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08.10.2013

12:45 Uhr

Verdi-Studie

„Ausbeutung“ in der Orangensaft-Branche

Eine Studie der Gewerkschaft Verdi prangert die Orangensaft-Herstellung an: Von der Plantage bis in den Einzelhandel sei eine „zunehmende Ausbeutung auf der Beschäftigtenseite“ festzustellen.

Studie über Orangensaft-Produktion: „Prekäre, nicht auskömmliche Beschäftigung, hohe Fluktuation, Ablehnung oder Erschwerung der betrieblichen Mitbestimmung und sehr hoher Arbeitsdruck sind mittlerweile häufig im Lebensmittel-Einzelhandel an der Tagesordnung.“ obs

Studie über Orangensaft-Produktion: „Prekäre, nicht auskömmliche Beschäftigung, hohe Fluktuation, Ablehnung oder Erschwerung der betrieblichen Mitbestimmung und sehr hoher Arbeitsdruck sind mittlerweile häufig im Lebensmittel-Einzelhandel an der Tagesordnung.“

BerlinOrangensaft aus dem Supermarkt wird einer Studie zufolge häufig unter schlechten Arbeitsbedingungen produziert und für Endverbraucher weiterverarbeitet. In der gesamten Produktions- und Lieferkette von der Plantage bis in den Einzelhandel sei eine „zunehmende Ausbeutung auf der Beschäftigtenseite“ festzustellen, heißt es in einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Untersuchung der Gewerkschaft Verdi und der Christlichen Initiative Romero (CIR) zu den Bedingungen in der Branche am Beispiel des Hauptexportlandes Brasilien.

Bereits zu Beginn der Produktionskette in dem südamerikanischen Schwellenland herrschten auf den Plantagen „üble Arbeitsbedingungen“, hieß es in der Studie. In der Region São Paulo etwa sei nur rund ein Fünftel der Arbeitskräfte festangestellt. Der Großteil arbeite mit Saisonverträgen.

Viele Pflücker verunglückten schwer, da unzureichende Leitern aufgestellt würden, hieß es in der Untersuchung. Außerdem führten die auf den Plantagen "allgegenwärtigen Pestizide" zu schleichend verlaufenden Erkrankungen. Um den staatlichen Mindestlohn zu erhalten, müssten die Pflücker hart arbeiten und 60 Kisten Orangen pro Tag ernten.

Studie der Christlichen Initiative Romero und Verdi prangert die Missachtung von Arbeitsrechten entlang der gesamten Orangensaft-Lieferkette an. Quelle: obs/Christliche Initiative Romero obs

Studie der Christlichen Initiative Romero und Verdi prangert die Missachtung von Arbeitsrechten entlang der gesamten Orangensaft-Lieferkette an. Quelle: obs/Christliche Initiative Romero

Auch in den Fabriken, die Saftkonzentrat produzieren, arbeiteten die Beschäftigten unter „extremen Bedingungen“, hieß es in der Studie. Es sei sehr laut und heiß. Zugleich werde aber nur selten Schutzkleidung gestellt. Frauen würden meist nicht fest angestellt oder entlassen, wenn sie schwanger seien.

In den Importländern wie etwa Deutschland setzten sich in der Produktions- und Lieferkette die schlechten Bedingungen für Arbeitnehmer fort, hieß es in der Untersuchung. Durch den „Preisdruck“ großer Supermarkt-Ketten herrschten bei vielen Abfüllunternehmen nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) unsichere Arbeitsbedingungen. „Es gibt kaum noch Festanstellungen, der Arbeitsdruck ist enorm“, hieß es in der Studie. Arbeitgeber stellten die Tarifbindung zunehmend in Frage.

Auch bei den Supermarktketten, die am Ende der Lieferkette für Orangensaft stehen, würden die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte immer schlechter, hieß es in der Studie. „Prekäre, nicht auskömmliche Beschäftigung, hohe Fluktuation, Ablehnung oder Erschwerung der betrieblichen Mitbestimmung und sehr hoher Arbeitsdruck sind mittlerweile häufig im Lebensmittel-Einzelhandel an der Tagesordnung.“

Europa und Deutschland importierten konsumierten weltweit mit am meisten Orangensaft aus Brasilien, hieß es in der Studie. Auf die EU entfielen etwa zwei Drittel der Exporte aus dem Anbauland. Davon gingen 17 Prozent nach Deutschland. Deutschland sei damit größter Abnehmer brasilianischen Saftkonzentrats.

Von

afp

Kommentare (1)

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Alex

08.10.2013, 17:39 Uhr

Bin erst vor kurzem auf ein Video zum Thema Kaffee gestossen - hier geht es auch um den viel zu hohen Einsatz von Pestiziden, in JEDEM Stadium des Anbaus. Da Kaffeebohnen heute kaum mehr in Jutesaecken sondern in Containern transportiert werden sprueht man sogar die Container vor dem Transport mit Chemie aus!

Das Hauptproblem scheint zu sein dass die Pestizide viel hoeher dosiert werden als von den Herstellern empfohlen und die Arbeiter die mit dieser Giftbruehe staendig in Kontakt kommen sind die Leidtragenden...


Siehe http://www.youtube.com/watch?v=aMn4hgeC2xk
Bittere Ernte - Der hohe Preis des billigen Kaffees

"In den Giftdepots der Farmer finden sich Unmengen an verschiedenen Pflanzenschutzmitteln, auch hochtoxische Chemikalien, die in Europa längst verboten sind, wie das Pestizid Endosulfan. Dieses Nervengift steht im Verdacht, starke Fehlbildungen bei Babys im Mutterleib hervorzurufen, aber auch Krankheiten wie Krebs und Parkinson."

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