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23.01.2012

15:56 Uhr

Verfahren eingeleitet

Vorläufiger Insolvenzverwalter für Schlecker bestellt

Der Drogerieriese Schlecker hat offiziell Insolvenz beantragt - nun steht auch der vorläufige Insolvenzverwalter fest. Der Neu-Ulmer Diplom-Kaufmann Arndt Geiwitz muss nun die Vermögensverhältnisse des Konzerns klären.

Schlecker hat am Montag Insolvenz beim Amtsgericht Ulm beantragt. dpa

Schlecker hat am Montag Insolvenz beim Amtsgericht Ulm beantragt.

UlmDie Drogeriemarktkette Schlecker hat offiziell Insolvenz beantragt. Der Antrag sei am Montag beim Amtsgericht Ulm eingegangen, ein vorläufiges Insolvenzverfahren sei eröffnet, sagte ein Gerichtssprecher der Nachrichtenagentur AFP. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Neu-Ulmer Diplom-Kaufmann Arndt Geiwitz bestellt.

Wann das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet werde, sei noch unklar, sagte der Gerichtssprecher. Der vorläufige Insolvenzverwalter müsse zunächst die Vermögensverhältnisse von Schlecker klären. Die Anlagen zum Insolvenzantrag, die Auskunft über das Vermögen geben sollen, seien bei Gericht eingetroffen. Geiwitz sei ein renommierter Fachmann im Insolvenzrecht, der bereits „viele große Fälle“ betreut habe, erklärte der Ulmer Insolvenzrichter Benjamin Webel.

Nach Angaben von Schlecker bezieht sich der Insolvenzantrag auf die Anton Schlecker e.K., die Schlecker XL GmbH und die Schlecker Home Shopping GmbH. Die IhrPlatz-Filialen sowie die Auslandsgesellschaften seien nicht betroffen, teilte das Unternehmen aus dem schwäbischen Ehingen mit.

Schlecker strebt ein Insolvenzplanverfahren an. Ziel sei der Erhalt des Unternehmens, eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze. Bei einer Planinsolvenz können Gesellschafter und Management weiter über das Unternehmen bestimmen. Die Gläubiger müssten freiwillig auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Einer der wichtigsten Gläubiger, der Einkaufsverbund Markant, meldete laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ jedoch Bedenken gegen die Pläne der Drogeriekette an, sich per Planinsolvenz in Eigenverwaltung zu sanieren. Der Verbund habe dem Ulmer Gericht bereits seine Bedenken signalisiert.

Auch zwei führende deutsche Insolvenzverwalter äußerten sich demnach skeptisch. „Die Gläubiger werden nur zum Verzicht bereit sein, wenn auch die Eignerfamilie einen erheblichen Beitrag leistet“, sagte einer der beiden Juristen, die anonym bleiben wollten, der „FTD“.

Die Gewerkschaft Verdi sprach sich hingegen für eine Planinsolvenz aus. Diese sei „möglicherweise besser, weil sie auf den Fortbestand des Unternehmens ausgerichtet ist“, sagte die Verdi-Handelsexpertin Stefanie Nutzenberger der „Passauer Neuen Presse“ (Montagsausgabe). „Ziel ist auf jeden Fall der Fortbestand des Unternehmens und daran ausgerichtet der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze.“ Der ehrenamtliche Vorsitzende des Verdi-Landesbezirksvorstandes Berlin-Brandenburg, Rolf Wiegand, erklärte hingegen, noch sei „völlig offen, was das Verfahren für die Beschäftigten bedeutet, da weitere Details noch nicht bekannt sind“.

Die Drogeriemarktkette hatte am Freitag angekündigt, Insolvenz zu beantragen, um damit unter Gläubigerschutz den laufenden Unternehmensumbau fortzusetzen. Der Geschäftsbetrieb solle unverändert weiterlaufen, die Zahlung der Gehälter für die Mitarbeiter sei über das Insolvenzausfall-Geld gesichert.

Schlecker macht seit mindestens drei Jahren Verluste. Mitte 2011 verfügte die Kette nach eigenen Angaben noch über rund 7500 Drogeriemärkte in Deutschland. In ganz Europa gab es demnach etwa 11.000 Filialen. Die Zahl der Mitarbeiter gab Schlecker europaweit mit rund 47.000 an, davon laut der Gewerkschaft Verdi mehr als 30.000 in Deutschland.

Von

afp

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