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03.09.2012

14:47 Uhr

Vermittlungsquote gering

Mehrheit der Schlecker-Frauen weiter ohne Job

Nur fast jede vierte Schlecker-Verkäuferin hat mittlerweile wieder einen Job gefunden. Die Bundesagentur für Arbeit wird deshalb wohl auf ihrer Millionenforderung an die Insolvenzverwaltung sitzen bleiben.

Die ehemaligen Schlecker-Frauen finden kaum neue Jobs. dpa

Die ehemaligen Schlecker-Frauen finden kaum neue Jobs.

Nürnberg/DüsseldorfWeniger als ein Viertel der ehemaligen Verkäuferinnen bei Schlecker haben bislang einen neuen Job gefunden. Von den 22.700 bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) als arbeitslos gemeldeten ehemaligen Schlecker-Beschäftigten seien bis Mitte August 5170 entweder in ein neues Arbeitsverhältnis vermittelt worden oder hätten selbst etwas gefunden, sagte eine Sprecherin der BA auf Anfrage am Montag in Nürnberg.

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kritisierte, die von Politikern und verschiedenen Experten prognostizierte „schnelle und erfolgreiche Vermittlung der Mehrheit der Schleckerfrauen“ zeichne sich bis heute nicht ab. Die geringe Vermittlungsquote sei der Hauptgrund, warum er nun beim Gericht eine sogenannte drohende Masseunzulänglichkeit habe anzeigen müssen: Er fürchtet, dass so hohe Kosten entstehen, dass sie aus der Insolvenzmasse nicht zu bezahlen sind.

Die BA zahlt Schlecker-Beschäftigten rückwirkend bis zu drei Monate lang das Insolvenzgeld - 60 oder 67 Prozent des Nettogehalts. Die Ausgaben dafür belaufen sich laut Sprecherin bislang auf rund 130 Millionen Euro. Dazu kommt nach Angaben der BA-Sprecherin aber noch eine Art „Ersatz-Arbeitslosengeld“: Das bekommen Beschäftigte, die in einer insolventen Firma auf dem Papier noch beschäftigt, aber noch nicht offiziell arbeitslos gemeldet sind. Diese Lohnersatzleistung strecke die BA vor, weil der Betrieb insolvent sei. Und dieses Geld könne die BA vom Insolvenzverwalter zurückfordern.

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Geiwitz erklärte, es handle sich um eine Summe in „dreistelliger Millionenhöhe“. Sollte die BA sie zurückfordern, rechnet der Insolvenzverwalter damit, den Betrag nicht zahlen zu können, und meldete daher vorsorglich die „drohende Masseunzulänglichkeit“ an.

Schlecker hatte im Januar Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen schon über Jahre Verluste angehäuft hatte. Anfang Juni stimmten die Gläubiger für eine Zerschlagung der Drogeriekette. Etwa 25.000 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Nicht alle meldeten sich jedoch arbeitslos - zum Beispiel Beschäftigte, die weniger als ein Jahr bei Schlecker waren und daher gar keinen Anspruch auf das Arbeitslosengeld haben.

Was seit der Insolvenz bei Schlecker passiert ist

20. Januar 2012

Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.

23. Januar 2012

Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.

26. Januar 2012

Die Unternehmenstochter Ihr Platz stellt Insolvenzantrag.

29. Februar 2012

Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.

5. März 2012

Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.

11. März 2012

Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.

29. März 2012

Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.

2. Mai 2012

Die Aufteilung von Schlecker beginnt: Das tschechische Handelsunternehmen PKS kauft die dortige Schlecker-Tochter. Auch für andere Auslandsableger und für Ihr Platz soll es Investoren geben.

23. Mai 2012

Die Interessenten für das Gesamtunternehmen werden weniger: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.

24. Mai 2012

Es wird bekannt, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich angeblich für Schlecker interessiert.

1. Juni 2012

Die Gläubigerversammlung ist zusammentreten - und hat beschlossen, dass Schlecker abgewickelt werden soll.

8. Juni 2012

Bei Schlecker beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Monatsende die Kündigung erhalten.

27. Juni 2012

Der Ausverkauf endet: Bis auf die XL- und die Ihr Platz-Märkte schließen sämtliche Schlecker-Filialen. Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.

8. Juli 2012

Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.

18. Juli 2012

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

Von

afp

Kommentare (4)

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sega2911

03.09.2012, 15:55 Uhr

Wäre ich eine "Schlecker-Frau" bekäme mich so schnell auch keiner an die Arbeit. So lange wie möglich zum Arbeitsamt. So einen Job bekomme ich später jeden Tag. (Frag nach bei Aldi und andere)

bjarki

03.09.2012, 16:22 Uhr

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Stinksauer

03.09.2012, 18:45 Uhr

Wie kann das sein? Jetzt noch ein bisschen arbeitslos und dann in den Ruhestand, oder was? In unserer Stadt gibt es in den Schaufenstern reichlich Stellenangebote für Verkäuferinnen.

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