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21.04.2015

15:08 Uhr

Vileda-Hersteller Freudenberg

Ein Grasbesen für Indien

VonJens Koenen

250 Millionen indische Haushalte kehren noch mit Grasbesen. Darum baut der Vileda-Hersteller Freudenberg die Naturfaser nun künstlich nach. Die modernen Grasbesen sollen besser kehren als das Original.

Neue Besen kehren besser - jedenfalls behauptet das der Hersteller des Grasbesens aus Kunstfaser.

Grasbesen

Neue Besen kehren besser - jedenfalls behauptet das der Hersteller des Grasbesens aus Kunstfaser.

WeinheimInnovationen müssen nicht immer bahnbrechend sein. Das zeigt das Weinheimer Familienunternehmen Freudenberg. Eigentlich ist der Mischkonzern mit Marken wie Vileda dafür bekannt, eher komplexe Probleme zu lösen. Vor zig Jahren wurde hier der Simmering erfunden, die erste Dichtung für sich drehende Wellen. Doch Freudenberg kann auch anders. In Indien hat das Unternehmen den dort weit verbreiteten Grasbesen künstlich nachgebaut und damit einen echten Verkaufsschlager gelandet. „Das Teil läuft wie verrückt“, freut sich Tilman Krauch, im Freudenberg-Vorstand unter anderem für Innovationen zuständig.

Der Besen wurde der Natur im wahrsten Sinne des Wortes nachempfunden – ganz nach dem Bionic-Modell. Man habe die Eigenschaften der in Indien üblicherweise verwendeten Grasfasern analysiert, die Struktur und den Aufbau des Besen – eben alle die Dinge, die man in den 250 Millionen Haushalten in Indien so schätzt, berichtet Krauch. Gemeinsam mit den Nutzern  wurde dann der Besen mit künstlichen Fasern nachgebaut.

Herausgekommen ist ein simples Kehrgerät mit schmalen und langen Borsten, das Freudenberg nur in Indien verkauft. „Wer den Besen sieht, weiß sofort, warum wir ihn nicht auch in Europa auf den Markt bringen“, sagt Krauch lachend. Tatsächlich sind die Anforderungen in beiden Regionen der Welt grundsätzlich andere. Das beginnt schon bei der Beschaffenheit des Bodens und endet beim Sauberkeitsanspruch. Inder sind Staub gewohnt. Der bislang gebräuchliche Grasbesen staubt fast mehr als dass er kehrt. Zum einen können die Gräser den Staub nur mangelhaft binden, zum anderen geben die Gräser gerade in der ersten Zeit selbst jede Menge Partikel ab, etwa Grassamen.

Die zehn umsatzstärksten Konsumgüterhersteller

Hintergrund

Die Unternehmensberatung OC&C hat die Top-50-Konsumgüterhersteller untersucht. Nur ein deutsches Unternehmen schaffte es in das Ranking.

Platz 42 – Henkel

Heimatland: Deutschland
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 10.7 Milliarden US-Dollar (8,34 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 14,0 Prozent

Platz 10 – Tyson Foods

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 34.4 Milliarden US-Dollar (26,81 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 3,9 Prozent

Platz 9 – Archer Daniels Midland

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 34.9 Milliarden US-Dollar (27,2 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 2,6 Prozent

Platz 8 – Mondelez

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 35.3 Milliarden US-Dollar (27,52 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 15,8 Prozent

Platz 7 – JBS

Heimatland: Brasilien
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 41.2 Milliarden US-Dollar (32,12 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 4,3 Prozent

Platz 6 – AB InBev

Heimatland: Belgien
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 43.2 Milliarden US-Dollar (33,67 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 48,0 Prozent

Platz 5 – Coca Cola

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 46.9 Milliarden US-Dollar (36,56 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 24,3 Prozent

Platz 4 – Unilever

Heimatland: Grobritannien/Niederlande
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 66.1 Milliarden US-Dollar (51,52 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 15,1 Prozent

Platz 3 – Pepsi

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 66.4 Milliarden US-Dollar (51,76 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 14,6 Prozent

Platz 2 – Procter & Gamble

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel2013: 84.2 Milliarden US-Dollar (65,63 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 18,3 Prozent

Platz 1 – Nestlé

.Heimatland: Schweiz
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 99.5 Milliarden US-Dollar (77,56 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 15,6 Prozent

Die Kunststofffasern, entwickelt von den Kollegen, die bei Freudenberg Fasermaterialien  etwa für Dächer herstellen, binden dagegen den Staub. Selbstbewusst haben die Entwickler ihre Idee deshalb  auch  „no dust broom" genannt.

Freudenberg zählt mit rund 40000 Mitarbeitern zu den größten Familienunternehmen Deutschlands. Was vor über 150 Jahren als Gerberei begann ist heute ein großes und breit  aufgestelltes Unternehmen. Das Unternehmen stellt etwa Schwingungstechnologie für die Autoindustrie oder Vorprodukte für die Medizintechnik auf Vliesstoff-Basis her.

Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 6,3 Prozent auf 7,04 Milliarden Euro steigern. Das Konzernergebnis schnellte sogar um 19 Prozent auf 478 Millionen Euro in die Höhe. Die Umsatzrendite stieg auf einen für ein fertigendes Unternehmen beachtlichen Wert von  9,1 Prozent.

Kommentare (1)

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Peter Pauli

21.04.2015, 16:17 Uhr

Indien ist jetzt schon das dreckigste Land der Erde, mit Plastikmüll an jeder dritten Ecke, da kommt ein Besen aus künstlichen Fasern gerade recht. Was ist das Konzept des Herstellers diese Dinger wieder zu entsorgen, wenn nötig? Ohne eines wäre es ein weiteres Verbrechen an der Natur.

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