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14.07.2015

16:55 Uhr

Verspätungen, Ausfälle, Gepäckverlust

Immer mehr Fluggäste landen bei Schlichtungsstelle

Eigentlich wollten die Fluggesellschaften bei der Schlichtungsstelle nicht lange mitmachen. Das hat sich geändert. Im Streitfall wenden sich die Fluggäste jetzt in Scharen an die Reiseexperten in Berlin.

Anders als kommerzielle Anbieter verlangt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr keine Gebühren oder Honorare. dpa

Kein Honorar

Anders als kommerzielle Anbieter verlangt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr keine Gebühren oder Honorare.

BerlinZur Klärung von Streitfällen bei Flugreisen wenden sich Betroffene immer häufiger an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr. Im ersten Halbjahr 2015 gingen dort 4133 Schlichtungsanträge zu Flugreisen ein, fast dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum, in dem 1401 Beschwerden gezählt wurden.

Der Anstieg sei darauf zurückzuführen, dass immer mehr Fluggesellschaften sich an der Schlichtung beteiligten, sagte der Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP), Heinz Klewe, der Deutschen Presse-Agentur. „Alle deutschen und über 30 internationale Airlines machen bereits mit, auch Ryanair und Easyjet.“

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Die SÖP ist von der Bundesregierung als Schlichtungsstelle für Bahn, Luftverkehr, Fernbus und Schiff anerkannt. Insgesamt beteiligen sich derzeit rund 240 Verkehrsunternehmen an dem Verfahren, das sie selbst finanzieren. In vielen Fällen geht es um eine Entschädigung bei Verspätungen oder Ausfällen von Flügen und Bahnfahrten.

In der ersten Jahreshälfte gab es 1245 Beschwerden über Bahnreisen, das sind 301 oder ein Fünftel weniger als ersten Halbjahr 2014. Für alle Verkehrsmittel waren es 5494 Fälle, ein Plus von 81 Prozent. Klewe rechnet im Gesamtjahr mit rund 13 000 Schlichtungsanträgen nach 8070 im Jahr 2014.

„Die Schlichtung beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit“, erläuterte Klewe. „Das hat sich sehr bewährt. Die Unternehmen arbeiten auf dieser Grundlage viel engagierter mit, als wenn sie zur Schlichtung gezwungen wären.“

Lange Zeit hatten die Fluggesellschaften Vorbehalte gegen eine zentralen Schlichtungsstelle. Das hat sich seit der staatliche Anerkennung der Einrichtung auch für den Flugverkehr Ende 2013 geändert. Im vergangenen Jahr nahmen in 91 Prozent der Fälle Beschwerdeführer und Airlines die Schlichtungsempfehlung an, die damit rechtlich bindend wurde. Bei der Bahn lag die entsprechende Erfolgsquote bei 81 Prozent.

„Alle Beteiligten sparen durch die Schlichtung Geld, Zeit und Ärger“, stellte Klewe fest. Anders als kommerzielle Anbieter ziehe die SÖP weder Bearbeitungsgebühren noch Erfolgshonorare, Gerichtskosten oder Mehrwertsteuer ab.

In einer aktuellen Studie über 14 Schlichtungsstellen in Europa gaben 50 Prozent an, ihr Verfahren bei der SÖP habe weniger als einen Monat gedauert. Bei 35 Prozent der Befragten dauerte es ein bis drei Monate, bei 15 Prozent länger als drei Monate. 86 Prozent der 579 Teilnehmer zeigten sich mit dem SÖP-Verfahren „sehr zufrieden“, 9 Prozent „ziemlich zufrieden“. Die übrigen 5 Prozent waren unzufrieden oder „nicht sicher“. Die komplette Studie der Universität Oxford soll 2016 veröffentlicht werden.

Von

dpa

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