Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.09.2012

13:14 Uhr

Verhandlungen stocken

Flugbegleiter dehnen ihre Streiks aus

Die Flugbegleiter wollen ihre Streiks auf mehrere Flughäfen ausweiten. Wo und wann, wird laut Gewerkschaft Ufo erst sechs Stunden im voraus bekannt gegeben. Nun bietet die Lufthansa Passagieren Gratis-Umbuchungen an.

Die Flugbegleiter wollen ihren Arbeitskampf ausweiten. dapd

Die Flugbegleiter wollen ihren Arbeitskampf ausweiten.

FrankfurtDie Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat Lufthansa-Passagiere am Montag erneut auf eine Geduldsprobe gestellt. Sie kündigte zwar eine Ausweitung ihres Streiks für (den morgigen) Dienstag an, ließ aber offen, wo und wann genau die Flugzeuge am Boden bleiben sollten. Die Lufthansa reagierte auf die Ankündigung lediglich mit der Aussage, sie werde kein neues Angebot vorlegen.

Das Unternehmen hat bisher 3,5 Prozent mehr Lohn bei Ausweitung der Arbeitszeit geboten. Ufo fordert ein Plus von 5 Prozent und den Verzicht auf die Auslagerung der Arbeit in Teilzeitfirmen.

Das Wichtigste zum Lufthansa Streik

Wie erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Ob, und welche Flüge konkret betroffen sind, können Kunden auf der Lufthansa Website prüfen. Das Lufthansa Service Center steht bei Flugunregelmäßigkeiten kostenlos auch telefonisch zur Verfügung:

0800 / 8 50 60 70

Worum geht es eigentlich?

Offiziell streiken die Flugbegleiter lediglich für mehr Geld. Sie verlangen nach drei Jahren Nullrunde ein Einkommensplus von fünf Prozent sowie höhere Gewinnbeteiligungen. Im Hintergrund geht es um die Zukunft des Lufthansa-Konzerns. Das Management will eine Billigeinheit für Direktflüge mit zunächst rund 90 Flugzeugen und 2000 Beschäftigten gründen, für die deutlich niedrigere Tarife gelten sollen. Bei allen übrigen sollen Gehaltsstufen abgeflacht werden, neue Kräfte nicht mehr so schnell aufsteigen können. Weil Ufo dabei nicht mitmachen wollte, hat Lufthansa zudem Leiharbeiter eingesetzt.

Die UFO-Taktik

Die Gewerkschaft UFO will eine Nadelstichtaktik führen. Um der Lufthansa möglichst wenig Zeit zur Vorbereitung zu lassen, veröffentlicht sie die bestreikten Flughäfen erst wenige Stunden vor Beginn der Arbeitsniederlegung. Als nächste Stufe des Arbeitskampfes wird ein flächendeckender Streik vorbereitet, sagt Ufo-Chef Nicoley Baublies. Damit erhofft sich die Gewerkschaft ein Einlenken der Lufthansa auf ihre Forderungen.

Wie reagiert die Lufthansa?

Man habe mehrere Szenarien in der Schublade und werde möglichst viele Flüge stattfinden lassen, sagt Sprecher Thomas Jachnow. Vorrang haben die Interkontinentalverbindungen, während innerdeutsche Flüge am einfachsten auf die Bahn verlagert werden können. Auch Umbuchungen auf andere Airlines sind möglich

Wie hoch ist die Kampfbereitschaft der Stewards und Stewardessen?

Das ist die spannende Frage in diesem Tarifkonflikt. Im Gegensatz zu den weit besser verdienenden Piloten oder den Fluglotsen bei der Deutschen Flugsicherung haben die Flugbegleiter bislang noch nie einen richtigen Arbeitskampf durchstehen müssen. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer hat sich vor wenigen Tagen noch sicher gezeigt, dass es zu großen, flächendeckenden Streiks nicht kommen werde. Sicher ist aber, dass es in der einstmals geschlossenen und stolzen Lufthansa-Belegschaft wegen der umfassenden Sparpläne gärt.

Wie lange hält die Gewerkschaft einen Arbeitskampf durch?

An mangelnden Mitteln aus der Streikkasse werde der Arbeitskampf nicht scheitern, sagt Baublies. Die langsame Eskalation schont zumindest am Anfang auch das Ufo-Vermögen. Eine Strategie könnte es sein, nur wenige Streikende pro Flug zu organisieren, weil die Flieger mit Mindestbesatzungen starten müssen. Vor allem bei den eng besetzten Europaflügen ist eigentlich kein Puffer drin, so dass bereits der Ausfall eines Flugbegleiters den Start verhindern kann. Das sehen gesetzliche Vorschriften vor.

Kann die Lufthansa nicht einfach Ersatzleute anheuern?

Das wird schwierig, wenngleich der zuständige Personalchef Peter Gerber sich das durchaus vorbehalten hat. Doch der Arbeitsmarkt ist nicht gerade üppig besetzt. Die Grundausbildung ist zwar mit zwölf Wochen relativ kurz, aber es kann nicht jeder Flugbegleiter auf jedem Jet eingesetzt werden. Aus Sicherheitsgründen sind die Leute jeweils nur auf bestimmte Flugzeugtypen zugelassen. Zudem sind Leiharbeiter nicht verpflichtet, sich als Streikbrecher zu betätigen.

Wann erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Sechs Stunden vor Beginn der Streikmaßnahmen will die UFO bekannt geben, an welchen Flughäfen sie streikt. Gewerkschaftschef Nicoley Baublies verspricht, bereits am Vorabend zu warnen, wenn ein Streik früh am nächsten Morgen beginnt.

Ufo hatte am Sonntagabend auf ihrer Internetseite mitgeteilt, der Dienstag werde „sicherlich ausgeweitete Streiks in Bezug auf Orte und Zeiten beinhalten“. Ufo-Vorsitzender Nicoley Baublies sprach von „sehr geringen Chancen“ für eine baldige Rückkehr an den Verhandlungstisch. Seit Beginn des Arbeitskampfes in der vergangenen Woche habe sich die Lufthansa nicht gemeldet, sagte er.

Wo die Flugbegleiter am Dienstag streiken wollen, sei noch offen. Der Vorstand der Gewerkschaft habe sich noch nicht auf einen Ort geeinigt. Ufo will sechs Stunden vorher ankündigen, welche Flughäfen bestreikt werden.

Die Lufthansa habe ihre Möglichkeiten über- und die Streikbeteiligung unterschätzt, erklärte Baublies. Da die Luftfahrtgesellschaft nicht in der Lage gewesen sei, am Freitag den Sonderflugplan aufrecht zu erhalten, „bleibt zu vermuten, dass dies am Dienstag auch nicht klappen dürfte“. Am Freitag waren auf Deutschlands größten Airport bei einer achtstündigen Arbeitsniederlegung rund 200 Lufthansa-Flüge ausgefallen. 26.000 Passagiere saßen fest, die Kosten dafür gehen nach Konzernangaben in die Millionen.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Snowball

03.09.2012, 14:28 Uhr

Alle rausschmeissen! Unter neuen Zeitarbeitsverträgen einstellen. Die Crews jung halten. Dafür mehr Service und Arbeitsplätze am Boden schaffen.

Oefterflieger

03.09.2012, 14:49 Uhr

Das ist enorm geschäftsschädigend. Jeder der da mitmacht sollte sich mal klar machen, dass es morgen nicht nur um die geschädigten Passagiere irgendwo in einem tristen Wartesaal geht. Vielmehr verliert jeder Betroffene das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Airline und der deutschen Flughäfen. Es ist dann wie in Frankreich oder Italien oder irgendwo in der dritten Welt: Mal kommt der Flieger, mal eben nicht oder die Bahn streikt oder die Busfahrer. Ein funktionierendes Wirtschaftssystem sieht anders aus. Man stelle sich vor, nächste Woche streiken die Elektrizitätswerke!

Kundin

03.09.2012, 20:18 Uhr

Mühsam ersparter Urlaub!
Durch harte Arbeit für den lang ersparten Urlaub weicht die Vorfreude nun in Angst. Alles bezahlt, alles gebucht - kann ich fliegen? Gewiß ist es für uns das letzte Mal mit Lufthansa. So geht man nicht mit Kunden um!
Ich bin dankbar einen Job (viel schlechter bezahlt aber vergleichbare Bedingungen) zu haben. Es gibt keine Gewerkschaftsmöglichkeit. Unser Kundschaft aber ist unsere Existenz!
Jeder ist ersetzbar! Der Erfolg wird eine Selbstschädigung sein!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×