr junge Kunden erreichen. Neben die klassischen Fisch-Angebote treten dazu Aktionen, die auch Trendthemen aufgreifen sollen. Auch der Werbeauftritt ist neu.

4. Tank & Rast

Autobahn Tank & Rast versorgt 400 Filialen, vor allem Raststätten. Der Umsatz stieg um 18 Millionen auf 621 Millionen Euro.

3. LSG Lufthansa

LSG Lufthansa ist der Caterer der Fluggesellschaft. Die „Sky Chefs“ gewinnen 34 Millionen Euro Umsatz auf 824 Millionen Euro.

2. Burger King

Burger King lässt den Skandal um Hygienemängel bei einem großen Franchise-Nehmer hinter sich. Der Umsatz stieg um 35 Millionen Euro auf 865 Millionen Euro. Dabei gibt es sogar eine Filiale weniger als im Vorjahr, nämlich 694. Offenbar haben die Kunden ein kurzes Gedächtnis für Skandale – oder glauben den Beteuerungen des Unternehmens, dass es nun besser laufe. Im Vorjahr hatte Burger King noch 5,7 Prozent Umsatz eingebüßt.

1. McDonald’s

McDonald’s ist mit riesigem Abstand Marktführer unter den Systemgastronomen in Deutschland. Mit neuen Angeboten wie dem Bio Burger sind die Amerikaner aus der Defensive gekommen. Die Fachzeitschrift „Food Service“ schätzt das Umsatzplus auf 70 Millionen Euro – obwohl nur eine Filiale dazugekommen ist. Damit würde der Konzern in Deutschland in 1478 Betrieben 3,08 Milliarden Euro umsetzen. Ein Zukunftsstore am Frankfurter Flughafen zeigt, wie die Filialen künftig aussehen sollen – unter anderem an Autobahnen, wo McDonald’s bei Tank & Rast einige Burger Kings ablösen wird.

Seine Einschätzung untermauert er mit Zahlen. Demnach wächst die sogenannte Systemgastronomie mit 4 Prozent pro Jahr schneller als die gesamte Gastrobranche, die auf 1 Prozent komme. Innerhalb der Systemgastronomie, zu der auch Fast-Food-Riesen wie McDonald's und Burger King zählen, seien vor allem die Fast-Casual-Konzepte die Wachstumstreiber - etwa die Burgerkette Hans im Glück, die Pizzakette L'Osteria, die Salat- und Suppenbar Dean & David und eben Branchenurgestein Vapiano. Das vor 15 Jahren in Hamburg gegründete Unternehmen hat 185 Restaurants in 31 Ländern rund um den Globus.

„Wenn es einen gastronomischen Teilmarkt gibt, der wirklich große Zukunft mit sattem Wachstum verspricht, dann ist das Fast Casual“, sagt Gretel Weiß, Herausgeberin der Zeitschrift „food-service“. Ihrer Meinung nach spielen Veränderungen in der Gesellschaft der Branche in die Hände. Die Leute gingen insbesondere unter der Woche mehr aus.

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