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27.09.2012

13:12 Uhr

Versandbranche

Keine Hoffnung für Neckermann-Mitarbeiter

Der letzte Strohhalm des insolventen Versandhändlers Neckermann ist dünn. Die Gewerkschaft glaubt, dass nicht einmal ein Teil der rund 2000 Jobs gerettet werden kann. Die Aussichten für die Angestellten sind gemischt.

Ab der kommenden Woche werden voraussichtlich nur noch knapp 100 Menschen bei Neckermann arbeiten, um das Unternehmen sauber abzuwickeln.

Ab der kommenden Woche werden voraussichtlich nur noch knapp 100 Menschen bei Neckermann arbeiten, um das Unternehmen sauber abzuwickeln.

FrankfurtBeim insolventen Versandhändler Neckermann schwinden die letzten Hoffnungen auf eine Teilrettung. „Ich habe null Hoffnung, das Ding ist gelaufen“, sagte der Frankfurter Verdi-Sekretär Wolfgang Thurner der Nachrichtenagentur dpa. Zu den Gesprächen mit einem letzten, erst kurzfristig eingestiegenen Interessenten machte die Insolvenzverwaltung am Donnerstag zunächst keine Angaben. Falls nicht noch ein Wunder geschieht, verlieren zum 1. Oktober rund 2000 Beschäftigte des Traditionsunternehmens in Frankfurt und Sachsen-Anhalt ihre Jobs.

Thurner sieht das Engagement des möglichen Investors skeptisch, weil durch den späten Einstieg kurz vor dem Abwicklungstermin zusätzliche Kosten entstehen würden. Diese hätte man vor einigen Wochen noch vermeiden können, sagte der Gewerkschafter. Nach seinen Worten müsste eine Transfergesellschaft für sämtliche Beschäftigte gegründet werden, wofür zudem eine Vorlaufzeit von etwa zwei Wochen notwendig wäre. In dieser Zeit bis zum Einsetzen eines möglichen Transfer-Kurzarbeitergelds müssten die Leute weiter bezahlt werden.

Ratschläge für Kunden von Neckermann

Was wird aus bestellter Ware?

Neckermann gab Mitte Juli bekannt, den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten zu wollen - obwohl der Eigentümer dem Unternehmen weitere Zuschüsse für die Sanierung verweigert. Grundsätzlich gilt deswegen nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS): Wer bestellt hat, muss auch beliefert werden. Bei endgültiger Eröffnung einer Insolvenz sollten aber Ansprüche aus Anzahlungen oder etwa Gutscheinen beim Insolvenzverwalter angemeldet werden.

Was passiert mit Vorauszahlungen und bei vereinbarten Ratenzahlungen?

Laut VZS gehen An- und Vorauszahlungen bei einer Insolvenz im schlimmsten Fall in die Konkursmasse über. Der Insolvenzverwalter kann aber entscheiden, ob solche teilweise erfüllten Geschäfte noch abgewickelt werden. Lehnt der Insolvenzverwalter dies jedoch ab, besteht für Verbraucher nur die Hoffnung, aus der Konkursmasse befriedigt zu werden. Verbraucher sind jedoch nachrangige Gläubiger. Die Chancen sind deswegen allgemein schlecht. Verbraucher, die Waren auf Raten gekauft haben, müssen weiter zahlen. Auch auf Rechnung erworbene Ware muss bei Erhalt gezahlt werden.

Welche Gewährleistung gilt für bestellte Produkte?

Grundsätzlich sind Verbraucher beim Kauf eines Produkts für zwei Jahre durch die gesetzliche Gewährleistung gegen Sachmängel geschützt. Dieser Anspruch gilt gegenüber dem Händler - also Neckermann - trotz Insolvenz. Die Pflicht erlischt laut VZS erst, wenn die Firma endgültig ihren Geschäftsbetrieb aufgibt. Gegebenenfalls kann auch während einer Insolvenz damit gerechnet werden, dass Fehler an Produkten behoben werden. Allerdings ist die Lage bei Insolvenzen von Firmen häufig unübersichtlich. Auch mit Gewährleistungsansprüchen stehen Kunden bei einer endgültigen Insolvenz ganz am Ende der Schlange der Gläubiger.

Besteht neben der Gewährleistung auch weiter Garantie?

Ja. Denn hier handelt es sich um einen Haftungsanspruch, den der Verbraucher gegenüber dem Hersteller eines Produkts hat - also nicht gegenüber dem Händler Neckermann. Hersteller geben Garantien für ihre Waren teils für viele Jahre über die gesetzliche Gewährleistung hinaus ab. Dadurch wollen sie das Vertrauen der Kunden in ihre Produkte stärken. Dieses Versprechen bleibt von der Insolvenz Neckermanns und seiner ungewissen Zukunft unberührt.

Nach Thurners Einschätzung werden ab der kommenden Woche nur noch knapp über 100 Menschen bei Neckermann arbeiten, um das Unternehmen sauber abzuwickeln. Ein Ausverkauf sei nicht geplant, die restlichen Waren gingen an Großabnehmer. Die Insolvenzverwaltung sieht auch Möglichkeiten zur Verwertung einzelner Anlagen.

Die übrigen Beschäftigten müssen sich neue Arbeit suchen. Die Arbeitsagentur hatte die Daten bereits in der vergangenen Woche aufgenommen. Genaue Zahlen liegen nach Angaben einer Sprecherin der Regionaldirektion Hessen noch nicht vor.

Problematisch ist der Umstand, dass viele Neckermann-Beschäftigte aus dem nahen Frankfurter Umland kommen. Die Agenturen haben zwar rund 2500 sozialversicherungspflichtige Jobs in Logistik- und Verkehrsberufen in ihrer Datei und auch im Handel sind über 3000 Stellen unbesetzt. „Diese Zahlen sind aber hessenweit. Es kommt jetzt auch auf die Flexibilität der Leute an“, sagte die Sprecherin.

Große Logistikzentren mit Personalbedarf lägen beispielsweise in Ost- und Nordhessen. Bereits auf der ersten Jobbörse bei Neckermann hatten Amazon und weitere Logistiker wie die Deutsche Post um Fachkräfte geworben. Chancen könne auch der erhöhte Personalbedarf der Logistiker in der Vorweihnachtszeit eröffnen, sagte die Sprecherin weiter. Die Chancen auf eine Übernahme in einen unbefristeten Job seien immer gegeben.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Gast

27.09.2012, 13:43 Uhr

Die bei der BA gemeldeten offenen Stelle sollte man lieber unerwähnt lassen. Davon existiert mit Sicherheit nur ein Bruchteil. Da tummeln sich nämlich massenhaft Personalvermittler. Und die stellen in die Jobbörse ein, was ihnen gerade so in den Sinn kommt bzw. was aus deren Sicht Sinn macht. Da wird dann das "Angebot" abgerundet damit ein blindes Huhn auch mal ein Korn findet. Die spielen damit Personal-Roulette. Das System kennt man auch bei Immobilien.

Einweckglas

02.10.2012, 18:44 Uhr

Macht doch alles nichts. Unsere europäischen "Partner" hauen uns schon raus! (Sarkasmus aus)

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