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15.04.2016

15:50 Uhr

Vereinigung Cockpit

Lufthansa und Piloten finden nicht zueinander

VonJens Koenen

Die seit Monaten laufenden Tarifgespräche zwischen Lufthansa und den Piloten befinden sich in einer schwierigen Phase. Vor allem die Bedeutung des Konzerntarifvertrags ist umstritten. Streiks sind wieder im Gespräch.

In dem Tarifstreit hat die Vereinigung Cockpit bislang dreizehn Mal ihre Arbeit niedergelegt. dpa

Lufthansa-Piloten

In dem Tarifstreit hat die Vereinigung Cockpit bislang dreizehn Mal ihre Arbeit niedergelegt.

FrankfurtLange war es ruhig an der Tariffront von Lufthansa. Jenseits der Öffentlichkeit versuchten Management, die Gewerkschaft des Kabinenpersonals UFO und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit endlich eine Lösung in dem seit vier Jahren dauernden Streit um die Altersversorgung zu finden. Doch während die Verhandlungen mit der UFO unter dem Schlichter, dem früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, nach Informationen von Insidern vorankommen, sind die Gespräche mit der Pilotengewerkschaft ins Stocken geraten.

Ein Knackpunkt sind die reinen Finanzen. Zwar haben sich beide Seiten in den letzten Monaten deutlich aufeinander zu bewegt, ist zu hören. Dennoch gibt es noch Diskrepanzen bei den Themen Gehalt und Frührenten für die rund 5000 Piloten. Ein Sprecher der VC bestätigte einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über den Streit über die jüngste Offerte des Unternehmens, die die VC ablehnt..

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Schwerer wiegt allerdings ein anderer Streit, heißt es in Verhandlungskreisen. So ist die künftige Bedeutung des so genannten Konzerntarifvertrages (KTV) heftig umstritten. Er regelt die bislang recht komfortable Entlohnung sowie die Altersversorgung der Piloten. Die Lufthansa-Spitze will den KTV reformieren und seine Gültigkeit abschwächen. Die VC dagegen pocht auf einer uneingeschränkten Gültigkeit des KTV.

Im Zentrum dieses Streits steht die Billigplattform Eurowings, die Lufthansa unbedingt aus dem KTV heraushalten will und bislang auch herausgehalten hat. So fliegen auf der Langstrecke von Eurowings etwa Piloten von Sunexpress, einem Joint-Venture von Lufthansa und Turkish Airlines.

Die Positionen auf beiden Seiten seien komplett verhärtet, berichten Insider. Beide, sowohl das Management als auch die VC fürchteten bei dem Thema einen Gesichtsverlust. Jetzt soll in einem Gespräch am 22. April eine Annäherung versucht werden. Grundsätzlich waren für die Tarifverhandlungen Termine bis in den Mai angesetzt. In dem Tarifstreit haben die Piloten bislang dreizehn Mal ihre Arbeit niedergelegt.

Auch jetzt sind Streiks wieder im Gespräch, so ist zu hören. Doch das Thema ist für die VC heikel. Denn ein Gericht hatte zuletzt einen Ausstand verboten, weil das Thema Eurowings nicht Teil des zu verhandelnden Tarifvertrags ist.

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