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11.06.2012

16:51 Uhr

VDV-Präsident Fenske

„Keiner will die Behördenbahn zurückhaben“

VonDieter Fockenbrock

Jürgen Fenske kennt die Unterfinanzierung des Nahverkehrs als Vorstandschef der Kölner Verkehrs-Betriebe aus eigener Erfahrung. Der VDV-Präsident fordert im Interview die zielgenaue Förderung von Vorhaben.

Jürgen Fenske ist Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Vorstandsvorsitzender der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). PR

Jürgen Fenske ist Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Vorstandsvorsitzender der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB).

Handelsblatt Online: Herr Fenske, haben Verkehrsbetriebe ein Interesse daran, neue Fahrgäste zu gewinnen?

Jürgen Fenske: In den Großstädten sind zu Spitzenzeiten die Belastungsgrenzen längst erreicht. In ländlichen Regionen sieht das natürlich anders aus. Der öffentliche Personennahverkehr ist eben eine geteilte Welt.

Finanziell rechnen sich zusätzliche Kunden doch auch nicht. Jeder Neue vergrößert das Defizit.

Aber jeder Fahrgast leistet einen Beitrag zur Kostendeckung. Und die kann sich sehen lassen. Vor zehn Jahren deckten die Einnahmen 68 Prozent unserer Ausgaben, heute sind es 77 Prozent.

Werden Busse und Bahnen jemals profitabel fahren?

Die Unternehmen werden immer auf staatliche Finanzierung angewiesen sein. Denn alle Sanierungsmaßnahmen haben ihr Grenzen. Die Spielräume für weitere Kostensenkungen sinken tendenziell.

Sie könnten die Preise erhöhen.

Das haben wir ja schon in den vergangenen Jahren gemacht. Und die Fahrgäste haben das akzeptiert. Nur muss man wissen: Fahrpreise im Nahverkehr sind politische Preise. Die können Verkehrsbetriebe nicht allein bestimmen.

Die Piraten-Partei fordert genau das Gegenteil, den Nulltarif.

Eine absurde Idee. Über Nacht fehlen dem Nahverkehr zwölf Milliarden Euro. Wer soll die übernehmen? Der Steuerzahler? Dann haben wird wieder die Behördenbahn. Das will doch niemand.

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Der deutsche Nahverkehr ist chronisch unterfinanziert. Viele Bahnen gehören auf den Schrottplatz, den Städten fehlen Milliarden für die Netzsanierung, erste Strecken werden stillgelegt. Der Leidtragende ist der Kunde.

Von Bundesfinanzminister Schäuble fordert der öffentliche Nahverkehr ohnehin schon 1,9 Milliarden Euro pro Jahr.

Die wir auch dringend brauchen, um Fahrzeuge und Infrastruktur zu erhalten und dort, wo es nötig ist, das Netz zu erweitern. Diese 1,9 Milliarden sind keine Schätzung von uns mit dem dicken Daumen nach dem Motto „was wir uns alles vorstellen können“. Dieser Betrag ist das Ergebnis einer gründlichen Untersuchung und wird von allen Bundesländern, ob rot, grün oder schwarz regiert, unterstützt.

Das Prinzip Gießkanne bei der Förderung hat aber ausgedient?

Wir werden uns in der Zukunft auf die wesentlichen Vorhaben konzentrieren müssen. Brauchen wir den Ausbau der völlig überlasteten Bahnverbindung Köln-Düsseldorf, den seit zehn Jahren geplanten S-Bahn-Tunnel in München oder brauchen wir mehr Busverkehr im ländlichen Raum? Wir müssen ganz genau hinsehen, wo welcher Bedarf ist.

Kommentare (4)

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Thomas-Melber-Stuttgart

11.06.2012, 17:23 Uhr

Zumnindest bei der DB sehen das sicher viele Nutzer / Kunden anders. Zudem ist im Nahverkehr die ganze "Ausschreiberitis" Humbug, zumal auch der ÖPNV zur Daseinsvorsorge und somit in Staatshand (iwS) gehört.

Account gelöscht!

11.06.2012, 20:39 Uhr

Ich kann mich noch sehr gut an das erinnern, was Herr Fenske mit seinem geringschätzigen Grinsen "Behördenbahn" nennt.
Es war ziemlich sauber, fast immer pünktlich und das letzte Kaff war angeschlossen, so dass auch alte Menschen überall hinfahren konnten.
Nachdem alles privatisiert wird, ist das alles viel viel besser.
Die privaten Betreiber machen ihren Reibach, investieren nichts oder zu wenig und plärren nach der staatlichen Förderung, kurz bevor der Laden am Zusammenklappen ist.
Der Kunde stört da nur.
Daseinsvorsorge ? Dass ich nicht lache. Business !!!!

Tabu

11.06.2012, 20:54 Uhr

„Keiner will die Behördenbahn zurückhaben“
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wer sagt das?..Ich z.B. will sie wieder,zumal es
an Zeiten erinnert wo es noch keine Speisung der Armen
in Form von Tafeln und Suppenküchen gab..
Da schreibt dieser Fenske doch von neuen Streckenausbauten auf der Schiene,
wo im Hauptartikel zu lesen steht,das
Kilometer wegen Verrottung geschlossen werden mußten.
Die sollen erst die alten Anbindungen wieder sanieren,
die wurden schon bezahlt..
Leben die noch auf demselben Planeten wie ich?
Sind hier eh bald Zustände wie in Burkina Farso..

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