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17.01.2012

12:19 Uhr

Verkaufsverhandlungen

Metro bläst den Kaufhof-Verkauf ab

Der Handelskonzern Metro hat völlig überraschend die Gespräche zum Verkauf der Tochter Kaufhof „bis auf Weiteres“ eingestellt. Der mögliche Käufer René Benko gibt die Hoffnung auf eine Übernahme aber nicht auf.

Der neue Vorstandsvorsitzende von Metro, Olaf Koch, hat keinen leichten Einstand. dpa

Der neue Vorstandsvorsitzende von Metro, Olaf Koch, hat keinen leichten Einstand.

DüsseldorfDer neue Metro-Chef Olaf Koch legt den Verkauf der Warenhauskette Kaufhof bis auf weiteres zu den Akten: „Die aktuelle Lage am Kapitalmarkt bietet keine geeigneten Rahmenbedingungen für eine so wichtige Transaktion“, erklärte Koch am Dienstag in Düsseldorf. „Aus heutiger Sicht können wir das Ertragspotenzial besser selbst heben als durch einen Verkauf“, betonte Koch. Metro hatte zuletzt mit dem österreichischen Immobilien-Investor René Benko und dem Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen über einen Verkauf der Warenhauskette mit ihren über 18.000 Mitarbeitern und 140 Filialen verhandelt. Damit bleibt die Konkurrenzsituation durch zwei Warenhausketten in Deutschland erhalten. Im wichtigen Weihnachtsgeschäft musste Kaufhof ebenso Federn lassen wie der gesamte Metro-Konzern.

René Benko gibt die Hoffnung auf eine Übernahme der Warenhauskette Kaufhof nicht auf. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, kommentierte Benko die Entscheidung des Kaufhof-Eigentümers Metro, die Verkaufsgespräche auf Eis zu legen. Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX hatte das österreichische Immobilienunternehmen Signa, dessen Chef Benko ist, 2,1 Milliarden Euro für die Warenhauskette geboten. Signa war von einem baldigen Abschluss des Deals ausgegangen.

Analysten und Investoren nahmen Kochs Entscheidung positiv auf. Metro könne offensichtlich warten, bis sich das Umfeld für einen Verkauf des Kaufhofs wieder verbessert habe und setze nicht auf einen kurzfristigen Verkaufserlös, sondern auf ein „gutes Ergebnis“, erklärten die Analysten der Landesbank LBBW. Die Marktteilnehmer interpretierten den Schritt so, dass Metro keine „Dumping-Preise“ für den Kaufhof akzeptieren wolle, sagte ein Händler. Metro-Aktien legten deutlich zu und notierten mit einem Plus von zwischenzeitlich über fünf Prozent.

In der Branche wurde der Unternehmenswert von Kaufhof 2011 auf zwei bis drei Milliarden Euro taxiert. Besonders werthaltig sind dabei die Immobilien in den deutschen Innenstädten. Kaufhof erzielte 2011 einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro nach 3,6 Milliarden Euro im Vorjahr.

Kaufhof – ein Warenhaus mit Tradition

Kaufhofs Geschichte

Die Galeria Kaufhof GmbH ist neben Karstadt das älteste und traditionsreichste Warenhaus in Deutschland. 1996 fusionierte das Unternehmen mit dem Handelsriesen Metro.

Ursprung

Den Grundstein des Unternehmens legte der Textilhändler Leonhard Tietz, der 1879 ein Geschäft in Stralsund für Knöpfe, Garne, Stoffe und Wollwaren gegründet hatte.

Aktiengesellschaft

Rund ein Vierteljahrhundert später war er der erste Warenhausbetreiber, der sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandelte.

Zukäufe

Der letzte große Zukauf datiert aus dem Jahr 1994, als Kaufhof den Konkurrenten Horten schluckte. Im Frühjahr 2008 setzte der damalige Vorstandschef Eckhard Cordes die Tochterfirma auf die Verkaufsliste.

Verkaufsgespräche waren eingestellt

Im Januar 2012 stoppte die Metro-Gruppe die Verkaufsgespräche für die Warenhauskette Kaufhof. Die Gespräche mit Interessenten für die Übernahme würden bis auf Weiteres eingestellt. Als Grund gab das Unternehmen die „nicht optimale Situation an den Finanzmärkten“ an. Trotzdem wollte Metro den Konzern gerne loswerden – und sah jetzt dazu die Chance.

Aktuelle Zahlen

Mit gut 3,1 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14 ist Galeria Kaufhof die kleinste von vier Metro-Vertriebslinien. Vor Steuern und Zinsen machte Kaufhof im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres ein Plus von 115 Millionen Euro. Vertreten ist das Warenhaus an 119 Standorten in Deutschland und 16 in Belgien.

Die Metro veröffentlicht nicht, was ihre Töchter unter dem Strich verdienen. Neben mehr als 100 Warenhäusern und 16 Sporthäusern in Deutschland betreibt Kaufhof 15 Filialen in Belgien unter der Marke „Inno“.

Die Aussetzung der Kaufhof-Verkaufsgespräche hat unter Metro-Anlegern am Dienstag nur kurzzeitig für Verstimmung gesorgt. Nach anfänglichen Verlusten drehten die Aktien des Handelsriesen ins Plus und notierten in der Spitze rund sechs Prozent höher bei 28,89 Euro. Sie waren damit größter Dax -Gewinner. Händlern zufolge werteten es die Investoren positiv, dass Metro mit dem Verkauf keine Not habe und somit nicht bereit sei, Dumping-Preise zu akzeptieren. Auch LBBW-Analystin Barbara Ambrus schrieb in einem Kommentar: „Im aktuellen Umfeld konnte offensichtlich kein guter Preis erzielt werden. (...) Wir sehen es aber positiv, dass Metro hier auf ein besseres Umfeld warten kann und nicht auf einen kurzfristigen Verkaufserlös, sondern auf ein gutes Ergebnis setzt.“

Handelsexperte: „Die Warenhäuser haben nicht das geringste Potenzial“

Handelsexperte

exklusiv„Die Warenhäuser haben nicht das geringste Potenzial“

Nach dem Stopp des Kaufhof-Verkaufs durch Metro beurteilt ein Handelsexperte die Zukunft der Warenhauskette skeptisch. Dem Ex-Chef des Mutterkonzerns Metro, Eckhard Cordes, stellt er ein vernichtendes Zeugnis aus.

Der Handelsexperte Thomas Roeb ist vom Stopp des Kaufhof-Verkaufs durch Metro alles andere als überrascht. „Das ist kein Wunder: Kaufhof hat keine Wachstumsaussichten und ist nicht sonderlich profitabel“, sagte der Professor der der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg im Interview mit Handelsblatt Online. Nun stelle sich die Frage, ob Kaufhof und Karstadt auf Dauer allein überlebensfähig seien. „Ihre grundlegenden Probleme werden sich aber auch durch ein Zusammengehen nicht lösen lassen. Sie sind mit ihrem Geschäftsmodell nicht in der Lage, gegen ihre wahren Gegner wie etwa H&M zu bestehen.“

Kommentare (4)

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Hans

17.01.2012, 09:22 Uhr

Was zunächst wie eine Kapitulation vor den Finanzmärkten klingt, ist eine richtige Entscheidung. Generationen angestellter Manager, denen jeder Bezug zum Handel und zum Warenhaus fehlt, haben den Kaufhof in den letzten Jahr(zehnten) herunter gewirtschaftet. Dazu die allseits akzeptierte Entschuldigung: das Warenhauskonzept passt halt nicht mehr in unsere Zeit. Komisch, denn in so ziemlich jedem anderen Land außerhalb Deutschlands hat sich das Warenhaus den verändereten Kundenbedürfnissen angepasst, ist dem Trend gefolgt und hat sogar neue Akzente im Service gesetzt. So adaptierte sich das Warenhaus zur "Marken-Mall" oder zum "Discount Store", je nach Umfeld und Struktur der Nachfrage. Nur eben nicht bei uns, da viel zu viele phantasielose und allein kurzfristig getriebene Manager a la Cordes und Middelhoff den Wünschen ihrer Kunden nichts entegegn zu setzen wußten. Bleibt zu hoffen, dass es besser wird beim Kaufhof.

Account gelöscht!

17.01.2012, 11:56 Uhr

Die von Ihnen genannten
Personen würde ich nicht
als Manager bezeichnen.

Account gelöscht!

17.01.2012, 15:42 Uhr

Das sind keine Manager, sondern Manageristen: http://managerismus.de

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