Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2014

15:14 Uhr

Verstoß gegen Arbeitsschutz

Gelbe Karte für die Paketbranche

„Erschreckend und alarmierend“: Das Land NRW hat gravierende Mängel beim Arbeitsschutz in der Paketbranche aufgedeckt. So werden zum Beispiel keine Pausen eingehalten. Schuld ist das System.

Mitarbeiter der DHL in Berlin: In der Paketbranche hat das Arbeitsministerium in NRW etliche Verstöße gegen den Arbeitsschutz festgestellt. dpa

Mitarbeiter der DHL in Berlin: In der Paketbranche hat das Arbeitsministerium in NRW etliche Verstöße gegen den Arbeitsschutz festgestellt.

DüsseldorfBei unangemeldeten Kontrollen hat der Arbeitsschutz in Nordrhein-Westfalen gravierende Verstöße in der Paketdienstbranche aufgedeckt. Bei 60 Prozent der überprüften Fahrer wurden Verstöße gegen arbeitsschutzrechtliche Bestimmungen vor allem bei Lenk- und Ruhezeiten festgestellt, wie Landesarbeitsminister Guntram Schneider (SPD) am Montag in Düsseldorf mitteilte. Von den kontrollierten Unternehmen hielten sogar rund 85 Prozent die Vorschriften nicht ein.

Schneider nannte die Ergebnisse der Überprüfungen „erschreckend und alarmierend“. Im Paket- und Kurierdienst sei die Zahl der Verstöße gegen den Arbeitsschutz „erheblich höher als allgemein im Gütertransportgewerbe“. Kontrolliert wurden demnach 22 Paketverteilzentren und insgesamt 415 Fahrer. Dabei stellten die Prüfer unter anderem fest, dass bei 35 Prozent der Unternehmen von Fahrern überhaupt keine Aufzeichnungen über die Lenk-, Ruhe- und Arbeitszeiten geführt wurden.

Wo Pakete am Wunschtermin kommen

Deutsche Post DHL

Die Deutsche Post will künftig allen Paketempfängern den Lieferzeitpunkt auf vier Stunden genau mitteilen. Kunden erhalten am Vortag der Zustellung eine E-Mail, in der das Zeitfenster genannt wird. Dafür gibt der Absender des Pakets, zum Beispiel ein Onlineshop die E-Mail-Adresse des Empfängers an DHL weiter. Über das Portal Paket.de können Empfänger auch Wunschtag und Wunschort für die Lieferung festlegen, müssen sich hierfür allerdings registrieren. DHL bietet Versendern außerdem kostenpflichtig an, Pakete per Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit zu liefern. Bei den Selbstbedienungs-Packstationen des Konzerns können Kunden rund um die Uhr ihre Lieferungen abholen.

GLS

Der Paketlieferant kann den Zustellzeitpunkt für Empfänger zwischen einer und vier Stunden eingrenzen - je nachdem, wie dicht besiedelt das Liefergebiet ist. Meist kann das Unternehmen nach eigenen Angaben den Liefertermin auf zwei Stunden genau vorhersagen. Das Angebot ist für den Versender kostenfrei. Kann ein Paket weder dem Empfänger direkt zugestellt, noch einem Nachbarn übergeben werden, geht es zur Abholung durch den Kunden in einen Paketshop.

DPD

DPD bietet Versendern die kostenpflichtige Möglichkeit, ein Zeitfenster für Paketlieferungen festzulegen. Dieses Zeitfenster beläuft sich nach Angaben des Unternehmens „auf bis zu drei Stunden“, soll aber künftig nur noch 30 Minuten betragen. Empfänger werden am Zustelltag per SMS oder E-Mail über den erwartbaren Zustellzeitpunkt informiert. Alternativ bietet DPD Empfängern an, sich Pakete in einen DPD-Paketshop in der Nähe schicken zu lassen anstatt an die eigene Adresse.

UPS

Der Paketdienst UPS nennt Empfängern bei Standardsendungen kein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung. Die Zustellung erfolgt demnach "üblicherweise zwischen 09.00 und 17.00 Uhr (und manchmal später) an Privathaushalte". Bis zu drei Zustellversuche würden unternommen, Wochenenden und Feiertage sind bei der Zustellung ausgeschlossen. Als Service können Versender die Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit hinzu buchen, wie etwa vor 09.00 Uhr oder vor 10.30 Uhr, ebenso wie teils auch die Samstagszustellung.

Hermes

Der Zustelldienst des Versandhändlers Otto will Empfängern ab kommendem Jahr auf ein bis zwei Stunden genau mitteilen, wann sie beliefert werden. Auch will das Unternehmen künftig verstärkt nach Feierabend liefern, wie Hermes-Chef Hanjo Schneider dem "Handelsblatt" im Februar sagte. Bislang liefert Hermes nach eigenen Angaben von montags bis samstags zwischen acht und 20.00 Uhr. Ein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung ist nach Firmenangaben bislang nicht möglich. Auch Hermes leitet Sendungen auf Wunsch der Empfänger in Paketshops weiter.

Schuld ist offenbar das System: Der NRW-Arbeitsminister verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass in der Paket- und Kurierdienstbranche überwiegend Subunternehmen die Zustellung der Pakete für die großen Dienstleister übernehmen. Die großen Paketdienstleister sollten „mit dafür einstehen, dass die von ihnen beauftragten Subunternehmen Regelungen zu den Lenk- und Ruhezeiten einhalten“, forderte Schneider, der zugleich einen entsprechenden Vorstoß von NRW auf Bundesebene ankündigte. „Es geht darum, dass wir in dieses Subsystem Transparenz hineinbringen“, sagte Schneider im WDR. Nun will er auch auf Bundesebene schärfere Regeln anstoßen, um auch die „großen Paketdienstleister“ in die Verantwortung zu nehmen.

Unterstützung erhielt der Minister von Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) im einwohnerstärksten Bundesland. „Jetzt ist der Mut gefordert, solchen Geschäftsmodellen, die nur durch Umgehung von Schutzbestimmungen funktionieren, durch lückenlose Überprüfungen und schmerzhafte Strafen Einhalt zu gebieten“, erklärte die DGB-Landesvize Sabine Graf.

Von

afp

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Andreas Schindler

28.07.2014, 18:14 Uhr

...ich verstehe diese gekünzelte "Aufregung" nicht. Es ist doch seit Jahren bekannt, daß die Fahrer nach Kilometer und/oder Tour, Anzahl der Packstücke etc. bezahlt werden. Im gewerblichen Güterkraftverkehr ist eine leistungsbezogene Vergütung VERBOTEN!
Oft werden die Fahrer in "Regreß" genommen für nicht oder unzureichend (weil verspätet etc,) zugestellte Pakete. - In welchen anderen Berufszweig gibt es denn sowas? Strafgelder von €400,-- und mehr im Monat sind durchaus üblich.
Lesen Sie mal in den Foren nach, wie oft diese Fahrer auf Rechnung und eben nicht mit der allgemein üblichen Sozialabsicherung arbeiten...da wird in vielen Fallen brutto für netto gearbeitet.
In dem Zusamenhang ist es falsch von "Überlasuntungen" zu sprechen.- Es handelt sich oft um Arbeitssklaven ähnliche Strukturen!
aus dem Grund rasen die Transporter, oft völlig überladen oft 12 Stunden. Mir ist aus Gesprächen bekannt, daß Fahrer bis zu 18 Stunden am Tag arbeiten!

Herr D. Dino54

29.07.2014, 09:48 Uhr

Ja, man darf/muss leider von "Modernen" Arbeitssklaven sprechen, durch die Deregulierung-Orgien u.a. im Arbeitsrecht und Finanzen, dank ROT/GRÜN !!!

Die nachfolgenden Koalitionen sind nicht besser und haben diese Steilvorlagen dankend angenommen, oder weiter negativ entwickelt !

Also, der LOBBY - Lohn - Dumping - Vandalismus wurde in unserem Land und in der EU geboren !

Man nennt es ein modernes Europa und die sich gegen diese kriminellen, perversen Machenschaften zu recht kritisch äußern, sind natürlich Europafeindlich !

Diese widerliche Art von Lobbyismus wird Europa und Demokratien gefährden, durch unverantwortliche, gierige "Volksvertreter" und Lobby-Gruppen !

Schade, und das im 21. Jahrhundert, im Arbeitsleben sind wir bereits fast im 19. Jahrhundert angekommen !


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×