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25.01.2015

13:31 Uhr

Verstöße gegen Daten- und Arbeitsschutz

Primark im Visier der Behörden

Lärm, Chemikaliendünste, Videoüberwachung: Primark soll gegen Arbeits- und Datenschutzgesetze verstoßen haben. Mehrere Behörden ermitteln gegen den Textildiscounter.

Filiale von Primark: Mitarbeiter klagen über Lärm und Chemikalienausdünstungen. dpa

Filiale von Primark: Mitarbeiter klagen über Lärm und Chemikalienausdünstungen.

BerlinWegen mutmaßlicher Verstöße gegen den Daten- und Arbeitsschutz steht die irische Billig-Textilkette Primark im Visier mehrerer deutscher Behörden. In Niedersachsen und Berlin prüften derzeit die Datenschutzbehörden die Videoüberwachung der Mitarbeiter, berichtete die „Welt am Sonntag“. „Primark hat in manchen Bereichen gegen das Datenschutzrecht verstoßen“, erklärte die niedersächsische Datenschutzbehörde demnach.

„Wir erwarten von Primark, dass die Persönlichkeitsrechte der Beschäftigten, aber auch der Kunden geachtet werden und dass sich Primark beim Einsatz von Kameras an die Datenschutzbestimmungen hält“, sagte Stefanie Nutzenberger von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dem Blatt. Dem Bericht zufolge verhandelt der Betriebsrat in Hannover derzeit mit Primark über eine Betriebsvereinbarung zum Einsatz der Videoüberwachung, die für alle Filialen gelten soll.

Warum Primark so erfolgreich ist

Masseneinkauf

Primark kauft seine Kleidungsstücke in sehr hohen Stückzahlen und nur in gängigen Größen ein. Das bringt Mengenrabatte.

Verzicht auf Marge

T-Shirts für 2,50 Euro und die Jeans für 8 Euro: Um die Kunden in den Laden zu locken, setzt Primark auf Kampfpreise. Das Motto: „Look good, pay less“. Konsequent versuchen die Iren, die Konkurrenten von H&M oder Zara zu unterbieten, und dennoch modisch aktuell zu sein. Damit verbindet Primark Eigenschaften der Premiumkonkurrenz mit Discountern wie Kik oder Takko.

Schlanke Organisation

Das Unternehmen versucht, unnötigen Verwaltungsaufwand zu sparen. Es gibt wenige Hierarchiestufen und die Manager organisieren vieles selbst, wofür andere Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Der Chef für Deutschland und Österreich, Wolfgang Krogmann, hat keine Sekretärin. Auf Werbung verzichtet das Unternehmen weitestgehend – abgesehen von Plakatwerbung vor der Neueröffnung von Filialen.

Erfolgreiches Nicht-Marketing

Trotz eines quasi nicht vorhandenen Werbebudgets wird über Primark gesprochen: Vor allem im Internet, in den sozialen Netzwerken und auf Youtube. Durch den hohen Faktor der Mund-zu-Mund-Propaganda verschafft sich Primark Coolness, auch ohne Hochglanzplakate.

Dem Bericht zufolge kontrollierten in fünf Bundesländern jüngst die für Arbeitsschutz zuständigen Aufsichtsbehörden Primark-Filialen, weil Mitarbeiter sich unter anderem über Lärm und Chemikalienausdünstungen aus den Kleidern beschwert hatten. In Hessen habe es in den vergangenen beiden Wochen mehrere Kontrollen gegeben, in Nordrhein-Westfalen lasse das Arbeitsministerium derzeit Textilproben auf möglicherweise gesundheitsschädigende Ausdünstungen untersuchen.

Primark mit Hauptsitz in Dublin bietet Kleidung zu extrem niedrigen Preisen an. Die Kette unterhält Läden in mehreren europäischen Ländern, auch in Deutschland. Im vergangenen Sommer war das Unternehmen wegen des Vorwurfs menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen und Dumping-Löhnen in die Kritik geraten.

Von

afp

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