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27.05.2014

09:36 Uhr

Verzögerte Lieferungen, höhere Preise

Amazon erpresst Buchverlage

Amazon steht derzeit in Verhandlungen mit einigen Buchverlagen. Um mehr Geld von ihnen zu bekommen, erpresst der US-Konzern seine Verhandlungspartner offenbar. Der Buchhandel will sich wehren – mit Hilfe des Kartellamts.

Amazon übt offenbar Druck auf Buchverlage aus, um mehr Gewinne einzufahren. dpa

Amazon übt offenbar Druck auf Buchverlage aus, um mehr Gewinne einzufahren.

DüsseldorfDer Onlineversandhändler Amazon setzt Buchverlage massiv unter Druck. Laut eines Berichts der „Frankfurter Rundschau“ (FR) verlängert Amazon gezielt die Lieferfristen für Bücher, obwohl diese eigentlich vorrätig sind. Auch die Preise liegen teilweise höher als üblich. Der US-Versandhändler will die Verlage dadurch offenbar zwingen, seinen Bedingungen bei Verhandlungen zuzustimmen. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels will sich das nicht länger gefallen lassen und prüft eine Kartellbeschwerde, wie eine Sprecherin gegenüber Handelsblatt Online bestätigte.

Grund für die Beschwerde ist, dass Amazon mit einem solchen Verhalten seine Marktmacht ausnutzen würde. Die Situation werde für die Verlage immer heftiger, so die Sprecherin des Börsenvereins gegenüber Handelsblatt Online. Doch das sei nur ein Anlass. Derzeit werde eine „Konglomerat“, also eine Mischung aus mehreren Gründen, von den Anwälten untersucht. Amazon wollte sich gegenüber Handelsblatt Online nicht zu den Vorwürfen äußern.

Geschäftsfelder von Amazon

Online-Handel

Mit Büchern fing alles an, doch mittlerweile hat Amazon eine breit gefächerte Produktpalette. Der US-Konzern verkauft inzwischen auch CDs, DVDs, Kleidung und Elektronik. Auch mit der Lieferung von Lebensmitteln experimentiert das Unternehmen.

Eigene Hardware

Ob Kindle oder Kindle Fire: Amazon bietet eigene E-Reader und Tablet-Computer an. Die Hardware ist in der Regel sehr günstig – Geld will das Unternehmen mit dem Vertrieb digitaler Medien wie E-Books verdienen.

Verkaufsplattform

Nicht alles, was bei Amazon angeboten wird, stammt aus den Lagerhäusern des Konzerns. Er stellt seine Verkaufsplattform Marketplace auch Privatleuten und anderen Händlern zur Verfügung – natürlich gegen Kommission.

IT-Dienste

Der weltgrößte Online-Einzelhändler ist auch ein führender Anbieter von IT-Diensten. Bei den „Amazon Web Services“ geht es um das sogenannte Could Computing: Unternehmen, Behörden oder Software-Entwickler können Rechenleistung, Speicherkapazitäten und damit verbundene Dienstleistungen mieten. Der Vorteil: Man spart an der eigenen Computertechnik und kann auch flexibel auf Nachfrage-Schübe reagieren.

Die „FR“ berichtet, dass Amazon seine Macht sowohl gegenüber der Verlagsgruppe Hachette als auch die schwedische Bonnier-Gruppe, zu der auch Ullstein, Carlsen und Piper gehören, demonstriert. Ullstein-Geschäftsführer Alexander Lorbeer berichtet, dass sich Lieferzeiten für bekannte Titel verzögerten, obwohl der Verlag pünktlich liefere. Das sei kein Zufall: Gegenüber Bonnier bestätigte Amazon, dass der Grund dafür die Verhandlungen mit der Verlagsgruppe seien. Derzeit soll Amazon rund ein Fünftel des Buchmarkts beherrschen, das wäre noch nicht marktbeherrschend. Davon spricht man erst ab einem Drittel.

Anders sieht es auf dem E-Book-Markt aus, auf dem Amazon ebenfalls seine Muskeln spielen lässt. Bisher bekommt der US-Konzern nach Recherchen der „FR“ 30 Prozent des Erlöses. Der Onlinehändler will seinen Anteil aber auf 50 Prozent ausbauen. Die Leidtragenden der Strategie: die Autoren. Für sie würden die neuen Bedingungen 28 Prozent weniger Umsatz bedeuten. Der Börsenverein kritisiert, dass Amazon auf dem E-Book-Markt ohnehin eine „monopolartige Stellung“ einnehme. Genau gegen die will der Verein nun vorgehen – wenn das Kartellrecht es zulässt.

Von

lih

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

27.05.2014, 10:22 Uhr

Wow Handelsblatt, in Zeiten von Internet hat diese "News" ja schon einen Bart.

Ich lese HBO nicht, um Nachrichten von vor ein paar Tagen zu lesen.

Account gelöscht!

27.05.2014, 11:06 Uhr

Was soll diese Intoleranz? Das ist kulturell bedingt. Das muß man daher verstehen - das sind eben amerikanische Geschäftsmethoden.

Auch wer es nicht versteht sollte sich schon mal daran gewöhnen. Diese kulturellen Errungenschaften aus Übersee werden uns gerade unter Beihilfe "unserer" Politmarionetten zwangsweise übergestülpt, mittels so wohl klingender Namen wie "Transatlantisches FREIhandels-Abkommen", das im wesentlichen genau das Gegenteil von dem bedeutet, was suggeriert wird. Es geht weder um Transatlantik (sondern um die Zementierung der US-Weltmacht, siehe auch "Transpazifisches Freihandels-Abkommen") noch um Freiheit, noch um "freien Handel" (sondern u.a. um US-Lizenzerpressung und Versklavung der Länder durch internationale Großkonzerne) noch ist dieses Diktat der Großkonzerne (via ihrer US-Vertreter) ein "Abkommen" in gegenseitigem Interesse oder gar Interesse der Bürger. Warum denn sonst wird es unter Ausschluß der Öffentlichkeit zusammengemauschelt?

"There is not a crime, there is not a dodge, there is not a trick, there is not a swindle, there is not a vice, that does not live by secrecy." Joseph Pulitzer

Account gelöscht!

27.05.2014, 11:10 Uhr

Aaaah ja. Und munter geht das USA-Bashing weiter. Ermüdend.

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