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16.03.2012

14:30 Uhr

Vielflieger-Prozess

Entwertung von Lufthansa-Meilen war rechtswidrig

Über 800.000 Meilen hatte ein Hamburger Professor gesammelt, als Lufthansa plötzlich sein Guthaben abwertete. Zu unrecht, urteilt nun das Landgericht Köln. Das Urteil hat Folgen für die Airline - und für Vielflieger.

Die Entwertung von Miles & More-Punkten war nicht rechtens. dpa

Die Entwertung von Miles & More-Punkten war nicht rechtens.

KölnVielflieger siegt gegen Lufthansa: Die Fluglinie hätte das angesammelte Meilenkonto eines treuen Kunden nicht entwerten dürfen. Der Hamburger IT-Professor Tobias Eggendorfer, der 887.000 Bonusmeilen angehäuft hatte, sei durch die Änderung des Prämienkatalogs im „Miles & More“-Programm benachteiligt worden, entschied das Kölner Landgericht am Freitag.

Die Lufthansa hatte Anfang 2011 die Prämienbedingungen verändert, so dass er seitdem durchschnittlich 15 bis 20 Prozent mehr Meilen für das Eintauschen in interkontinentale Flüge erforderlich sind. Dies sei hinsichtlich der Meilen, die der Kläger bis Anfang 2011 angesammelt hatte, unwirksam, urteilte das Gericht. (AZ: 32 O 317/11) Der Kläger war der Auffassung, durch die Änderung der Prämientabelle sei sein Meilenkonto auf einen Schlag um 30 bis 40 Prozent herabgestuft worden. Dies sei rechtswidrig und nicht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen vorgesehen.

Die Richter betonten, generell sei die Lufthansa berechtigt, die Teilnahmebedingungen für ihr Bonusprogramm zu ändern, da es sich um eine freiwillige Leistung handele. Allerdings hätte das Unternehmen dies mit einem Vorlauf von vier Monaten ankündigen müssen, um den Kunden eine ausreichende Übergangszeit einzuräumen. Die Lufthansa hatte die Änderungen erst einen Monat vor Inkrafttreten unter anderem in ihrem Newsletter und auf ihrer Website kommuniziert. Das war nach Auffassung des Gerichts zu kurzfristig - zumal „ein gewisser Vertrauensbestand“ dadurch aufgebaut worden sei, dass der Flugprämienkatalog zuvor acht Jahre lang unverändert geblieben war. 

Seit der Änderung ihres Bonusprogramms verlangt die Lufthansa zum Beispiel für einen Hin- und Rückflug in die USA in der Business-Klasse 105.000 statt vorher 90.000 Meilen. Dagegen müssen Kunden für Oneway-Prämienflüge sowie für Flüge, die am selben Tag hin und zurück gehen, jetzt weniger Meilen berappen. Da es sich bei solchen Flügen in der Regel aber nicht um Interkontinental-Flüge handele, ist dies nach Ansicht des Gerichts keine gleichwertige Alternative. Denn für einen Prämienkunden mit einem dicken Meilenkonto lohne es sich umgerechnet viel mehr, seine Bonuspunkte für Fernflüge einzulösen. 

Kommentare (3)

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Mattes51

16.03.2012, 11:48 Uhr

Endlich wehrt sich mal jemand der auch ernst genommen wird.
Normalerweise müssten alle Meilen die bis zu diesem Stichtag gesammelt wurden ebenfalls um 15 bis 20% angehoben werden.

Reisender

16.03.2012, 15:46 Uhr

Lufthansa vergrault ihre Kunden immer mehr, v.a. durch das schlechte Platzangebot (Sitzabstand!) und die wirklich dreiste Behandlung im Rahmen von Miles & More.

Die Idee hinter Star Alliance ist ja wirklich gut, aber wenn dann Flüge mit Singapore Airline oder Thai Airways bei M&M nicht gutgeschrieben werden, weil die Buchungsklasse das angeblich nicht zuliesse (wovon auf der Star Alliance Website kein Wort steht), dann ist das eine Frechheit.

Ich fliege zwar nicht sehr viel, aber pro Jahr doch immerhin 5-6 x in die USA, 2 x nach Asien und ca. 20 Mal innerhalb Europas. Wo möglich, nutze ich jetzt Delta/KLM, da ich mich über Lufthansa nur noch ärgere. Zumal auch deren Platzangebot eine Frechheit ist - mit 1,92m Größe bin ich in deren Sitzen regelrecht eingeklemmt, da meine Knie schon an die Lehne des Vordersitzes gequetscht sind.

Harlemjump

16.03.2012, 18:34 Uhr

Die Lufthansa verprellt immer stärker die treuesten Kunden. Es sind nicht nur die unbequemen neuen Sitze, sondern die Art und Weise, wie Lufthansa zunächst die Kunden mit dem Program Miles&More lockt und dann die treuesten Kunden regelrecht verschaukelt, wenn man die Meilen einlösen möchte.

Beispiel: versuchen Sie einmal ein First oder Business-Class Miles&More Award Ticket auf einem Airbuss A380 zu buchen. Es ist schlicht nicht möglich. Die Plätze werden selbst auf Sicht von 12 Monaten nicht freigegeben.
Man darf dann bei Lufthansa anrufen und auf den Knien um ein Ticket betteln. Dann wird man auf die Warteliste gesetzt und selbst wenn man den Antrag bereits 6 oder 8 Monate vorher gestellt hat, erst ca. 48 oder gar 24 Stunden vor Abflug informiert, ob Sie das Award Ticker erhalten oder nicht. Denn dann werden die nicht verkauften Plätze erst freigegeben.

Diese neue Geschäftspolitik wird mittelfristig die Deutsche Lufthansa viele treue Kunden kosten. Ich bin Star Alliance Gold Memeber von Anbeginn an, also seit gut 22 Jahren und sehe mit Verärgerung die immer stärkeren Einschnitte im Kundenservice.

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