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02.07.2012

17:13 Uhr

Verband Deutscher Reeder

Maritimer Standort in Gefahr

VonMark C. Schneider, Christoph Schlautmann, Frank Matthias Drost

ExklusivDer Chef des Verbands Deutscher Reeder ist besorgt: „Mit der Finanzierung wird mehr Wertschöpfung aus Deutschland abwandern“. Die Reeder fürchten um die Bedeutung des maritimen Standorts Deutschland.

Ein Frachtschiff wird im Hamburger Hafen entladen. dapd

Ein Frachtschiff wird im Hamburger Hafen entladen.

HamburgDer Rückzug der deutschen Banken aus der Schiffsfinanzierung bedroht aus Sicht der Reeder den Stellenwert des maritimen Standorts. „Mittelfristig wird das ein Problem. Ziehen sich europäische Banken zurück, spielt das asiatischen Banken in die Hände“, sagte Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR) dem Handelsblatt. „Wer eine Branche finanziert, ist mitverantwortlich für die Wertschöpfungskette, bestimmt nicht nur die Zinsen, sondern auch, wie und wo ein Schiff ausgestattet wird.“ Schiffe, die meist aus Korea oder China stammen, sind aus Nagels Sicht nur Hüllen. „In Deutschland hängen 75.000 Arbeitsplätze an der Zulieferung für den Schiffbau. Wenn Schiffe aus China finanziert werden, droht ein Rutschbahneffekt“, befürchtet der Verbandschef. „Mit der Finanzierung wird mehr Wertschöpfung aus Deutschland abwandern.“

Am Donnerstag versammelt der maritime Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto (FDP), Bankenvertreter in Berlin, um nach dem überraschenden Ausstieg der Commerzbank aus der Schiffsfinanzierung über neue Wege zur Finanzierung der Branche zu sprechen. Bislang ist Deutschland der wichtigste Standort weltweit für die Schiffsfinanzierung. Doch auch andere Institute wie die HSH Nordbank als größter Schiffsfinanzierer reduzieren ihr Geschäft in dem Segment.

Hilfe erhofft sich der VDR von der Bundesregierung. Der Verband hat Koordinator Otto, der parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium ist, bereits Vorschläge gemacht, um die maritime Branche bei der kritischen Finanzierung von Schiffen zu entlasten. Die Bankenaufsicht BaFin sollte Reedern vier oder fünf Jahre lang die Stundung von Krediten ermöglichen, „ohne dass wie bisher nach drei Jahren ein neuer und teurerer Vertrag geschlossen werden muss“, so Nagel.

Zudem möchte der Reederverband ein gemeinsam mit anderen entwickeltes neues Bewertungssystem für Schiffe einführen. „Schiffe stehen nach ihrem aktuellen Wert in den Bilanzen. In Krisenzeiten löst das schnell eine Preisspirale nach unten aus“, sagte VDR-Chef Nagel dem Handelsblatt. „Deshalb fordern wir die mittel- und langfristige Ertragsbewertung eines Schiffes. Dann würden die Schiffen nicht mit den schlechten Tageswerten in den Bankbilanzen stehen.“ Vergleichbare Verfahren werden etwa zur Wertermittlung von Immobilien und Flugzeugen bereits seit Jahren verwendet. Sie basieren auf dem langfristig ermittelten Ertragswert und nicht den aktuellen Tageswerten.

Kommentare (2)

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schiffsfond

02.07.2012, 17:43 Uhr

Der VDR sollte sich erstmal fragen, wie verantwortungsvoll er den mit Fremdkapital umgeht. Wieviele Schiffsfonds sind auf Grund der Fehleinschätzungen des VDR notleidend und bringen nicht die versprochenen Renditen?? Handeln so ehrbare Kaufleute, als die sich die Reeder gerne sehen?? Die "Blindheit durch Gier" der Anleger ist die andere Seite der Medaillie. Banken sitzen dem gegenüber am längeren Hebel.

Account gelöscht!

03.07.2012, 16:55 Uhr

Die Schiffahrtsbranche ist ein Musterbeispiel für die unheilvolle Wirkung von Subventionen ! Die Subventionen der Aera Schröder haben riesige Fehlallokationen ausgelöst, die zu Überkapazitäten geführt haben und für deren Unterhalt nun neue Subventionen gefordert werden. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund des weiter bestehenden Problems der Ausflaggung hochinteressant. Die dt. Reeder haben ihre alten Zusagen bezüglich der Anzahl unter dt. Flagge laufender Schiffe in der Vergangenheit nicht eingehalten, für die ihnen weiterhin das Privileg der Tonnagesteuer zugestanden wurde. Da ist es wirklich dreist neue Subventionen einzufordern. Genau das Gegenteil wäre nicht schlecht: der VDR sollte auch die wenigen verbliebenen Schiffe komplett ausflaggen, dann könnte sich Deutschland aus der Piratenjagd rund um Afrika zurückziehen. Und das wiederum würde viel Geld bei der Marine einsparen helfen!!
Die Märchen von den Arbeitsplätzen aus der Wertschöpfungskette glaubt doch eh niemand mehr. Das Argument greift nur noch bei Politikern, die sich gerade aktiv im Wahlkampf befinden. Stadessen sollte das Augenmerk darauf gelegt werden, dass mit dem Sterben der Schiffonds endlich ein weiteres Steuerschlupfloch auf natürliche Weise geschlossen wird !!

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