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13.12.2011

12:05 Uhr

Verkaufs-Prozess

Tuis letzter Versuch mit Hapag-Lloyd

VonEberhard Krummheuer

Heute beginnt das letzte große Poker um Hapag-Lloyd. Der Mutterkonzern Tui will seinen Anteil unbedingt verkaufen - und wartet auf Angebote. Spekulationen gibt es heute reichlich.

TUI wird möglicherweise Anteile an der Containerreederei Hapag-Lloyd abgeben. dapd

TUI wird möglicherweise Anteile an der Containerreederei Hapag-Lloyd abgeben.

DüsseldorfDer Tui-Aufsichtsrat ist heute Vormittag zusammengekommen, um über den Verkauf des verbliebenen Anteils an seiner ehemals hundertprozentigen Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd zu beraten.

Spekulationen in den Medien, das Gremium habe ein Angebot der Stadt Hamburg und des Logistik-Milliardärs Klaus-Michael Kühne zur Übernahme von 20 der bei Tui verbliebenen 38 Prozent von Hapag vorliegen, wies ein Tui-Sprecher heute  zurück. Es gebe derzeit überhaupt kein Angebot aus Hamburg.

Europas größter Reisekonzern hatte sich 2008 entschieden, sich von Hapag-Lloyd zu trennen. Als Käufer wurde das Konsortium Albert Ballin gewonnen, dem neben Hamburg und Kühne mehrere Banken und Versicherungen angehören.

Die Aktionäre von Hapag-Lloyd

Komplizierte Struktur

Andienungsrechte, politische Schwierigkeiten, Geldsorgen, Verkaufsdruck: Die Aktionäre von Hapag-Lloyd haben alle ihre eigenen Probleme, doch unterm Strich ist es eine schwierige Struktur, die den Verkaufsprozess seit Jahren erschwert. Ein schneller Überblick.

Tui

Die Tui AG ist mit 38,4 Prozent an Hapag-Lloyd beteiligt. Seit über einem Jahr sucht der ehemalige Dax-Konzern einen Käufer für die Anteile. Das zyklische Geschäft passe nicht mehr zum Tui-Konzern.

Konsortium „Albert Ballin“

Die übrigen 61,6 Prozent gehören dem Konsortium „Albert Ballin“. Das sind Firmen aus der Region plus die heimische Politik, die verhindern wollten, dass Hapag-Lloyd in „falsche“ Hände gerät. Es folgen die Mitglieder des Konsortiums und ihre Anteile…

Kühne Holding

Der größte Einzelaktionär ist nach der Tui die Kühne Holding. Der Anteil beträgt 24,6 Prozent. Aktuelle Medieberichte besagen, dass Kühne seinen Anteil ausbauen will.

Hansestadt Hamburg

Dasselbe gilt laut „Süddeutscher Zeitung“ auch für die Hansestadt Hamburg. Allerdings ist es für die Kommune aus politischen Gründen problematisch, die Gelder aufzutreiben. Derzeit hält Hamburg 23,6 Prozent der Anteile von Hapag-Lloyd.

Iduna Lebensversicherung

Unter den vier weiteren Mitgliedern des Konsortium „Albert Ballin“ ist auch die Iduna Lebensversicherung. Ihr Anteil an Hapag beträgt 5,5 Prozent. Die Beteiligung ist weniger strategisch motiviert, sondern eher aus „lokalpatriotischen“ Gründen.

HSH Nordbank

Die HSH Nordbank ist mit 3,2 Prozent bei Hapag dabei. Die Landesbank ist ohnehin in der Schiffsfinanzierung sehr umtriebig.

Hanse Merkur

Kleinster Aktionär ist die Hanse Merkur mit 1,5 Prozent. Auch hier spielen Hamburger Verflechtungen eine gewisse Rolle.

Investmentpool

Die übrigen 3,2 Prozent gehören einem Investmentpool. Dieser wird geleitet von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg.

Zu den Bedingungen des in zwei Schritten vollzogenen Verkaufs, nach dem Albert Ballin heute einen Anteil an der sechstgrößten Container-Schiffsreederei der Welt von 61,6 Prozent zeichnet, gehört ein Andienungsrecht der Tui. Der Hannoveraner Konzern kann Albert Ballin im nächsten Jahr seine restliche Beteiligung bis auf einen Anteil von fünf Prozent zum Verkauf andienen.

Der Preis soll von Gutachtern bestimmt werden. Schätzungen rechnen damit, dass Tui möglicherweise knapp eine Milliarde Euro erlösen könnte. Branchenkenner erwarten, dass lediglich die Stadt Hamburg und Kühne diese Mittel aufbringen könnten. Kühne ist im Konsortium Anteilseigner mit seinem Privatvermögen; der hinter ihm stehende Logistikkonzern Kühne & Nagel ist nicht involviert.

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