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24.09.2012

12:33 Uhr

Versandhändler

Neckermanns Insolvenzverwalter erringt Erfolg

Erster Erfolg in der Neckermann-Krise: Die Tochter Happy Size wird vom Versandhaus Klingel übernommen. Die Mehrheit der Beschäftigten darf aufatmen. Nun hofft der Neckermann-Betriebsrat auf weitere Investoren.

Neckermanns Beschäftigte hoffen, dass es weiter geht. dpa

Neckermanns Beschäftigte hoffen, dass es weiter geht.

FrankfurtIm Überlebenskampf des insolventen Versandhändlers Neckermann ist der Insolvenzverwaltung ein erster Teilerfolg gelungen. Die auf Übergrößen spezialisierte und ebenfalls zahlungsunfähige Tochter Happy Size wird aus dem Gesamtunternehmen herausgelöst und vom Pforzheimer Versandhaus Klingel übernommen. Ein Großteil der rund 80 Beschäftigten werde am Standort Frankfurt übernommen, berichtete die „Pforzheimer Zeitung“ am Montag unter Berufung auf die Klingel-Geschäftsführung.

Bei einer Betriebsversammlung sollten die Happy-Size-Beschäftigten noch am Montag informiert werden. Klingel ist eines der größten Versandhäuser Deutschlands und beschäftigt am Hauptsitz Pforzheim rund 2000 Mitarbeiter.

Ratschläge für Kunden von Neckermann

Was wird aus bestellter Ware?

Neckermann gab Mitte Juli bekannt, den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten zu wollen - obwohl der Eigentümer dem Unternehmen weitere Zuschüsse für die Sanierung verweigert. Grundsätzlich gilt deswegen nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS): Wer bestellt hat, muss auch beliefert werden. Bei endgültiger Eröffnung einer Insolvenz sollten aber Ansprüche aus Anzahlungen oder etwa Gutscheinen beim Insolvenzverwalter angemeldet werden.

Was passiert mit Vorauszahlungen und bei vereinbarten Ratenzahlungen?

Laut VZS gehen An- und Vorauszahlungen bei einer Insolvenz im schlimmsten Fall in die Konkursmasse über. Der Insolvenzverwalter kann aber entscheiden, ob solche teilweise erfüllten Geschäfte noch abgewickelt werden. Lehnt der Insolvenzverwalter dies jedoch ab, besteht für Verbraucher nur die Hoffnung, aus der Konkursmasse befriedigt zu werden. Verbraucher sind jedoch nachrangige Gläubiger. Die Chancen sind deswegen allgemein schlecht. Verbraucher, die Waren auf Raten gekauft haben, müssen weiter zahlen. Auch auf Rechnung erworbene Ware muss bei Erhalt gezahlt werden.

Welche Gewährleistung gilt für bestellte Produkte?

Grundsätzlich sind Verbraucher beim Kauf eines Produkts für zwei Jahre durch die gesetzliche Gewährleistung gegen Sachmängel geschützt. Dieser Anspruch gilt gegenüber dem Händler - also Neckermann - trotz Insolvenz. Die Pflicht erlischt laut VZS erst, wenn die Firma endgültig ihren Geschäftsbetrieb aufgibt. Gegebenenfalls kann auch während einer Insolvenz damit gerechnet werden, dass Fehler an Produkten behoben werden. Allerdings ist die Lage bei Insolvenzen von Firmen häufig unübersichtlich. Auch mit Gewährleistungsansprüchen stehen Kunden bei einer endgültigen Insolvenz ganz am Ende der Schlange der Gläubiger.

Besteht neben der Gewährleistung auch weiter Garantie?

Ja. Denn hier handelt es sich um einen Haftungsanspruch, den der Verbraucher gegenüber dem Hersteller eines Produkts hat - also nicht gegenüber dem Händler Neckermann. Hersteller geben Garantien für ihre Waren teils für viele Jahre über die gesetzliche Gewährleistung hinaus ab. Dadurch wollen sie das Vertrauen der Kunden in ihre Produkte stärken. Dieses Versprechen bleibt von der Insolvenz Neckermanns und seiner ungewissen Zukunft unberührt.

Weiterhin ungewiss ist hingegen die Zukunft der übrigen rund 1900 Beschäftigten am Stammsitz in Frankfurt-Fechenheim. Der Betriebsratsvorsitzende Thomas Schmidt hat die Hoffnungen noch nicht aufgegeben, dass ein Investor in letzter Minute einspringen könnte. Näheres werde möglicherweise auf einer ebenfalls für Montag anberaumten Sitzung des Gläubigerausschusses herauskommen, sagte der Betriebsrat der Nachrichtenagentur dpa.

Bereits seit vergangener Woche werden die Beschäftigten von Beratern der Arbeitsagentur auf die drohende Arbeitslosigkeit vorbereitet. Am 30. September läuft die Zahlung des Insolvenzgeldes an die Beschäftigten aus, so dass bereits am Freitag die Lichter bei Neckermann ausgehen würden, falls sich keine Lösung findet. Die Insolvenzverwaltung hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass ohne Investor die Liquidation sämtlicher Vermögenswerte anstehe.

Von

dpa

Kommentare (1)

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cd43535

02.10.2012, 22:22 Uhr

Ratenzahlungen ? Wenn die Insolvenzverwaltung zu wenig Geld hat wird die nicht weiterarbeiten. Darum überweisen ja viele bei Insolvenzen erst mal nichts mehr.

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