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14.10.2013

19:26 Uhr

Verkauf von Max Bahr

„Diese Mieten kann kein Mensch bezahlen“

Für den Verkauf der insolventen Baumarktkette Max Bahr sieht es schlecht aus. Die Supermarkt-Kette Globus und die Baumarktkette Hellweg müssen ihre Angebote nachbessern. Es droht die Abwicklung.

Das Schild einer Filiale der Bauhauskette Max Bahr. Der Verkauf des insolventen Konzerns gestaltet sich als schwierig. dpa

Das Schild einer Filiale der Bauhauskette Max Bahr. Der Verkauf des insolventen Konzerns gestaltet sich als schwierig.

DortmundDen beiden verbliebenen Interessenten an der insolventen Baumarktkette Max Bahr läuft laut Verhandlungskreisen die Zeit davon. Die saarländische Supermarkt-Kette Globus und das Konsortium um den ehemaligen Max-Bahr-Chef Dirk Möhrle sowie die Baumarktkette Hellweg haben nur noch bis Donnerstag Zeit, ihre Offerten an die Insolvenzverwalter nachzubessern, sagten drei mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. An diesem Tag berät der Gläubigerausschuss über die Zukunft der rund 120 Max-Bahr-Märkte mit insgesamt 7000 Mitarbeitern. Doch beide Bieter ringen noch um die Konditionen für die Übernahme. Kommen sie nicht zum Zuge, müsste Max Bahr abgewickelt werden.

Während Hellweg und Möhrle laut Finanzkreisen noch mit zwei Banken über die Finanzierung der Offerte verhandeln, haben sich die Fronten zwischen Globus und dem Vermieter der meisten Max-Bahr-Märkte, der britischen Bank Royal Bank of Scotland (RBS), um die künftigen Mieten verhärtet. Sie lägen deutlich über dem Marktdurchschnitt, sagten mehrere Insider. Die Chefetage der RBS in Großbritannien wolle aber keine Zugeständnisse machen und hoffe auf andere Handelsketten als Mieter für ihre 66 Häuser.

Die Insolvenzverwalter Christopher Seagon und Jens-Sören Schröder hatten Globus aufgefordert, ihre Offerte aufzustocken, weil sonst der Ausverkauf und die Schließung der Max-Bahr-Märkte für die Gläubiger lukrativer wäre.

Die größten deutschen Firmenpleiten

Platz 16

Schlott

Druckerei/1480 Beschäftigte

(Quelle: Statista)

Platz 15

Hansa

Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

Platz 14

Mäc Geiz

Discounter/1600 Mitarbeiter

Platz 13

Sellner

Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

Platz 12

Escada

Modekonzern/2200 Mitarbeiter

Platz 11

Q-Cells

Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

Platz 10

Schiesser

Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

Platz 9

Edscha

Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

Platz 8

Wadan-Werften

Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

Platz 7

Honsel

Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

Platz 6

Karmann

Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

Platz 5

Quimonda

Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

Platz 4

Manroland

Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

Platz 3

Woolworth

Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

Platz 2

Schlecker

Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

Platz 1

Arcandor

Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Globus-Geschäftsführer Erich Huwer war im Branchen-Portal „baumarktmanager.de“ bereits damit zitiert worden, dass Globus sich aus dem Bieterprozess zurückgezogen habe. „Diese Mieten kann kein Mensch bezahlen“, erklärte er dort. In Finanzkreisen wurde die Äußerung aber als Verhandlungstaktik verstanden. Eine offizielle Erklärung dazu gebe es nicht. Globus wollte sich am Montag nicht zu dem Bericht äußern.

Hellweg zeigt sich zuversichtlich: „Wir sind weiterhin im Bieterverfahren, und wir gehen davon aus, dass wir eine Lösung finden werden, so dass Max Bahr und die Arbeitsplätze erhalten bleiben können“, sagte eine Sprecherin in Dortmund. Zur Finanzierung wollte sie sich nicht äußern. Insider beurteilen sie als wacklig. Hellweg und Möhrle hatten zunächst deutlich mehr für Max Bahr offeriert als Globus.

Hellweg und Globus sind früheren Informationen zufolge bereit, alle 74 angestammten Max-Bahr-Baumärkte sowie rund 30 der 50 ehemaligen Praktiker-Märkte zu übernehmen, die noch vor der Insolvenz auf die Marke „Max Bahr“ umgestellt worden waren. Dazu kämen jeweils rund 15 Praktiker-Märkte, die sie auf die eigenen Marken umstellen wollten.

Die in St. Wendel ansässige Globus betreibt 79 Baumärkte unter den Markennamen Globus und Hela, Hellweg hat in Deutschland 85 Filialen. Sie hat sich für Max Bahr mit dem Einkaufsbüro deutscher Eisenhändler (EDE) und dem Unternehmer Dirk Möhrle zusammengetan. Ein Sprecher der Insolvenzverwalter wollte sich nicht zu den Informationen äußern.

Von

rtr

Kommentare (4)

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PitBull

15.10.2013, 04:00 Uhr

Tja. Hätte der Steuerzahler die RBS damals nicht gerettet, würde jetzt wahrscheinlich ein Anderes, einsichtigeres Unternehmen mit am Verhandlungstisch sitzen. Aber nein - jetzt machen diese Nieten in Nadelstreifen wieder auf "dicke Hose" und der rettende Steuerzahler hat wieder das nachsehen. Wir hätten die Banken und ihre Fürsprecher damals zum Teufel schicken sollen. Nach ein paar Monaten der Turbulenzen wäre das Thema längst erledigt gewesen. So sitzen wir mit dieser Hydra wieder an einem Tisch.

KONSUMmuell

15.10.2013, 07:06 Uhr

na klar,die RBS hat grungsätzlich zu teuer eingekauft.die hamn sich in den neunzigern ne resterampe auf ateuerzahlerkosten geleistet und in england hungern nicht nur kinder.

ElGato

15.10.2013, 09:02 Uhr

Und Sie glauben wirklich, daß andere Banken da besser wären? Doch nicht im Ernst oder?

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