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13.08.2013

20:30 Uhr

Veto des Justizministers

Airline-Fusion in den USA vor dem Scheitern

Die Großfusion steht auf der Kippe: Die Fluggesellschaften American Airlines und US Airways dürfen sich womöglich nicht zusammenschließen. Die US-Behörden fürchten höhere Preise und weniger Flüge – drohen mit einem Veto.

Höhere Ticketpreise, höhere Gebühren? Der US-Justizminister befürchtet, dass ein Zusammenschluss von American Airlines und US Airways negative Folgen für die Verbraucher hätte. ap

Höhere Ticketpreise, höhere Gebühren? Der US-Justizminister befürchtet, dass ein Zusammenschluss von American Airlines und US Airways negative Folgen für die Verbraucher hätte.


WashingtonDer Zusammenschluss von American Airlines und US Airways zur weltgrößten Fluggesellschaft gerät in Gefahr. Das US-Justizministerium und mehrere Bundesstaaten wollen die Fusion mit einer Wettbewerbsklage verhindern. Sie befürchten, dass die Preise steigen und gleichzeitig Flüge insbesondere zu kleineren Zielen im Land gestrichen werden.

„Die Verbraucher müssten den Preis für diesen Zusammenschluss zahlen - in höheren Ticketpreisen, höheren Gebühren und weniger Auswahl“, erklärte Justizminister Eric Holder am Dienstag in Washington. Selbst kleine Preiserhöhungen bei einzelnen Flügen würden sich in der Gesamtheit auf eine Mehrbelastung von mehreren Hundert Millionen Dollar für die Kunden summieren.

Hintergrund der drastischen Worte ist die Bedeutung des Fliegens in den USA. In dem Land mit seinen weiten Strecken ist das Flugzeug so wichtig wie in Deutschland die Bahn. So ziemlich jede mittelgroße Stadt besitzt ihren eigenen Verkehrsflughafen. Im vergangenen Jahr hätten Reisende in den USA rund 70 Milliarden Dollar (53 Milliarden Euro) fürs Fliegen ausgegeben, rechnete das Justizministerium vor.

Die Wettbewerbshüter sorgen sich vor allem darum, dass die Preise auf den mehr als 1000 Strecken steigen, auf denen American und US Airways momentan als direkte Konkurrenten auftreten. Auf dem Großteil der inländischen Routen gebe es schon heute kaum mehr Auswahl, monierte das Ministerium.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Beobachter hatten damit gerechnet, dass das Justizministerium Druck auf beide Gesellschaften ausüben würde, damit diese künftig als dominanter Anbieter einige Lande- und Startzeiten - die sogenannten Slots - auf dem Reagan-Flughafen außerhalb von Washington aufgeben würden. Stattdessen steht nun die gesamte Fusion auf der Kippe.
Reaktion der Börse gab Wettbewerbshütern recht

Die Reaktion der Börse gab den Wettbewerbshütern in ihrer Einschätzung Recht: Nicht nur die Aktie von US Airways fiel um neun Prozent, sondern auch die Papiere der größten Rivalen Delta und United brachen ein. Die Anleger hätten sich erhofft, dass durch die Fusion die Ticketpreise und damit die Renditen für alle Gesellschaften steigen würden, erläuterte ein Händler.

Kommentare (2)

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RoadRunner

13.08.2013, 19:26 Uhr

ich empfinde das als eine gute Entscheidung. US-Airways und AmAir haetten eine marktbeherrschende Stellung, bei denen der Verbraucher der klarer Verlierer waere.

ursachi

13.08.2013, 20:49 Uhr

Wenn AMR in Konkurs wird, dann haben die Verbraucher mehr zu verlieren und die Wirtschaft selbst. Noch dazu, United koennte davon noch mehr profitieren.

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