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08.05.2013

12:43 Uhr

Verquickung mit Bayern München

Adidas-Chef Hainer hält zu Hoeneß

VonMartin Dowideit

Heute treffen sich die Adidas-Aktionäre zur Hauptversammlung. Für Gesprächsstoff sorgt die Beteiligung am FC Bayern. Adidas-Chef Hainer verteidigt das Votum zu Gunsten von Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im April 2011 mit Adidas-Chef Herbert Hainer. Reuters

Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im April 2011 mit Adidas-Chef Herbert Hainer.

DüsseldorfAdidas ist verwöhnt. Im Bieterkampf um einen prestigeträchtigen Ausrüstungsvertrag für das Traditionsteam Arsenal London stieg der Sportartikelhersteller noch nicht einmal voll ein – obwohl er zunächst als Favorit gehandelt wurde. Für angeblich 170 Millionen Pfund in den kommenden fünf Jahren erhält der Erzrivale Puma den Zuschlag. Adidas sah Medienberichten zufolge keinen Anlass, dem etwas entgegenzusetzen. Denn die eigenen drei Streifen prangen bereits auf den Trikots von europäischen Erfolgsclubs wie Chelsea, Real Madrid, AC Mailand – und dem Champions-League-Finalisten Bayern München.

Vor allem die Verquickung mit dem deutschen Rekordmeister sorgt derzeit für Schlagzeilen. Auf der heutigen Hauptversammlung in Fürth sieht sich der Konzern mit Fragen rund um den 9,1-prozentigen Anteil an der FC Bayern München AG konfrontiert. Denn Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe Selbstanzeige erstattet. Den Bayern-Aufsichtsrat, in dem Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer Mitglied ist, hatte dies jedoch nicht zu einer Absetzung Hoeneß‘ bewogen. Obwohl der Fußballmanager seinen Rücktritt sogar selbst angeboten hatte, stimmte der gesamte Aufsichtsrat dagegen.

Die Steuer-Affäre um Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus habe ihn mit Millionen unterstützt. „Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes“, sagte Hoeneß im Mai 2013 der „Zeit“. Nach anfänglichen Gewinnen habe er aber hohe Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren.

Oktober 2010

Deutschland und die Schweiz unterzeichnen ein neues Doppelbesteuerungsabkommen und vereinbaren Verhandlungen zur Legalisierung von nicht versteuerten deutschen Geldern auf Schweizer Bankkonten.

April 2012

Beide Länder unterzeichnen ein Zusatzprotokoll. Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren sollen danach von 2013 an pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden - nicht wie zunächst vereinbart mit 19 bis 34 Prozent. Das Schweizer Parlament billigt das Abkommen im Mai, der Bundestag stimmt im Oktober zu.

November 2012

Die von SPD und Grünen regierten Bundesländer lassen das Abkommen im Bundesrat scheitern.

Dezember 2012

Auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat kommt keine Einigung zustande.

12. Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an, die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein. Er hatte vergeblich auf das kurz zuvor gescheiterte Steuerabkommen gesetzt.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von der Staatsanwaltschaft. Gegen Hoeneß lag sogar ein Haftbefehl vor, der aber außer Vollzug gesetzt wird. Die Rede ist von einer Kaution in Millionenhöhe.

20. April 2013

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagt in München, er sei „seit geraumer Zeit“ über das Verfahren gegen Hoeneß informiert. Später präzisiert die Landesregierung: Das Finanzministerium wusste seit 17. Januar von der Selbstanzeige, Seehofer wurde am 25. Januar vom Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft informiert.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Präsident des FC Bayern München aus. In der Folge häuft sich die Kritik, vor allem die Politik erkennt das Potenzial zum Wahlkampfthema. Sogar Kanzlerin Angela Merkel rückt von Hoeneß ab. Geschlossen bleiben hingegen die Reihen beim FC Bayern.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Millionen-Kaution. Hoeneß besucht trotzdem das Halbfinal-Hinspiel seines FC Bayern in der Champions League gegen den FC Barcelona und freut sich im Stadion über ein 4:0.

1. Mai 2013

Hoeneß gibt via „Zeit“ voller Reue Einblick in sein Seelenleben. Seinen FC Bayern, dessen Spiel er am Abend in Barcelona bejubelt, nimmt er gegen jeden Verdacht in Schutz. Der Vereinspräsident schließt Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister aus. Frühzeitig verlässt er das nächtliche Bankett.

4. Mai 2013

Hoeneß verzichtet auf einen Besuch des brisanten Bundesliga-Auswärtsspiels bei Borussia Dortmund. Stattdessen schaut er sich das Playoff-Match seiner Basketballer gegen Alba Berlin an.

6. Mai 2013

In München ist eine Aufsichtsratssitzung des FC Bayern angesetzt. Dort geht es auch um die Zukunft des allmächtigen Vereinspatrons gehen. Der Aufsichtsrat stellt sich hinter Hoeneß und lässt ihn im Amt – bis möglicherweise neue Erkenntnisse vorliegen.

11. Mai 2013

Die Anwälte von Uli Hoeneß erstellen Anzeige gegen Unbekannt wegen Verletzung des Steuergeheimnisses. Die Schuldigen, die Informationen über die Steuerhinterziehung haben durchsickern lassen, werden auch in der Münchner Staatsanwaltschaft gesucht.

1. Juni 2013

Mit dem Sieg im DFB-Pokal holt sich der FC Bayern endlich das ersehnte Triple. Hoeneß ist auf der Tribüne mit dabei und wirkt angespannt. Die Fans feiern ihn mit Sprechchören.

13. Juli 2013

Der SPIEGEL meldet, dass Uli Hoeneß mit einer Bewährungsstrafe rechnen kann. Die meisten der Straftaten seien nämlich mittlerweile verjährt.

Die Causa Bayern hatte laut einem Spiegel-Bericht aber auch im Adidas-Aufsichtsrat für Aufregung gesorgt. Das Bayern-Votum über Hoeneß hat unter anderem Manuel René Theisen, Wirtschaftsprofessor und Experte für Regeln der guten Unternehmensführung, im Interview mit Handelsblatt Online scharf kritisiert.

Ein Aktionärsvertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sorgte sich ebenfalls um den Vorgang. Im eigenen Verhaltenskodex verlange Adidas das Einhalten von Gesetzen und Regeln durch seine Mitarbeiter. „Sollten die Regeln nicht auch für andere Firmen wie den FC Bayern München gelten?", so SdK-Vertreter Gerhard Jäger. „Adidas müsste daran gelegen sein, dass sich Herr Hoeneß von seinen Ämtern zurückzieht.“ Der Reputationsschaden für Adidas könne bedenklich werden.

„Ich glaube, wir würden alle gut daran tun, Uli Hoeneß nicht vorzuverurteilen“, antwortete Hainer. Die nächsten Wochen seien für den FC Bayern München äußerst wichtig mit Champions-League- und Pokalfinale. Der Aufsichtsrat werde sich dann wieder mit der Frage befassen, wenn neue Fakten vorlägen.

Kommentare (12)

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Vicario

08.05.2013, 12:48 Uhr

Zitat : Obwohl der Fußballmanager seinen Rücktritt sogar selbst angeboten hatte, stimmte der gesamte Aufsichtsrat dagegen. In seiner Rede in Fürth ging Hainer nicht auf den Vorgang ein

- er weiß auch, warum er auf den Vorgang nicht einging ! Hoeness hat seinen Rücktritt nicht selbst angeboten, das war EINE INSZENIERUNG der PRESSE !

Zitat aus der "Welt" :

Er soll vielmehr gesagt haben: Wenn der Aufsichtsrat es wolle, werde er sein Amt ruhen lassen, bis die Behörden entschieden haben.

http://www.welt.de/sport/article115983377/Die-Wahrheit-ueber-Hoeness-Ruecktritts-Angebot.html

Hoeness ist ein verlogener Großkotz, die ganzen AR-Schmarotzer ein unfähiger Abnickhaufen !

Man sollte die Firmen im Aufsichtsrat von Bayern BOYKOTTIEREN !

Alex-DOofBRINDT

08.05.2013, 12:59 Uhr

@Vicario

Wenn Sie Ihre Wortwahl etwas diplomatischer und geschickter äußern würden, könnte man sich Ihrer Meinung direkt anschließen. Vielleicht können Sie sich künftig ein wenig zusammenreißen, wir sind hier nicht auf dem Schlachthof oder beim FC Amigo Bayern. Danke!

stadelhoeness

08.05.2013, 13:09 Uhr

die SEC wird adidas,die aktie ist auch in den USA handelbar, demnächst aufzeigen wie lieb ubd TEUER blinde gefolgschaft mit dem steuerkriminellen uli hoeneß werden kann

das ist doch für die eine steilvorlage.....

hat die würstchenbude und braterei adidas kein risk management

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