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20.11.2012

19:49 Uhr

Verdes wird Hochtief-Chef

„Ein Mann, der die Bausprache spricht“

Jetzt ist es amtlich: Marcelino Fernandez Verdes ist neuer Chef des Baukonzerns Hochtief. Thomas Eichelmann wird Chef-Aufseher. Verdes schließt eine Zerschlagung aus – und wird von der Gewerkschaft gelobt.

Marcelino Fernandez Verdes ist neuer Chef bei Hochtief. dapd

Marcelino Fernandez Verdes ist neuer Chef bei Hochtief.

EssenGroßaktionär ACS hat seinen Griff um Hochtief gefestigt: Der von dem spanischen Mutterkonzern entsandte Manager Marcelino Fernandez Verdes ist neuer Chef des größten deutschen Baukonzerns. Der Aufsichtsrat habe Verdes am Dienstag einstimmig zum neuen Vorstandschef gewählt, teilte Hochtief mit.

Neuer Aufsichtsratschef wird demnach Thomas Eichelmann, der die Nachfolge von Manfred Wennemer antritt. Der 47-jährige gehört dem Aufsichtsrat seit Mai 2011 an und war früher unter anderem als Finanzvorstand der Deutschen Börse tätig. Verdes und der Vorstand sollen nun die Strategie für den Konzern „weiterentwickeln“, teilte Hochtief mit. Eine Zerschlagung oder Filettierung sei kein Element dieser Strategie. Einzelheiten der Strategie wurden jedoch nicht genannt. Die neue Strategie werde innerhalb der nächsten „drei bis vier“ Monate vorgelegt, hieß es lediglich.

Hochtief solle ein börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Essen bleiben. „Meine Priorität ist es, die Profitabilität zu erhöhen und das nachhaltige Wachstum von Hochtief fortzusetzen“, betonte Verdes nach seiner Wahl.

Auch der Chef der Gewerkschaft IG Bau, Klaus Wiesehügel, der Mitglied des Hochtief-Aufsichtsrats ist, betonte, eine Zerschlagung des Konzerns, zu dem auch die australische Tochter Leighton gehöre, sei „weder geplant noch tatsächlich möglich“. Verdes habe den Aufsichtsräten versichert, er stehe „für eine Zerschlagung nicht zur Verfügung“. Der Gewerkschaftsboss verteilt Vorschusslorbeeren: „Es ist ein Mann, der die Bausprache spricht. Deutsch muss er wahrscheinlich noch ein bisschen üben, aber was vom Bauen versteht er wirklich“, sagte Wiesenhügel.

Vor der Sitzung hatten Arbeitnehmervertreter im Hochtief-Aufsichtsrat vom spanischen Großaktionär ACS Klarheit über dessen Pläne mit dem Essener Baukonzern gefordert. Die Vertreter der Gewerkschaft IG Bau setzten darauf, dass die Interessen der Arbeitnehmer gewahrt würden, sagte ein IG-Bau-Sprecher am Dienstag.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

In der Belegschaft waren immer wieder Befürchtungen laut geworden, der unter Milliarden-Schulden leidende ACS-Konzern könnte Hochtief zerschlagen. Der erst seit Mai 2011 als Vorstandschef amtierende Stieler habe sich mit Wennemer auf ein „einvernehmliches Ausscheiden“ verständigt, hatte Hochtief bereits in der Nacht zum Samstag mitgeteilt.

Nach einem Studium des Bauingenieurwesens in Barcelona hatte Verdes eine steile Karriere bei ACS gemacht und war 25 Jahre lang für das spanische Unternehmen tätig. Verdes war zunächst Mitglied im Hochtief-Aufsichtsrat, ACS hatte ihn dann im April 2012 in den Vorstand abgestellt. Dort kümmerte er sich vor allem um das Amerika-Geschäft. Verdes gilt als enger Vertrauter von ACS-Chef Florentino Perez. ACS kontrolliert 54,28 Prozent der Hochtief-Aktien, Stieler und Wennemer waren im Zuge der Hochtief-Übernahme auf ihre Posten gerückt.

Kommentare (8)

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Eurotiker

20.11.2012, 17:42 Uhr

ACS ist so gut wie Pleite und jetzt kommt ein Herr Verdes um HochTief profitabeler zu machen!? Ob das wohl gut geht?
Wir sind alle auf einem guten Weg. Na dann, gute Nacht.

wolfi

20.11.2012, 17:52 Uhr

Kommt um Hochtief profitabler zu machen?
ACS ist hoch verschuldet. Womit bezahlen die das?
Wenn Hochtief richtig bewertet wird kann das gar nicht gehen.

Account gelöscht!

20.11.2012, 18:04 Uhr

Ich gehe davon aus, daß ACS die Firma Hochtief nur übernehmen konnte, weil der Zinssatz der Kredite für spanische Unternehmendurch die Manipulation der Eurokraken in Brüssel/EZB auf ein so niedriges Niveau runtergeschraubt wurde, die mit der Wirtschaftslage und Mentalität der Gesellschaft in Spanien überhaupt nichts zu tun hatte/hat.
Jetzt kommt die Firma ACS, die zur Zeit der Übernahme bereits marode/effktiv pleite war, und plündert Hochtief aus. Gute Nacht, für die Arbeiter bei Hochtief!
Die EU ist mehrheitlich ein Sauhaufen und Merkel&Steinbrück &Co - von anderen gar nicht erst zu reden - willige Handlanger und Vollstrecker der Niedergangs der Wirtschaft in Deutschland, der in langen Jahren erreichten Arbeits- und Lebensbedingungen der Deutschen sowie der Kultur in Deutschland insgesamt.

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