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24.01.2014

11:05 Uhr

Victor-Gründer Jackson

Mit dem Privatjet gegen Warren Buffett

VonLukas Bay

ExklusivDas britische Start-up Victor will den Markt für Privatjets aufmischen. Im stagnierenden Europa wächst der Flugzeug-Vermittler rasant – und will nun auch in die Heimat von Marktführer Netjets vorstoßen.

Victor-Gründer Clive Jackson will mit seinem Unternehmen stark expandieren.

Victor-Gründer Clive Jackson will mit seinem Unternehmen stark expandieren.

DüsseldorfClive Jackson ist niemand, dem man übertriebenen Größenwahn attestieren kann. Doch wenn der freundliche Brite von den Wachstumsplänen seines Unternehmen erzählt, fühlt man sich unfreiwillig an die Zeiten der New Economy erinnert. „Wenn wir dieses Jahr nicht um 300 Prozent zulegen, wäre ich enttäuscht“, sagt er. Mit seinem Privatjet-Marktplatz Victor hat Jackson im Jahr 2013 die Buchungen in einem stagnierenden Markt verdreifacht. Mittlerweile hat das Unternehmen 4.570 Kunden. In einem Segment, in dem vor allem die Spitzenverdiener unterwegs sind, ist das eine beachtliche Zahl für ein Start-up.

Um den Marktführer Netjets herauszufordern, setzen die Briten auf die Kraft der Masse. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Jets, sondern vermittelt die Angebote von Betreibern mit wenigen Flugzeugen. Während Netjets in Europa 150 eigene Privatflieger in der Flotte hat, vermittelt Victor 600 Jets von 110 Fluggesellschaften. „Wir konkurrieren um die gleichen Kunden und wir sind eine Alternative zu Netjets“, sagt Jackson. Es ist eine kleine Kampfansage. Immerhin steht hinter Netjets die Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway von Investmentguru Warren Buffett. Um im hart umkämpften Markt zu punkten, setzt Victor nicht auf ein Prepaid-System wie Netjets. Das Unternehmen verlangt noch nicht einmal eine Mitgliedsgebühr.

Bezahlt wird nur, was tatsächlich in Anspruch genommen wird. Auf der Internetseite flyvictor.com können die Nutzer Flugzeuge anmieten, ihr eigenes Flugzeug anbieten oder nach Mitfliegern suchen. Die Fluggesellschaften erstellen ein Angebot, aus denen der Nutzer wählen kann. Alles soll so transparent wie möglich sein: Flugzeugtyp, Fluggesellschaft und Preis kann der Nutzer direkt abfragen. Victor kassiert für die Vermittlung fünf Prozent Gebühren. So will Victor preislich eine Alternative für Passagiere sein, die normalerweise Businessclass fliegen würden.

Auf welchen europäischen Flughäfen die meisten Privatjets abheben

Platz 10

Kiew-Schuljany (Ukraine) - 552 Abflüge

Mit einem Wachstum von 29 Prozent bei Privatfliegern und mehr als 60 Prozent plus bei Charterfliegern im Jahresvergleich im Monat Dezember kann kein Flughafen bei Privatflügen stärker zulegen als der Hauptstadtflughafen der Ukrainer.

(Stand: Dezember 2013, Quelle: WingX Advance)

Platz 9

Wien-Schwechat (Österreich) - 612 Abflüge

4,6 Prozent mehr Privatjet-Starts als im Vorjahr, bei Charterfliegern 2,7 Prozent plus, das reicht für Österreichs Hauptstadt für einen Platz in der europäischen Top-10 der Flughäfen für Privatflieger.

Platz 8

Mailand-Linate (Italien) - 615 Abflüge

Die italienische Modemetropole hat im Jahresvergleich satte 24,6 Prozent mehr Abflüge von Privatjets zu verbuchen. Bei Charterflügen steht unterm Strich ein Minus von 8,7 Prozent.

Platz 7

Nizza (Frankreich) - 636 Abflüge

Die Metropole der Schönen und Reichen an der Cotê d'Azur gehört auch in diesem Jahr zu den beliebtesten Zielen des Jet-Sets im Dezember. Trotzdem sank die Zahl der Privatabflüge um 0,5 Prozent. Charterflüge legten um 6,7 Prozent zu.

Platz 6

Zürich (Schweiz) - 768 Abflüge

In der Schweiz sinkt das Aufkommen der Privatflieger dagegen. Im Jahresvergleich stiegen die privaten Abflugzahlen im Mai um 1,2 Prozent, bei Chartern um 0,6 Prozent.

Platz 5

London-Farnborough (Großbritannien) - 800 Abflüge

Die Privatjets landen wieder häufiger nahe der britischen Hauptstadt. Die Zahl der Abflüge konnte im Mai um 7,6 Prozent zulegen, Charterflüge um 19,2 Prozent.

Platz 4

London-Luton (Großbritannien) - 918 Abflüge

Der Flughafen im Norden von London ist der wichtigste Abflughafen für Privatflieger in England. Im Vergleich zum Vorjahr hoben 0,3 Prozent weniger Privatjets ab. Bei Chartern legten die Flugzahlen dagegen um 13,9 Prozent zu.

Platz 3

Moskau-Wnukowo (Russland) - 1.045 Abflüge

Russlands Neureiche sind international berühmt berüchtigt. Für die Privatflieger gehören sie zu den wichtigsten Kunden, auch wenn die Zahl der Privatabflüge im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent geschrumpft ist. Charter legten leicht um 3,4 Prozent zu.

Platz 2

Genf (Schweiz) - 1.277 Abflüge

Die Steueroase in der Schweiz ist Hauptsitz vieler großer Unternehmen und damit ein interessantes Ziel für gutbetuchte Fluggäste. Die Zahl der Abflüge ging im vergangenen Jahr allerdings um 11,9 Prozent zurück. Charterflieger starteten 8,9 Prozent weniger.

Platz 1

Paris - Le Bourget (Frankreich) - 1.702 Abflüge

Kunst, Mode und savoir vivre - die französische Hauptstadt versprüht viel Charme, und bleibt bei Privatfliegern die beliebteste Destination. Um 6,1 Prozent steige die Zahl der privaten Abflüge im Jahresvergleich. Charterflieger starteten 2,3 Prozent seltener.

Bisher werden Privatjets meist über Broker angemietet. Ein System, das viel zu intransparent sei, meint Jackson. Zum Beispiel würden nur wenige Broker offenlegen, wie viel sie tatsächlich für ein Flugzeug bezahlen und wie viel Gebühren sie aufschlagen. „Wir wollen das iTunes für Privatjets werden“, sagt Jackson.

Nach dem rasanten Wachstum will Jackson nun neue Märkte in Angriff nehmen. „Wir wollen strategisch weiter investieren, um im Markt Fuß zu fassen“, sagt er. In Moskau wurde bereits ein Büro eröffnet. Nun soll eines in München folgen.

Kommentare (1)

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mon_yburns@central.banktunnel.eu

24.01.2014, 13:03 Uhr

Ich persönlich bin ja der Meinung die meisten von den Dingern gehören dem Flying Doctor Service für die Heimreise von "Urlauber"n mit TROPENKOLLER.

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