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18.01.2010

13:52 Uhr

Versandhaus

Otto wächst deutlich stärker als die Konkurrenz

VonMark C. Schneider

Otto überzeugt in einem schwierigen Branchenumfeld mit ordentlichen Zahlen: Deutschlands größter Versandhändler setzt sich mit einem deutlichen Umsatzplus vom übrigen Einzelhandel ab. Sorgen macht allerdings aus Auslandsgeschäft.

Nena soll Otto zusätzlich bekannt machen. DAPD

Nena soll Otto zusätzlich bekannt machen.

HAMBURG. Der Chef der Versandsparte von Otto, Keimzelle des Hamburger Familienunternehmens, hat Grund zur Freude: Otto rechnet für das bis Ende Februar laufende Geschäftsjahr prozentual mit einem zweistelligen Umsatzzuwachs auf rund 1,9 Mrd. Euro, teilte Rainer Hillebrand gestern mit.

Treiber ist das Internet: Die Hamburger machen voraussichtlich erstmals mehr als eine Mrd. Euro Umsatz via Web, ein Plus von 30 Prozent. Der Zuwachs beim Ergebnis bleibt dahinter zurück – aber im Krisenjahr 2009 ist ein Plus beim Gewinn schon ein Erfolg.

Im neuen Geschäftsjahr ab März will Hillebrand trotz schwieriger Rahmenbedingungen an „die Umsatzdynamik des Jahres 2009“ anknüpfen, sagt er. Passend dazu präsentierte der Handelsmanager gestern den Coverstar des neuen Katalogs: die Rock-Großmutter Nena.

Eigentlich herrscht also eitel Sonnenschein im Versandreich mit gut 4 100 Mitarbeitern – wäre da nicht der Groll auf die EU-Kommission. Die stellt sich aus Hillebrands Sicht im Fall des insolventen Konkurrenten Quelle quer. Die Hamburger hatten dem Insolvenzverwalter für 65 Mio. Euro das Russland-Geschäft der Arcandor-Tochter, die Namensrechte an Quelle sowie an Handelslabels wie Privileg abgekauft. Zudem darf Otto die Adresskartei des am Boden liegenden Rivalen unter Auflagen für ein Jahr nutzen.

Das geht allerdings erst, wenn die EU-Kommission den Deal absegnet. Doch die Brüsseler Beamten führen wider Ottos Hoffnung ein aufwendiges Hauptverfahren durch. „Wir haben noch vor Weihnachten mit einer Genehmigung gerechnet. Jetzt gehen wir von Februar aus. Dadurch werden massiv Werte beschädigt“, wetterte Hillebrand gestern. Die Quelle-Kunden seien seit Monaten ohne Ansprache, der Internetauftritt quelle.de liege brach, falle in Suchmaschinen immer weiter zurück. „Erhalten wir die Freigabe aus Brüssel, müssen wir mehr investieren als geplant“, sagt Hillebrand. Das sehen Fachleute ebenso. „Je länger ein Markenname nicht genutzt wird, desto schwieriger ist der Neustart“, sagt Hansjürgen Heinick, Branchenkenner des Unternehmens BBE Retail Experts.

Geht der Verkauf von vorne los?

Hillebrands Vorwurf: Die Kommission betrachte einen Markt, „den es gar nicht gibt“. Während sich die Hamburger auch im Wettbewerb mit stationären Händlern und Internetanbietern sehen, will Brüssel laut Hillebrand den Teilmarkt Kataloggeschäft betrachten.

Verspäten sich die von Brüssel angeschriebenen Marktteilnehmer mit ihrer Antwort, dauert alles noch länger. Sollte die EU den Deal gar platzen lassen, „ginge der Verkaufsprozess völlig neu los“, warnt Hillebrand, der dem Insolvenzverwalter erst bei grünem Licht aus Brüssel das Geld überweisen muss. Das Nachsehen hätten die Gläubiger. Eine Mitschuld treffe aber Otto selbst, so Beteiligte: Die Juristen von Otto seien in Brüssel arg forsch aufgetreten. Die EU-Kommission will sich am 2. Februar äußern.

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