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27.02.2004

15:56 Uhr

Verbraucher fühlen sich ausspioniert

Metro stoppt Funkchips in Kundenkarten

Der Einsatz von briefmarkengroßen Funkchips auf Kundenkarten des Metro-Konzerns ist vorerst gestoppt. Datenschützer hatten massiv Kritik geübt und den Konzern unter Druck gesetzt.

HB DÜSSELDORF. An der für November geplanten weltweit ersten Einführung „intelligenter Etiketten“ auf Transportverpackungen halte Metro aber fest, sagte ein Sprecher.

„Die Bedenken hinsichtlich unserer RFID-Chips können wir nicht nachvollziehen, aber wir werden die bislang ausgestellten Kundenkarten zurücknehmen und durch Kundenkarten mit einem Barcode austauschen“, sagte der Sprecher am Freitag. In Kürze würden den rund 10 000 Nutzern der Payback-Kundenkarte mit RFID-Chip eines Extra-Supermarktes in Rheinberg die neuen Kundenkarten zugeschickt. „Wir wollen den technologischen Fortschritt nicht gegen unsere Kunden einführen, sondern mit ihnen,“ begründete der Sprecher den Rückzieher.

Es gebe aber keinerlei Abstriche an der geplanten Einführung von RFID-Chips auf Transportverpackungen, hob er hervor. Von November an will Metro in rund 250 deutschen Märkten und zehn Zentrallagern die RFID-Technik auf Transportverpackungen, Paletten und Containern anbringen. Der Konzern verspricht sich davon Kosteneinsparungen in der Logistikkette.

Eine Datenschutzgruppe aus Bielefeld kündigte ungeachtet der Metro-Ankündigung für den Samstag eine Demonstration vor dem so genannten „FutureStore“ in Rheinberg an. Mit Hilfe der „Schnüffelchips“ auf den Kundenkarte würden die Metro-Kunden in Rheinberg ohne es zu wissen „ausspioniert“, kritisierte der „Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs“ (FoeBuD). Zudem verlangte die Gruppe von Metro die Finanzierung eines Gremiums aus Datenschützern, um die RFID-Technik kritisch zu begleiten. Der Metro-Sprecher sagte dazu, jeder Payback-Kunden sei bei der Beantragung der Karte schriftlich auf den Einsatz des RFID-Chips hingewiesen worden.

RFID steht für „Radio Frequency Identification“, Identifikation per Funkübertragung. Die etwa briefmarkengroßen Chips enthalten Metro zufolge lediglich eine Zahlenfolge. Im Falle der Kundenkarten gibt diese Zahlenfolge Aufschluss über den Nutzer der Kundenkarte und sein Alter. Metro benötige diese Angaben, um den Kunden an der Videothek altersangepasste Filme ausleihen zu können, sagte der Sprecher. Auf den künftig eingesetzten Barcode-Kundenkarten werde die selbe Information gespeichert sein wie auf den Kundenkarten mit RFID-Chip.

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