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04.07.2014

16:51 Uhr

Verluste in Millionenhöhe

Deutsche Bahn stellt Autozüge ein

Die Autozüge der Deutschen Bahn rollen aus: Das Unternehmen hat beschlossen, das defizitäre „Nischengeschäft“ schrittweise einzustellen. Außerdem stehen mehrere Nachtzüge auf dem Prüfstand.

Die Autozüge der Deutschen Bahn werden schrittweise – gemäß der Nachfrage – bis 2017 eingestellt. dpa

Die Autozüge der Deutschen Bahn werden schrittweise – gemäß der Nachfrage – bis 2017 eingestellt.

Berlin Die Deutsche Bahn (DB) stellt ihre Autozüge und mehrere Nachtzugverbindungen ein. Das „Nischengeschäft“ sei seit Jahren defizitär, den Betriebskosten stünden geringe Einnahmen und jährliche Verluste in zweistelliger Millionenhöhe gegenüber, teilte die Bahn am Freitag mit und bestätigte damit einen Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ (Samstagsausgabe). Die Autozüge werden demnach schrittweise – gemäß der Nachfrage – bis 2017 eingestellt.

Die Nachtzüge will die Bahn grundsätzlich langfristig erhalten. „Hier stellen wir uns ab 2016 neu auf“, sagte ein Unternehmenssprecher AFP. Ein Konzept wird nach Unternehmensangaben derzeit erarbeitet.

„Das klassische Autozug-Geschäft lässt sich nicht mehr refinanzieren“, sagte der Sprecher. Die Bahn sei europaweit einer der letzten Anbieter. Im vergangenen Jahr hätten nur 200.000 Bahnkunden den Autozug genutzt - von 131 Millionen Fernverkehrskunden insgesamt. Die Bahn prüft derzeit auf den Strecken Berlin-München und Düsseldorf-München ein Modell, bei dem der Kunde mit dem Zug fährt und das Auto per Lkw transportiert wird.

Das sind die größten Bahn-Konkurrenten im Nahverkehr

Platz 9 – HZL und SWEG

Die Hohenzollerische Landesbahn (HZL) und die Südwestdeutsche Eisenbahngesellschaft (SWEG) haben identische Geschäftsführungen und werden daher gemeinsam betrachtet. Sie betreiben viele Verbindungen in Baden-Württemberg. Zusammen werden für die beiden Bahnen 7,3 Millionen Zugkilometer für 2014 prognostiziert.

Quelle für die Prognose: Mofair, Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (PDF)

Platz 8 – EB

Die Erfurter Bahn (EB) ist über die Stadt hinaus in Thüringen aktiv. Ende 2013 gab sie aber Strecken an die Bahn ab. 2014 soll sie auf 7,9 Millionen Zugkilometer kommen.

Platz 7 – Keolis

Keolis ist die internationale Tochter des französischen Bahnunternehmens SNCF. In Deutschland fährt sie unter dem Namen Eurobahn und bedient dabei Strecken ab dem westfälischen Hamm. 2014 werden für Keolis 12 Millionen Zugkilometer in Deutschland prognostiziert.

Platz 5 – AVG

Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) ist das städtische Verkehrsunternehmen von Karlsruhe. Das Unternehmen betreibt aber auch Verbindungen über die Stadt hinaus. 2014 kommt die AVG laut Prognose auf 14,2 Millionen Zugkilometer.

Platz 5 – HLB

Mit 14,2 Millionen prognostizierten Zugkilometern 2014 ist die Hessische Landesbahn (HLB) gleichauf mit der AVG. Damit könnte die HLB ihre gefahrenen Kilometer steigern.

Platz 4 – Benex

Die Benex (Akronym für „better nexus“ - zu deutsch „bessere Verbindung“) ist ein Sonderfall auf dem deutschen Nahverkehrsmarkt. 51 Prozent des Unternehmens gehören der Hamburger Hochbahn, 49 Prozent einem englischen Infrastrukturfonds. Inklusive Beteiligungen soll die Verkehrsleistung 2014 bei 22,3 Millionen Zugkilometern liegen.

Platz 3 – Netinera

Netinera ist eine Tochter der italienischen Staatsbahn. Sie hat zuletzt unter anderem die Waldbahn in Ostbayern übernommen. Prognose für 2014: 24,6 Millionen Zugkilometer.

Platz 2 – Veolia

Das Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern ist der größte Konkurrent der Bahn im Nahverkehr. Veolia ist eine Tochter der französischen Transdev, dem nach eigenen Angaben größten privaten Eisenbahnbetreiber der Welt. Mit 34,5 Millionen Zugkilometern 2014 ist Veolia aber weit von der Deutschen Bahn entfernt.

Platz 1 – Deutsche Bahn

473 Millionen Zugkilometer werden für die Bahn in 2014 prognostiziert – an das Staatsunternehmen kommt kein privater Konkurrent ran.

Beim Nachtzug streicht die Bahn ab dem Fahrplanwechsel im Dezember die Verbindungen von Amsterdam, Basel und Prag nach Kopenhagen sowie von Hamburg, Berlin und München nach Paris. Gekürzt wird die Linie von Warschau und Prag nach Amsterdam – sie endet nun schon in Köln. Die frei werdenden Wagen erhöhten die Verfügbarkeit auf den übrigen Verbindungen, erklärte das Unternehmen. Den Nachtzug nutzten demnach im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Kunden. Verbindungen gibt es etwa von München nach Mailand, Rom oder Venedig, oder von Hamburg und Amsterdam nach Zürich.

Von

afp

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