Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.04.2013

13:36 Uhr

Vierte Verhandlungsrunde

Verdi droht Lufthansa mit unbefristetem Streik

Nach zwei Warnstreiks, die Deutschlands größte Fluggesellschaft zu großen Teilen am Boden hielt, droht der Lufthansa weiteres Ungemach. Verdi will 33.000 Beschäftigt unbefristet am Boden halten.

Allein der zweite Warnstreik vom 22. April kostete die Lufthansa 15 Millionen Euro. dpa

Allein der zweite Warnstreik vom 22. April kostete die Lufthansa 15 Millionen Euro.

FrankfurtIm Tarifstreit mit der Lufthansa hat Verdi vor Beginn weiterer Verhandlungen mit einem unbefristeten Streik gedroht. Am 4. Juni treffe sich die Tarifkommission. „Dann könnte die Urabstimmung beschlossen werden und ein unbefristeter Streik folgen,“ sagte Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle der „Frankfurter Rundschau“ (Montag). „Die Streikbereitschaft ist sehr hoch und wir müssen hart bleiben.“ Vertreter der Lufthansa und der Gewerkschaft Verdi treffen sich an diesem Montag in Frankfurt zur inzwischen vierten Verhandlungsrunde. Die Gespräche sind auf zwei Tage angelegt. Verdi zufolge sind weitere Ausstände vermeidbar, wenn die Lufthansa klare Angebote mache. „Lohn spielt eine Rolle, noch wichtiger ist die Beschäftigungssicherung,“ sagte Behle.

Mit einem unbefristeten Ausstand würde sich der Tarifkonflikt für rund 33.000 Beschäftigte des Bodenpersonals deutlich zuspitzen. Mit zwei Warnstreiks hatte Verdi Deutschlands größte Fluggesellschaft bereits größtenteils am Boden gehalten. Allein der zweite Ausstand am 22. April hatte dazu geführt, dass fast die gesamte Lufthansa-Flotte im Hangar blieb. Er kostete die Kranichlinie Analysten zufolge mehr als 15 Millionen Euro.

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

Stornierung und Umbuchung

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

Verspätung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

Die Positionen der beiden Kontrahenten liegen weit auseinander. Verdi fordert für die Beschäftigten sichere Jobs sowie 5,2 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Lufthansa bietet nach Gewerkschaftsangaben über den gleichen Zeitraum lediglich rund 0,5 Prozent mehr Gehalt und keinerlei Zusagen zur Beschäftigungssicherung. Der Konzern begründet seine Haltung damit, dass er sich einen hohen Lohnabschluss wegen der rapide gestiegenen Spritkosten und des harten Konkurrenzdrucks nicht leisten kann. Die Lufthansa verfolgt derzeit einen scharfen Sparkurs, dem weltweit 3500 Jobs zum Opfer fallen. Mit Hilfe des Umbaus will die Airline ihr operatives Ergebnis bis 2015 auf 2,3 Milliarden Euro erhöhen.

In dem Tarifclinch ist bereits ein weiterer Verhandlungstermin für den 2./3. Juni angesetzt.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×