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27.08.2014

08:05 Uhr

Verkehrsproteste

Verzwickte Lage im Lokführerstreit

Bei der Bahn brodelt es: Im Tarifstreit der Lokführer sind die Fronten verhärtet. Die Lage ist verzwickt. Dennoch hoffen die Verantwortlichen das eine Lösung am Verhandlungstisch erzielt werden kann.

Ein ICE der Deutschen Bahn am Bahnhof Altona in Hamburg: Der Tarifstreit gewinnt an Härte. dpa

Ein ICE der Deutschen Bahn am Bahnhof Altona in Hamburg: Der Tarifstreit gewinnt an Härte.

Frankfurt/FuldaIm Bahn-Tarifkonflikt hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ihre Mitglieder für Mittwoch (11.00 Uhr) zu einer Protestversammlung in Fulda aufgerufen. Die Tarifrunde ist kompliziert: Es geht einerseits um Einkommenserhöhungen für Bahn-Beschäftigte, andererseits auch um die künftige Form der Zusammenarbeit von GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Personalvorstand Ulrich Weber rief die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. „Ich setze darauf, dass alle Seiten kühlen Kopf bewahren“, sagte Weber der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). Die Lage sei verzwickt, aber eine Einigung am Verhandlungstisch definitiv möglich.

Spartengewerkschaften

Spartengewerkschaften – die mit der großen Macht

Klein, aber schlagkräftig: Im Luftverkehr, aber auch bei der Bahn und bei Medizinern gibt es einflussreiche Spartengewerkschaften, deren Arbeitskämpfe häufig weitreichende Folgen für die Bürger haben. Einige Beispiele.

Vereinigung Cockpit

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 9300 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.

Gewerkschaft der Flugsicherung

Zu den etwa 3900 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige deutsche Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die Ufo hat gut 10.000 Mitglieder.

Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr

Die erst Ende 2012 gegründete Gruppierung gilt als neuer Machtfaktor im Lufthansa-Konzern. Nach eigenen Angaben vertritt sie alle Beschäftigten von Fluggesellschaften, Airportbetreibergesellschaften und Dienstleistungsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrtbranche.

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund

Die nach eigenen Angaben einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen ihrer rund 115.000 Mitglieder in Kliniken.

Derweil gibt es im Tarifkonflikt mit den Lufthansa-Piloten eine Wende: Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die Fluggesellschaft wollen wieder miteinander verhandeln. Ganz vom Tisch ist ein Streik aber noch nicht.

„Die VC erwartet für die am kommenden Donnerstag anberaumten Verhandlungen, dass das Lufthansa-Management seine Forderungen korrigiert und endlich auf einen ernsthaften und ehrlichen Lösungskurs einschwenkt“, erklärte die VC. Bis zu einer Einigung halte die VC die Planungen für Arbeitskampfmaßnahmen aufrecht.

Eine Lufthansa-Sprecherin bestätigte den Termin. „Am Donnerstag werden Gespräche aufgenommen, um über den weiteren Prozess zum Verhandlungsverlauf zu sprechen“, sagte sie. Die Lufthansa freue sich über die positive Reaktion von Cockpit und darüber, dass die akute Streikgefahr nicht mehr bestehe. Dieser Interpretation widersprach Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg indes. „Wir wollen eine Einigung“, sagte Handwerg der dpa. Allerdings seien Streiks am Donnerstag nicht ausgeschlossen, wenn sie rechtzeitig vorher angekündigt würden.

Bei der Bahn war Ende Juni ein Grundlagentarifvertrag ausgelaufen, nach dem die GDL für die rund 20 000 Lokführer bei der Bahn zuständig war und die EVG für die anderen Berufsgruppen des Konzerns mit seinen insgesamt rund 300 000 Beschäftigten. Die GDL will künftig auch für andere Bahn-Beschäftigte verhandeln und damit in Konkurrenz zur mitgliederstärkeren EVG treten. Die EVG ihrerseits will, dass die etwa 5000 bei ihr organisierten Lokführer wieder unter die Tarifregelungen der EVG fallen.

Die Bahn hatte den Vorschlag gemacht, dass sich GDL und EVG jeweils abstimmen, jedoch eine der beiden Gewerkschaften federführend mit der Bahn verhandelt. Man wolle keine konkurrierenden Tarifverhandlungen, hieß es. Eine konkrete Streikandrohung gibt es nicht. Die GDL schließt Streiks nicht aus. Auch die EVG hatte erklärt, notfalls streiken zu wollen.

Von

dpa

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