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26.11.2015

15:46 Uhr

Verdi verlangt neues Angebot

Lufthansa vor harten Verhandlungen mit Bodenmitarbeitern

Einen Streik der Flugbegleiter konnte die Lufthansa gerade noch abwenden. Nun stehen die Tarifgespräche mit dem Bodenpersonal an. Vor den Verhandlungen fordert Verdi ein besseres Angebot – und „gemeinsame Lösungen“.

Einen Zinsertrag oberhalb von 6 Prozent hatte die Lufthansa den Angestellten für ihre Rentenzahlungen versprochen – angesichts der aktuellen Zinslage zeigt sich Verdi auch mit einer garantierten Verzinsung von 3,5 Prozent zufrieden. dpa

Streitpunkt Betriebsrenten

Einen Zinsertrag oberhalb von 6 Prozent hatte die Lufthansa den Angestellten für ihre Rentenzahlungen versprochen – angesichts der aktuellen Zinslage zeigt sich Verdi auch mit einer garantierten Verzinsung von 3,5 Prozent zufrieden.

Berlin/FrankfurtGerade ist ein erneuter Streik der Flugbegleiter abgewendet, da stehen bei der Lufthansa bereits die nächsten Tarifgespräche an. Für rund 33.000 Beschäftigte vor allem der Bodendienste verlangte Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle vom Konzern ein „verhandlungsfähiges Angebot“ für die am Freitag und Samstag in Seeheim bei Frankfurt angesetzte Runde.

Lufthansa habe mit Einmalzahlungen und prozentualen Steigerungen erst ab Januar 2016 bislang „viel zu wenig“ angeboten, erklärte Behle am Donnerstag. Angesichts der guten Ergebnisse erwarte man angemessene Erhöhungen: „Wir haben lange genug verhandelt, die Positionen sind ausgetauscht, jetzt muss es endlich zu einem Ergebnis kommen.“

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Der Streik ist vorerst vom Tisch: Die Streithähne bei Lufthansa müssen die nun vereinbarten neuen Gespräche nutzen. Denn es ist die letzte Chance, die Airline fit für die harte Zukunft zu machen. Ein Kommentar.

In der auch mit den anderen Berufsgruppen strittigen Frage der Betriebsrenten-Reform hat Verdi einen eigenen Vorschlag gemacht. Eine Verlagerung des Zinsrisikos auf die Beschäftigten lehne man nach wie vor ab. Lufthansa solle einen Zinsertrag von 3,5 Prozent garantieren und mit 6,2 Prozent vom Bruttogehalt höhere Arbeitgeberbeiträge zahlen. Bislang hat Lufthansa ihren Mitarbeitern Renten garantiert, für die eine Verzinsung oberhalb von 6 Prozent zugrunde gelegt war.

Verdi sei weiterhin bereit, an dem für den 2. Dezember geplanten „Jobgipfel“ des Unternehmens mit den beiden anderen Gewerkschaften Ufo und Cockpit teilzunehmen, erklärte eine Sprecherin. Behle hatte in diesem Zusammenhang „einsame Unternehmensentscheidungen“ beklagt, bei denen die Beschäftigten nicht mitgenommen worden seien. Über die Probleme der Lufthansa und ihre Auswirkungen auf die Beschäftigten müsse gesprochen werden, um gemeinsame Lösungen zu finden.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

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Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Von

dpa

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