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01.02.2016

19:33 Uhr

Verdacht auf „Traktor-Kartell“

Bundeskartellamt durchsucht Agrarhändler

Wegen des Verdachts auf illegale Preisabsprachen hat das Bundeskartellamt in der vergangenen Woche bundesweit Agrar-Großhändler durchsucht. Zu den durchsuchten Unternehmen gehört auch die BayWa AG in München.

Das Bundeskartellamt vermutet illegale Preisabsprachen beim Verkauf von Landmaschinen. dpa

Landmaschine

Das Bundeskartellamt vermutet illegale Preisabsprachen beim Verkauf von Landmaschinen.

Bonn/MünchenDas Bundeskartellamt hat vergangene Woche bundesweit Agrar-Großhändler wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen bei Landmaschinen durchsucht. Das bestätigte die Behörde am Montag auf Anfrage. Zu den untersuchten Unternehmen zählt die BayWa AG in München.

„Wir arbeiten selbstverständlich mit dem Bundeskartellamt zusammen, damit die Vorwürfe so schnell wie möglich aufgeklärt werden“, betonte BayWa-Chef Klaus Josef Lutz laut einer Mitteilung. Gegenstand des „Traktor-Kartells“ sollen auch Ersatzteile und Reparaturleistungen gewesen sein.

Ein Sprecher der Behörde erklärte, 40 Mitarbeiter von Kartellamt und Polizei seien bei den Durchsuchungen in den genossenschaftlichen Großbetrieben am 26. Januar im Einsatz gewesen. Die Agrar-Großhändler versorgen regionale Klein-Genossenschaften und Kommunen unter anderem mit Maschinen.

Der Baywa-Konzern im Überblick

Die Geschichte

Die Geburtsstunde der Baywa schlägt 1923, als die Genossenschaften in Bayern beschließen, ihr Geld- und Warengeschäft zu trennen. Sie gründen die "Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften". Das Unternehmen wächst schnell. 1959 liegt der Umsatz bereits bei mehr als einer Milliarde Mark. Im Jahr 2000 geht die Baywa an die Börse.

Die Standbeine

Die Baywa macht Geschäfte rund um die drei Bereiche Agrar, Energie und Bau. Der größte Umsatzanteil kommt über den Agrar- und Baustoffhandel. Über die australische Tochter Turners Growers ist die Baywa auch im globalen Obsthandel aktiv. Der Konzern betreibt auch Tankstellen und handelt mit Diesel und Heizöl. Ein neuer Schwerpunkt sind erneuerbare Energien.

Die Zahlen

2014 sank der Baywa-Umsatz leicht auf 15,2 Milliarden Euro. Als Händler ist die Baywa von den Agrarpreisen abhängig. Der Jahresüberschuss ging von 121 auf 90 Millionen Euro zurück. Die Zahl der Beschäftigten lag Ende 2014 bei knapp 17 000. Die Baywa-Aktie ist zu knapp 40 Prozent in Streubesitz. Die Mehrheit halten die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und die Raiffeisen Agrar Invest GmbH.

Anfang März 2015 war die Behörde bereits bei einer ähnlichen Durchsuchungsaktion an sieben Unternehmensstandorten und einem Verband dem Verdacht von Preisabsprachen für Pflanzenschutzmittel nachgegangen. Auch dabei wurde bei der BayWa durchsucht. Die internen Untersuchungen des Unternehmens hätten danach aber keine Hinweise ergeben, die die jetzt erhobenen Vorwürfe bei der Landtechnik bestätigen würden, teilte BayWa mit.

Durchsuchungen bedeuten noch nicht, dass tatsächlich Kartellverstöße vorliegen. Ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) erklärte, man müsse die Frage stellen, inwieweit die Interessen der Bauern von den Großgenossenschaften noch vertreten würden.

Von

dpa

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